Zusammen mit Statnett und der KfW hat Übertragungsnetzbetreiber Tennet Nordlink, das grüne Kabel zum Austausch norwegischer Wasserkraft und deutscher Windenergie, in den Probebetrieb genommen. Damit verbunden ist der Eintritt des Interkonnektors in den europäischen Strommarkt.
„Wir haben erstmals die Strommärkte Norwegens und Deutschlands direkt miteinander verbunden. Das grüne Kabel kann rechnerisch rund 3,6 Millionen Haushalte mit klimaneutraler Energie versorgen“, sagt Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. Und weiter: „Norwegische Wasserkraft und deutsche Windenergie ergänzen sich in diesem System wechselseitig in optimaler Weise.“
Wie das Prinzip funktioniert
Dabei fungieren die Wasserreservoirs in Norwegen quasi als „Energiespeicher“, denn bei Stromimport aus Deutschland – und besonders dann, wenn in Deutschland überschüssige Windenergie vorhanden ist – kann das Wasser in ihnen verbleiben.
Umgekehrt können bei Verbrauchsspitzen und gleichzeitig geringer Wind- und Solarenergieerzeugung in Deutschland die norwegischen „Wasserkraft-Speicher“ genutzt und Strom nach Deutschland transportiert werden. Wenn die Preise in Deutschland höher als in Norwegen sind, weil Windkraftanlagen und Solarzellen nur wenig Strom produzieren, kann über Nordlink Energie aus norwegischer Wasserkraft importiert werden.
Vorteile für Norwegen
In Norwegen sollen sich positive volkswirtschaftliche Effekte vor allem aus dem Energieüberschuss aufgrund gestiegener Produktionskapazität ergeben. Vor allen in Zeiten, in denen der Zustrom in die Wasserreservoirs hoch ist. In Trockenzeiten in Norwegen würden dann die norwegischen Verbraucher profitieren, weil dann ausreichend Strom aus deutschen Wind- und Solarenergieüberschüssen importiert werden kann.
Teilnahme am Intraday-Day-Ahead-Markt
Ein erheblicher Teil der Vorteile von Nordlink entsteht durch die Einnahmen aus der Zurverfügungstellung der Übertragungskapazität in den europäischen Day-ahead- und Intraday-Markt. Diese Erträge werden entsprechend der regulatorischen und gesetzlichen Vorgaben unter anderem zur Finanzierung von Netzprojekten oder zur Senkung der Stromtarife verwendet.
Dabei bestimmt die sich zwischen Norwegen und Deutschland einstellende Preisdifferenz die Flussrichtung des Stroms. Zu erwarten ist, dass zumeist dasjenige Land exportiert, das gerade den günstigeren Preis in den Markt einbringt.
Internationales Webinar als Vorbereitung
In Vorbereitung auf den Markteintritt war bereits im November ein internationales Webinar veranstaltet worden. 180 Marktteilnehmer aus ganz Europa und aus verschiedenen Institutionen und Bereichen, wie Energiehändler, Strombörsen, Übertragungsnetzbetreiber, Ministerien, Regulierungsbehörden und Universitäten erhielten umfassende Informationen zu marktbezogenen Themen, wie Kapazitätsberechnung und -nutzung.
Nach Abschluss der Probebetriebsphase, in der NordLink die komplexen betriebstechnischen Anforderungen durchläuft, wird das „grüne Kabel“ voraussichtlich im Frühjahr 2021 umfassend geprüft und fertiggestellt sein. (sg)



