Vor allem in Spanien, Großbritannien, den USA und den skandinavischen Ländern wird die Direktvermarktung von erneuerbarem Strom über PPA immer wichtiger. Denn dieser wird immer wettbewerbsfähiger und in diesen Ländern gibt es keine staatlich garantierten Einspeisevergütungen beziehungsweise Ausschreibungen wie in Deutschland über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Oftmals wird in der Diskussion unterstellt, eine solche Ökostromvermarktung über langfristige Abnahmeverträge zu festen Preisen sei prinzipiell günstiger als die EEG-abgesicherte Vermarktung.
Bei einem Panel "Vermarktung EE-Strom: What`s next?" beim Energiegipfel des Handelsblatts widersprachen Branchenexperten. So wies Martin Altrock von Becker Büttner Held (BBH) darauf hin, dass die Zuschlagspreise für Solar- und Windstrom in Deutschland günstiger sind als beispielsweise bei PPA in Großbritannien. Als Grund hierfür sieht er, dass bei privaten PPA zusätzlich Risiken abgesichert werden müssen, die bei Ausschreibungen in Deutschland über die gleitende Marktprämie des EEG abgesichert sind, die dann greift, wenn die Zuschlagswerte für den Ökostrom überhalb der Börsenstrompreise liegen. "Unser Fördersystem hat Vorteile, weil es im Endeffekt günstiger ist", unterstrich Altrock.
Über PPA müssen mehr Risiken abgesichert werden
Ähnlich sieht dies Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung des Übertragungsnetzbetreibers Transnet BW. "Ich glaube nicht, dass es durch PPA günstiger wird, weil ja mehr Leute dabei etwas verdienen wollen und höhere Risiken abgesichert werden müssen", sagte er und verweis ebenfalls darauf, dass in Ländern wie Schweden und Finnland, wo jüngst größere PPA abgeschlossen wurden, die Strompreise bisher nicht gesunken sind.
Lars Quandel, Leiter Energie und Infrastruktur bei der HSH Nordbank, erläuterte etliche Risiken aus Finanzierungssicht. So muss vor allem die Stabilität des Projekt-Cashflows während der Kreditlaufzeit gesichert sein. Hierzu müssen die Solar- und Windparks wirklich zuverlässig die Strommengen liefern, die vertraglich vereinbart sind, die Anlagen müssen fristgerecht fertiggestellt worden sein, die Bonität des Abnehmers über eine längere Laufzeit von 10 oder 20 Jahren muss gesichert sein; dazu kommen auch noch Inflations- und Wechselkursrisiken.
40-prozentige Eigenkapitaldeckung gefordert
"Die Komplexität und die Risiken der Finanzierung steigen hierdurch", so Quandel. Die HSH reagiert hierauf, indem sie unter anderem eine 40-prozentige Eigenkapitaldeckung und eine 50-prozentige Rückführung des Finanzierungsvolumens in der ersten Hälfte der Finanzierungslaufzeit des Projektes voraussetzt. Bürgerenergieprojekte könnten hierbei beispielsweise nicht mehr mithalten, "hier kommen wir in eine Welt mit ganz anderen Playern", so Altrock.
So sind denn auch vor allem große Firmen wie Google, Nike oder BMW bisher im PPA-Geschäft aktiv, weil sie künftig erwartete höhere Strompreise aufgrund einer stärkeren CO2-Bepreisung absichern wollen. Dieses Vorgehen erfolge auch aus Image- oder Nachhaltigkeitsgründen oder aufgrund von Regulierungsauflagen. Doch trotzdem gehen die Experten davon aus, dass PPA künftig auch in Deutschland für die Finanzierung von Erneuerbare-Energien-Anlagen an Bedeutung zunehmen werden. (hcn)


