Das EU-Energielabel (EU-Energieverbrauchskennzeichnung) findet sich inzwischen auf vielen Produkten.

Das EU-Energielabel (EU-Energieverbrauchskennzeichnung) findet sich inzwischen auf vielen Produkten.

Bild: © Michael Staudinger/Pixelio

„Ohne Energieeffizienz ist kein sinnvoller Einsatz von erneuerbarer Wärme und kein ambitionierter Klimaschutz möglich“. Dies unterstrich Peter Mellwig vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) am Dienstag bei den Berliner Energietagen.

Importabhängigkeit von politisch instabilen Regionen

Denn wird auf ambitionierte Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäudebereich verzichtet, müssen enorm hohe Mengen von regenerativ gewonnenem Power2Gas zur Wärmeversorgung eingesetzt werden, um Klimaschutzziele zu erreichen. Dies treibt die Kosten stark in die Höhe und birgt zusätzliche Risiken aufgrund der Nutzungskonkurrenz von Power2X für einen dekarbonsierten Verkehr und die Industrie sowie einer hohen Importabhängigkeit von politisch instabilen Regionen. Dazu kommt der Vorteil, dass die energetische Sanierung und weitere Effizienzmaßnahmen die Qualität des Gebäudebestands erhöhen, so eine wichtige Schlussfolgerung der Agora-Studie „Die Rolle der Energieeffizienz in Zeiten der Sektorenkopplung“. Neben dem IFEU wirkten an ihr das Fraunhofer Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE sowie das Beratungsunternehmen Consentec mit.

Szenarien im Vergleich

Verglichen wurde ein Effizienz-Szenario mit vier weiteren Szenarien, in denen eine verringerte Effizienz mit anderen Optionen des Einsatzes erneuerbarer Energien aufgefangen wird. Vorgabe ist jeweils eine Emissionsreduzierung von Treibhausgasen bis 2030 um 55 Prozent und bis zum Jahr 2050 um 87,5 Prozent (gegenüber 1990) sowie die Einhaltung der Klimaschutzziele auch für den Verkehr. Bei dem Effizienzszenario gilt die Vorgabe einer 44 prozentigen Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebereich bis 2030, einer jährlichen Sanierungsrate von 2,2 Prozent sowie eine Verschärfung an die energetische Optimierung der Bauteile um 29 Prozent. Bei den Szenarien Effizienz plus erneuerbare Energien (Wärmepumpen, Solarthermie, Wärmenetz), Effizienz plus Wärmepumpe und Effizienz plus Power2Gas (jährlich bis 177 TWh/a) beträgt die jährliche Gebäudesanierungsrate nur 1,7 Prozent, die Effizienz wird um 37 Prozent gesteigert und die Anforderungen an die Bauteile verschärfen sich um nur elf Prozent.

Jährliche Mehrkosten von 10 Milliarden Euro

Bei einem Szenario „Bau plus PTG“ schließlich wird die derzeitige jährliche energetische Sanierungsrate von 0,8 Prozent im Bestand nur unwesentlich auf 1,3 Prozent gesteigert, die Gesamteffizienz nur auf 27 Prozent und die Anforderungen an die Gebäudeteile verschärfen sich um nur sechs Prozent. Entsprechend müssen bei diesem letzteren Szenario bis zu 289 TWh/a Power2Gas eingesetzt werden, um die Klimaschutzlücke zu schließen. Die jährlichen Mehrkosten gegenüber einem Effizienzszenario liegen bei gut zehn Milliarden Euro, so die Studienautoren.

Jedenfalls appellierte Alexandra Langenheld von Agora Energiewende wie schon am Tag zuvor die Deutsche Umwelthilfe an die Große Koalition, der Ankündigung von „Efficiency First“ auch endlich Taten folgen zu lassen. Dies gelte insbesondere für steuerliche Anreize. (hcn)

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