Defizite bei kommunalen Wärmeplänen

Städte gehen die Wärmeplanung teils lückenhaft an (Symbolbild).
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Von Daniel Zugehör
Die kommunale Wärmeplanung ist vielerorts unzureichend ausgestaltet. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Denkfabrik Stiftung Klimaneutralität, die 15 abgeschlossene kommunale Wärmepläne aus acht Bundesländern untersucht hat. Insgesamt wurden Planungen für rund 650.000 Haushalte analysiert. Das Fazit: große Unterschiede in Ambitionsniveau, Vergleichbarkeit und sozialer Ausrichtung.
Große Unterschiede bei Qualität und Verbindlichkeit
Während einige Kommunen demnach klare Festlegungen für ihre Wärmeversorgungsgebiete treffen, würden andere auffallend vage bleiben. In einzelnen Fällen werden bis zu 35 Prozent der Haushalte sogenannten Prüfgebieten zugeordnet – also Flächen, in denen die künftige Versorgungsoption offenbleibt. Für die Umsetzung der Wärmewende bedeutet das Planungsunsicherheit für Stadtwerke, Investoren und Gebäudeeigentümer.
Auch bei der Abgrenzung zwischen Nah- und Fernwärme zeigen sich erhebliche Unterschiede. Obwohl diese Unterscheidung für Netzauslegung, Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Förderstrategien zentral ist, wird sie in den kommunalen Wärmeplänen uneinheitlich gehandhabt. Aus Sicht der Stiftung ist dies ein klares Indiz dafür, dass die gesetzlichen Vorgaben bislang zu viel Interpretationsspielraum lassen.
Obwohl viele Kommunen schon dieses Jahr ihre Planungen abgeschlossen haben müssen, ist ihre Zahl noch äußerst gering – nach ZfK-Informationen haben weniger als zehn Prozent die gesetzlichen Vorgaben erfüllt (Stand: Dezember 2025). Hier ein Überblick in acht Grafiken.
"Die Qualität der kommunalen Wärmeplanung hängt derzeit stark vom Ambitionsniveau der lokalen Akteure ab", sagt Thomas Losse-Müller, Direktor der Stiftung Klimaneutralität. Bürgerinnen und Bürger müssten jedoch bundesweit eine vergleichbare Planungsqualität erwarten können – unabhängig vom Wohnort.
Soziale Aspekte bislang kaum berücksichtigt
Besonders kritisch bewertet die Studie den Umgang mit sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen. In den untersuchten Wärmeplänen spielen sozio-ökonomische Daten bislang kaum eine Rolle. Dabei entscheidet sich der Erfolg der Wärmewende nicht allein auf der Planungsebene, sondern in der Umsetzung: beim Bau von Wärmenetzen ebenso wie beim Heizungstausch in privaten Haushalten.
"Haushalte müssen sich Wärmepumpen
oder Fernwärmeanschlüsse leisten können –
das ist nicht überall gleichermaßen gegeben"
"Stadtwerke müssen Investitionen stemmen können, und Haushalte müssen sich Wärmepumpen oder Fernwärmeanschlüsse leisten können – das ist nicht überall gleichermaßen gegeben", betont Losse-Müller. Ohne eine systematische Berücksichtigung dieser Faktoren drohten Fehlentscheidungen, Akzeptanzprobleme und soziale Schieflagen.
Die Studie zeigt auf, wie sozio-ökonomische Daten gezielt in die Wärmeplanung integriert werden können. Durch die Verschneidung kommunaler Planungsdaten mit der "Persona-Analyse" des "Sozial-Klimarats" etwa ließen sich vulnerable Haushaltsgruppen identifizieren. Gerade in Prüfgebieten, in denen techno-ökonomische Kriterien keine eindeutige Entscheidung zulassen, könnten soziale Daten handlungsleitend sein.
Detaillierteres Lagebild als Mehrwert
Auch für dezentrale Versorgungsgebiete würden sozio-ökonomische Analysen wertvolle Hinweise liefern: Sie zeigen, wo bestimmte Eigentümerstrukturen dominieren, wo Wohnungseigentümergemeinschaften koordiniert angesprochen werden müssen und welche Quartiere einen besonders hohen Beratungs- und Förderbedarf haben. Auf dieser Grundlage sollen sich passgenauere Dekarbonisierungsstrategien entwickeln lassen.
Die der Stiftung Klimaneutralität nahestehende Plattform Sozialklimarat wird auch von Losse-Müller geleitet. Die sogenannte Personaanalyse enthält 16 fiktive Haushaltsprofile, die laut der Plattform repräsentativ für Haushalte in Deutschland sind. Dies solle dabei helfen, "relevante politische Handlungsbedarfe" abzuleiten.
Aus den Studienergebnissen zur Wärmeplanung leitet die Stiftung Klimaneutralität mehrere zentrale Empfehlungen ab. Dazu gehört die systematische Integration sozio-ökonomischer Daten in alle Phasen der kommunalen Wärmeplanung. Zudem sollten für dezentrale Gebiete Quartiersinstrumente entwickelt werden, um bestehende Förderprogramme – insbesondere die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) – zielgenauer einzusetzen.
Die 2020 in Berlin gegründete Stiftung Klimaneutralität entwickelt nach eigenen Angaben unabhängig von Einzelinteressen sektorübergreifende Strategien für Klimaneutralität. Sie berät Politik und Öffentlichkeit, auch in Kooperation mit anderen Denkfabriken und wissenschaftlichen Institutionen.
Forderungen an die Politik
Darüber hinaus fordert die Stiftung eine Konkretisierung der gesetzlichen Kriterien im Wärmeplanungsgesetz. Einheitlichere Vorgaben könnten die Vergleichbarkeit erhöhen und die Planungssicherheit verbessern. Prüfgebiete sollten klar definiert und in ihrem Umfang begrenzt werden, um verbindliche Entscheidungen nicht unnötig aufzuschieben.
"Die Wärmewende wird nur gelingen, wenn sie technisch machbar, wirtschaftlich tragfähig und sozial ausgewogen gestaltet wird", so Losse-Müller. Die kommunale Wärmeplanung sei das Instrument, um diese drei Dimensionen zusammenzuführen – die Einbindung sozio-ökonomischer Daten der nächste entscheidende Schritt. Die gesamte 35-seitige Studie ist online als PDF verfügbar.

