Die Thüga ist seit zehn Jahren im Besitz eines großen Stadtwerke-Konsortiums.

Die Thüga ist seit zehn Jahren im Besitz eines großen Stadtwerke-Konsortiums.

Bild: © Thüga

Wie können verschiedenste Energieerzeuger ihren Strom vor Ort direkt an Kunden vermarkten? Die Thüga erforscht, ob hier eine regionale Stromhandelsplattform (RegHEE) auf Basis der Blockchain-Technologie funktionieren kann. Das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie fördert das Projekt über das Zentrum Digitalisierung Bayern. Partner der Thüga sind die Technische Universität München (TUM), die regionalen Energieversorger Erdgas Schwaben und Energie Südbayern sowie Syneco und die Thüga SmartService GmbH (TSG).

Alle, die sich am lokalen Energiehandel beteiligen wollen, können ihre voraussichtlichen Strommengen automatisiert auf einer Handelsplattform anbieten. Die produzierte Strommenge wird einfach in das Ortsnetz eingespeist. Intelligente Messsysteme erfassen die Mengen und verbuchen sie auf der Plattform. Markus Last von Erdgas Schwaben erklärt: „Wer kaufen will, setzt seinen Maximalpreis als Obergrenze ein und kauft. Liegt der Preis über diesem persönlichen Limit, wird überregionaler Strom aus dem allgemeinen Stromnetz erworben.“

Regionale Identität

Zum offiziellen Projektstart konnten die Projekt- und Förderpartner in München den bayerischen Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie Hubert Aiwanger, begrüßen. Der Minister ist von dem Ansatz überzeugt: „Wenn wir den Bürgerinnen und Bürgern ihren persönlichen Nutzen deutlich aufzeigen, gelingt es uns, mehr erneuerbare Energien in das System zu bringen. Ich sehe neue Technologien wie Blockchain als wichtiges Mittel, die Energiewirtschaft zu modernisieren. Die Kunden möchten, dass ‚ihr‘ Strom auch wirklich vor Ort erzeugt wird.“

Matthias Cord, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Thüga Aktiengesellschaft, ergänzt: „Regionale Energieversorger sind vor Ort verankert und nahe am Kunden. Daher sind sie ideale Partner, die regionale Identität und das gewachsene Umweltbewusstsein ihrer Energie-Kunden zu unterstützen.“ Das Projekt sei grundsätzlich offen für alle denkbaren Erzeuger, so Cord. Er verdeutlicht: „Neben PV-Anlagen von Hausbesitzern könnten dies auch Blockheizkraftwerke oder sogar Windenergieanlagen von Bürgerenergiegenossenschaften sein.“

Kunden können eigenen Strom vermarkten

Energie Südbayern und Erdgas Schwaben liefern umweltbewussten Kundinnen und Kunden bereits heute Ökostrom und CO2-neutrales Erdgas. Mit RegHEE werden gezielt die Kunden angesprochen, die solche Produkte suchen – die aber vielleicht auch nach flexiblen Möglichkeiten für ihre eigene Stromproduktion suchen. „Die dezentrale Energieversorgung ist ein wichtiger Baustein der Energiewende“, erläutert Franz Schulte, Geschäftsführer der TSG. „Unser Know-how als Gateway-Administrator können wir im RegHEE-Projekt perfekt einbringen.“

Sicherheit bei gleichzeitiger Transparenz für alle Handelspartner ist für eine dezentrale Handelsplattform Grundvoraussetzung. „In der Blockchain werden Transaktionen manipulationssicher fortgeschrieben. Jeder Block basiert auf den vorherigen Transaktionen, einzelne Blöcke lassen sich so nicht mehr verändern“, sagt Prof. Ulrich Wagner von der TUM. „Inwieweit die Blockchain für den regionalen Stromhandel einen Mehrwert liefern kann, gilt es in RegHEE zu untersuchen.“ (sig)

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