Besichtigung des Elektrolyseurs in Emden (von links): Rolf Kramer (Stadtwerke Emden); Alexander Flat (SWE); Gunnar Kielmann (SW Emden); Matthias Arends (SPD), MdL aus Emden, Umweltminister Olaf Lies und Gerhard Kreutz 
(Hochschule Emden/Leer)

Besichtigung des Elektrolyseurs in Emden (von links): Rolf Kramer (Stadtwerke Emden); Alexander Flat (SWE); Gunnar Kielmann (SW Emden); Matthias Arends (SPD), MdL aus Emden, Umweltminister Olaf Lies und Gerhard Kreutz (Hochschule Emden/Leer)

Bild:Hochschule Emden/Leer

Wasserstoff wird eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der Energiewende spielen. Davon ist der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) überzeugt. Im Rahmen seiner Sommerreise durch Ostfriesland informierte sich der Minister bei den Stadtwerken Emden (SWE) und der Hochschule Emden/Leer über den vor einem halben Jahr installierten Prototypen eines Elektrolyseurs. Mit Hilfe der neuartigen Anlage werden nach Angaben von Stadtwerke-Chef Manfred Ackermann täglich etwa 80 Kilogramm Wasserstoff erzeugt, die direkt ins Gas- und Stromnetz der SWE fließen. 2,5 Mio. Euro wurden bisher in das EU-Projekt HPEM2GAS (High Performance PEM Electrolyzer for Cost-effective Grid Balancing Applications) investiert, neben den Emder Stadtwerken und der Hochschule ist daran auch ein internationales Konsortium beteiligt. 

Tägliche Produktion von acht Tankfüllungen

Die Emder speichern also bereits mit Erfolg überschüssigen Windstrom. "Wir haben in der Region die Möglichkeit, in großem Stil Wasserstoff respektive synthetisches Erdgas zu erzeugen. Die kleine Forschungsanlage ist für uns ein erster Schritt", so Stadtwerke-Chef Ackermann. "Die tägliche Wasserstoffproduktion des Emder Prototypen entspricht etwa  acht Tankfüllungen", erläuterte Alexander Flat, bei den Emder Stadtwerken zuständig für Power to Gas. Gunnar Kielmann, technischer Leiter der Stadtwerke, hob hervor, dass die Wirtschaftlichkeitsprüfung der Anlage neben der technischen Analyse ein wichtiger Bestandteil des Projekts sei.

Um wirklich verlässliche Daten zu bekommen, würden die unterschiedlichsten Szenarien in der Praxis durchgespielt. "Wir stressen die Anlage sozusagen – von Kaltstarts über längere Ruhephasen bis zu häufigem An- und Ausschalten", so Kielmann. "Als Betreiber brauchen wir diese Informationen." Stadtwerke-Chef Ackermann sieht in der vermehrten Wasserstoffproduktion an der Küste nicht nur eine Chance für die Region – auch für die Einspeisung ins Ferngasnetz könne dies interessant werden. Rückendeckung kommt da auch von Hochschulpräsident Professor Gerhard Kreutz: "Mit unserer anwendungsorientierten Forschung treiben wir die nachhaltige Entwicklung der erneuerbaren Energien voran und zeigen alternative Möglichkeiten der Energieerzeugung und –speicherung auf, und zwar insbesondere auch mit Blick auf die aktuelle Klimaschutzdebatte."

Internationales Konsortium

Das Projekt HPEM2GAS läuft seit April 2016 und endet im September dieses Jahres. Projektpartner sind neben der Hochschule Emden/Leer und den Stadtwerken Emden der Consiglio Nazionale delle Richerche (nationaler Forschungsrat, Italien), ITM Power (England), Solvay Speciality Polymers (Italien), IRD Fuel Cells (Dänemark) und Uniresearch BV (Niederlande). Die Wasserstoffproduktioin in Emden ist Teil des Smart City-Konzepts der Stadtwerke, für ihren ganzheitlichen Digitalisierungsansatz wurden sie im Jahr 2017 mit dem STADTWERKE AWARD in Gold ausgezeichnet. Dieser Preis wird seit über zehn Jahren von der Stadtwerkekooperation Trianel ausgelobt und in Kooperation mit der VKU Akademie und der Zeitung für kommunale Wirtschaft verliehen.

Niedersachsen soll Wasserstoffzentrum werden

Der Bund fördert allein in Niedersachsen drei Projekte als Reallabore der Energiewende. Umweltminister Lies will das Land deshalb zu einer "Drehscheibe und einem Mittelpunkt der zukünftigen Wasserstoffwirtschaft machen". Neben Strom solle Wasserstoff im kommenden Jahrzehnt als zweiter Energieträger einer klimaneutralen Energieversorgung etabliert werden. Bereits im März hatte Lies den Bau einer entsprechenden Pilotanlage zur Gewinnung von Wasserstoff aus Ökostrom bis 2022 angekündigt. (hoe)

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