Der grüne Direktvermarkter Arge Netz Energie (ANE) hat in den vergangenen drei Jahren sukzessive 2000 MW, die Hälfte der elektrischen Anlagenleistung seiner 352 Gesellschafter, auf die Leitwarte seines virtuelles Kraftwerks aufgeschaltet. Damit verdreifachte sich die Kapazität seines "Erneuerbaren Kraftwerks", wie es die ANE nennt. Das geht aus einer Pressemitteilung der Mutter Arge Netz vom Freitag hervor.
Das virtuelle Kraftwerk steuert demnach auf einer digitalen Plattform, die die Arge Netz zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) entwickelt hat, zusammengeschaltete Erneuerbare-Energien-Anlagen, Speicher und Verbraucher. Zudem liefert es sekundengenaue Daten über die aktuelle Einspeisung der aufgeschalteten Einheiten und liefert eine Erzeugungsprognose ab.
Bereits Windstrom an Stadtwerk im Norden
Die ANE war erst vergangenes Jahr ausgegründet worden. Ihre Geschäftszwecke sind die Energievermarktung und die Erschließung neuer Energiemärkte. Die Gesellschaft baut derzeit den börslichen Stromhandel auf, der genauso Anfang 2019 starten soll wie die Lieferphase in der Direktvermarktung. Der Zugang zum Strom-Spothandel sei schon geschaffen, hieß es von der Arge Netz. Seit Juli beliefert man bereits ein ungenanntes schleswig-holsteinisches Stadtwerk mit Windstrom aus der Region.
"Mehrere Tausend Megawatt"
Derzeit bereitet der Vertrieb der ANE die Direktvermarktungs-Angebote für 2019 für Anlagen "mit einer Gesamtleistung von mehreren Tausend Megawatt" vor. Das ist etwas vage formuliert. Wie viele MW sind es denn nun? Jedenfalls hatte die Mutter Arge Netz vergangenen September zusammen mit dem Direktvermarkter Gesy angekündigt, "gemeinsam die Energievermarktung zusammen(zu)fassen". Arge Netz brachte auch damals 4000 MW auf die Waage, Gesy Green Energy Systems 3000 MW. Es war von einem "7000-Megawatt-Bündnis" die Rede.
Man wird vielleicht auf der "Wind Energy" erfahren, ob die neuen Partner ihre Direktvermarktungskapazitäten jetzt schon ganz oder teilweise zusammengelegt haben oder ob die Geschichte anders ausgegangen ist. Die Messe findet von Dienstag bis Freitag in Hamburg statt. Arge Netz und ANE gehören zu den Ausstellern.
Gesy war bis vor Kurzem Trianel-Partner
Die Stadtwerkekooperation Trianel hatte im Januar nach fast sieben Jahren den Verkauf ihrer 24,9 Prozent an der Gesy an die restlichen Gesellschafter verkündet. Die Gesy ist ein Zusammenschluss von Windmüllern, bei dem Größen wie Enertrag, Agrowea, Boreas, Energiekontor, Enova, Landwind, Preißler, PSM, Recap, SL Grüner Strom, VSB, WEB und WSB dabei sind. Beide damaligen Partner sprachen damals von steigendem Margendruck, der sie jeweils zu einer strategischen Neuaufstellung führe. Mit dem Disinvestment sei diese bei Trianel abgeschlossen.
Gesy teilte damals schon mit, dass sie mit der Arge Netz künftig "gemeinsame Wege in der Energievermarktung" gehen wolle – im Rahmen einer vertieften Kooperation. (geo)
Hier Link zur ZfK-Marktübersicht EEG- und KWK-Direktvermarkter vom Januar 2018 (siehe auch gedruckte ZfK 1/18)
