Die Gaspreise zeigen sich auch in dieser Woche wieder stark volatil und von den geopolitischen Ereignissen getrieben. Hoffnungen auf eine friedliche Lösung in Nahost wechseln sich im Tagestakt mit Sorgen um die Speicherbefüllung wegen der schwachen LNG-Importe.
LNG-Importe im Juli auf Zwei-Jahres-Tief
Die europäischen LNG-Importe im Juli liegen mit voraussichtlich 93 Tankerlieferungen noch unter dem schwachen Ergebnis des Vormonats und damit auch im Juli auf dem tiefsten Stand seit September 2024.
Grund sind die deutlich rückläufigen LNG-Importe aus den USA, die mit voraussichtlich nur 46 Ladungen (Juni 26: 51 Ladungen) die niedrigsten Importe seit knapp zwei Jahren markieren. Die LNG-Importe aus Russland sinken mit nur zehn LNG-Ladungen (Juni 26: 17 Ladungen) auf den tiefsten Stand seit einem Jahr.
Die anderen europäischen LNG-Importeure können die stark zurückgegangenen LNG-Importe aus USA und Russland nicht kompensieren. Norwegen lieferte wie im Juni zehn Ladungen, Algerien neun Ladungen, lediglich Nigeria konnte mit insgesamt neun Ladungen gegenüber den Vormonaten deutlich zulegen.
Große Abhängigkeit zu USA macht verwundbar
Die große Abhängigkeit der europäischen LNG-Versorgung von den USA offenbart damit ihre Probleme. Nach dem Ausfall Katars gibt es für die Europäer keinen alternativen Anbieter, der die benötigten hohen Importvolumina ersetzen kann.
Die USA exportieren im Juli voraussichtlich rund 40 LNG-Ladungen weniger nach Europa als noch im Februar dieses Jahres. Dies ist ein signifikanter und folgenschwerer Rückgang. Auf der anderen Seite haben die USA seitdem ihre Exporte nach Asien deutlich ausgebaut.
Gingen im Februar nur insgesamt 15 LNG-Ladungen in die fünf größten LNG-Abnehmerländer Asiens (China, Japan, Südkorea, Taiwan und Indien), so sind es im Juli voraussichtlich 45 LNG-Ladungen. Die US-Exporte in diese asiatischen Abnehmerländer liegen damit im Juli auf Allzeithoch.
Seit Mai fehlen rund 25 LNG-Ladungen pro Monat
Ende April hatten wir den Zielwert von monatlich 130 LNG-Ladungen in den Monaten Mai bis September ausgegeben, um bis Anfang Oktober einen Füllstand der EU-Gasspeicher von 75 Prozent zu erreichen.
Im Mai bis Juni lag der Durchschnitt nun jedoch bei nur 105 Ladungen pro Monat, mit fallender Tendenz, sodass gegenüber der Annahme von Ende April insgesamt 75 LNG-Ladungen fehlen.
Die benötigten Spotlieferungen sind nach Asien abgewandert.
Dies entspricht gerundet einer Fehlmenge von rund 75 Gigawattstunden (GWh) regasifziertem Erdgas und ist der Grund, warum wir in den letzten Wochen so niedrige Einspeicherungen sehen: Es fehlt schlicht an Erdgas, die benötigten Spotlieferungen sind nach Asien abgewandert.
Aktuell sind die Gasspeicher der EU zu 56 Prozent gefüllt, wären die oben genannten 75 GWh in Europa doch angekommen, wäre der Füllstand der Gasspeicher schon jetzt bei 63 Prozent.
Speicherfüllstand könnte zum Winterbeginn auf Allzeittief fallen
Die Netto-Einspeicherungen im Juli liegen wegen des schwachen LNG-Angebots daher EU-weit mit weniger als 90 Terrawattstunden (TWh) auf Rekordtief und rund 15 Prozent niedriger als im Fünf-Jahres-Mittel.
In Deutschland ist die Situation dramatischer, die Gasspeicher sind nur zu 46 Prozent gefüllt, 24 Prozentpunkte niedriger als im Fünf-Jahres-Mittel. Im Juli wurden in Deutschland voraussichtlich weniger als 13 TWh netto eingespeichert, so wenig wie noch nie zuvor.
Europa benötigt im August und September deutlich mehr LNG.
Europa benötigt im August und September deutlich mehr LNG, um die Gasspeicher zu befüllen und das geht nur über den Preiswettbewerb mit Asien. Neben den geopolitischen Signalen sollten daher auch die Speichersorgen im Folgenden an den europäischen Gasmärkten einen bullishen Takt vorgeben.
Schafft es Europa nicht, im August und September mehr LNG als bisher anzuziehen, so könnte in der EU der Speicherfüllstand zum Beginn des Winters deutlich unter 70 Prozent und in Deutschland deutlich unter 60 Prozent liegen.
Europa müsste LNG-Importe mehr als verdoppeln.
EWI-Analyse
Europas Gasspeicher sind Ende Juli 2026 nur zu rund 55 Prozent gefüllt. Um bis zum 1. November einen Speicherpuffer von rund 80 Prozent zu erreichen, wären derzeit etwa 275 Terawattstunden zusätzliches Gas nötig.
Dieses Gas müsste vor allem als Flüssigerdgas (LNG) nach Europa kommen, da Pipeline-Importe begrenzt sind und die europäische Förderung sinkt. Dafür müsste die Auslastung der Importterminals von derzeit rund 29 auf etwa 70 Prozent steigen. Das würde mehr als eine Verdopplung der LNG-Einfuhren bedeuten. Das zeigt die jetzt erschienene Studie "Gasbilanzanalyse Juli 2026 – Speicherstände, LNG-Konkurrenz und Terminpreise" des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI).
Der Engpass sind jedoch weniger die Terminals als die verfügbaren Mengen am Weltmarkt. Seit März 2026 liegt der asiatische Referenzpreis JKM über dem europäischen TTF, sodass LNG-Ladungen vermehrt nach Asien verkauft werden. "Europa konkurriert damit direkt mit Asien um LNG-Angebote.
Europa hat genügend Importterminals aufgebaut, aber sich nicht mit genügend LNG eingedeckt", sagt Hendrik Diers, Senior Research Associate am Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln (EWI). Ob die Speicher rechtzeitig befüllt werden, entscheide sich am Weltmarkt. Solange der Konflikt im Mittleren Osten anhalte und die Nachfrage nicht sinke, blieben die Gaspreise erhöht.