Der Windkraftausbau an Land hat im vergangenen Jahr an Fahrt aufgenommen. Die installierte Leistung der neuen Anlagen belief sich auf 3.567 MW, ergab eine Auswertung von Wind Guard im Auftrag von VDMA Power Solutions und BWE. Davon stammen 1.076 MW aus Repoweringprojekten.
Die Prognose beider Verbände im Korridor zwischen 2.700 und 3.200 MW wurde damit übertroffen. Neu bezuschlagt wurden 2023 rund 6.400 MW Windkraftleistung an Land. Das entspricht fast einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr (2022: 3.485 MW).
Gesamtbestand erreicht 61.000 MW
Der Gesamtbestand von Windkraftanlagen ist 2023 auf 28.677 Windkraftanlagen angewachsen, die auf eine Gesamtleistung von 61.000 MW kommen. "Der deutliche Aufwärtstrend stimmt positiv, dennoch ist es bisher nicht gelungen, die ambitionierten politischen Ziele mit der Realität in Einklang zu bringen", resümierte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, bei der Vorstellung der Zahlen.
Im Jahr 2023 sei von einem Ausschreibungsvolumen von 12.800 MW nur etwa die Hälfte tatsächlich bezuschlagt worden. Die Zubaulücke müsse jetzt über mehr Projekte, schnellere Genehmigungen, mehr Flächen und den Abbau von Realisierungshürden reduziert werden, forderte er.
Die Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Bärbel Heidebroek, forderte angesichts der Spitzenwerte bei den Neugenehmigungen die Politik auf, einen zuverlässigen gesetzlichen Rahmen "über diese Legislaturperiode" hinaus, um diese positiven Entwicklungen zu verfestigen. "Der insgesamt erfolgreiche Hochlauf der erneuerbaren Energien muss mehr sein als nur die Reaktion auf externe Krisen", betonte sie.
Deutliche regionale Unterschiede
Beim Ausbau von Windkraftanlagen an Land stellten die Experten deutliche Unterschiede zwischen den Ländern fest. Während die Länder Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen das Ranking anführen, sind die südlichen Bundesländern weiterhin auf den hinteren Plätzen. "Der Süden muss aufwachen und endlich handeln", so ein Appell der Verbände. Als wesentliche Hindernisse, die es abzuschaffen gelte, nennen VDMA und BWE die begrenzte Flächenverfügbarkeit, lange Genehmigungsphasen und den schleppenden Infrastrukturausbau.
Für das laufende Jahr rechnen die Verbände "bei unveränderter Realisierungsgeschwindigkeit" mit einem "zu erwartenden Zubau in Höhe von mehr als 4.000 MW". (am)
