Solarthermie und Photovoltaik auf einem Dach: Für kleine PV-Anlagen stellt sich nach der EEG-Novelle 2027 die Frage, wie der Überschussstrom künftig vermarktet wird.

Solarthermie und Photovoltaik auf einem Dach: Für kleine PV-Anlagen stellt sich nach der EEG-Novelle 2027 die Frage, wie der Überschussstrom künftig vermarktet wird.

Bild: © U.J. Alexander/AdobeStock

Rund 100 Euro Mehrerlös pro Jahr. Das ist, was der Hamburger Energieversorger Rabot Energy für eine typische PV-Anlage mit zehn Kilowatt installierter Leistung in der Direktvermarktung in Aussicht stellt. Nicht üppig, aber ein Argument.

Denn laut dem Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle 2027 am 29. Juli entfällt für neue Anlagen die bisherige feste Einspeisevergütung. Stattdessen gibt es zunächst eine befristete Übergangszahlung für 36 Monate – und danach die Pflicht zur Direktvermarktung. Der Markt reagiert bereits auf die neue Situation.

Drei Partner, eine Direktvermarktungslösung

So haben Rabot Energy, der Software-Anbieter Clever PV und der Messstellenbetreiber Inexogy eine gemeinsame Lösung für die Direktvermarktung kleiner Dachanlagen entwickelt. Das Modell deckt die drei wesentlichen Bausteine ab: Rabot vermarktet den eingespeisten Überschussstrom an der Strombörse und leitet die Erlöse an die Kunden weiter.

Clever PV steuert Speicher, Wärmepumpe und Wallbox so, dass die Einspeisung in Stunden mit hohem Marktwert verschoben und bei negativen Börsenstrompreisen abgeregelt wird. Und Inexogy liefert das dafür nötige intelligente Messsystem – online bestellbar, unabhängig vom Netzgebiet.

Die Kosten sollen dabei überschaubar sein: Das Smart Meter von Inexogy kostet einmalig 70 Euro für den Einbau sowie 45 Euro pro Jahr. Für Neukunden mit PV-Anlage und Batteriespeicher übernehmen die Partner Einbau und die erste Jahresgebühr. Clever PV integriert die neue Funktion in seine bestehenden Abonnements, die ab fünf Euro pro Monat starten. Rabot Energy verdient an der Marge zwischen Börsenerlös und Kundenauszahlung. Der vollständige Launch ist zum 1. Januar 2027 geplant.

Ein wesentlicher Unterschied zu bestehenden Angeboten sei die Herstellerunabhängigkeit, betont das Unternehmen: Anders als bei Anbietern wie dem Allgäuer Speicherspezialisten Sonnen oder dem Hamburger Energie- und Wärmeunternehmen 1Komma5Grad müssen Kunden keine Anlage oder kein Energiesystem beim jeweiligen Anbieter kaufen. Das Angebot richte sich ausdrücklich auch an kleinere Anlagen bis zu 7 kW, darunter auch Balkonkraftwerke.

"Das Ende der Einspeisevergütung ist kein Grund, ein Solarprojekt aufzugeben, wir vermarkten den Strom an der Börse und geben die Erlöse weiter", sagt Jan Rabe, Geschäftsführer von Rabot Energy. "Auch der Batteriespeicher bleibt so das ganze Jahr wirtschaftlich im Einsatz – im Sommer für den Eigenverbrauch, im Winter zur Vermarktung an der Börse."

Was nach den 36 Monaten kommt

Während das Rabot-Energy-Trio vor allem den Einstieg in die Direktvermarktung adressiert, richtet sich das Kölner Unternehmen Spotmyenergy mit seinem Modell "SmartFlux" gezielt an Installationsbetriebe und blickt dabei weiter in die Zukunft. Denn die entscheidende Frage für viele Hausbesitzer lautet: Was passiert nach der dreijährigen Übergangszahlung?

Spotmyenergy hat dafür ein gestaffeltes Modell entwickelt. Nach Ablauf der Übergangszahlung sollen Kunden für maximal 48 Monate einen dynamischen Einspeisetarif auf Basis des Börsenpreises erhalten – abzüglich einer Direktvermarktergebühr von einem Cent pro Kilowattstunde (kWh), zuzüglich des gesetzlichen Bonus von 1,5 Cent pro kWh.

Unter der Annahme durchschnittlicher Börsenstrompreise rechnet das Unternehmen grob mit einem Erlös in der Größenordnung von vier bis fünf Cent pro kWh – allerdings ohne feste Zusage. Ab dem achten Jahr gilt dann schlicht: Börsenpreis minus ein Cent Direktvermarktergebühr.

"Wirtschaftlich wird sich ein Wechsel in die Direktvermarktung für die meisten Kunden wahrscheinlich erst nach der Übergangszahlung lohnen", räumt Spotmyenergy ein. Das Unternehmen sieht sein Angebot deshalb als Anschlusslösung und will Installateure in die Lage versetzen, ihren Kunden bereits beim Anlagenkauf 2027 eine klare Perspektive für die Zeit nach 2030 mitzugeben.

Direktvermarktung in Bewegung

Spotmyenergy und das Rabot-Energy-Trio sind nicht die Einzigen, die den Markt für die Direktvermarktung kleiner Dachanlagen erschließen wollen. Der Allgäuer Speicherspezialist Sonnen gilt als Pionier in diesem Segment und vermarktet Anlagen unter 30 kW bereits über sein virtuelles Kraftwerk – allerdings gebunden an eine eigene Sonnen-Batterie.

Der Hamburger Energieanbieter 1Komma5Grad bündelt Anlagen im eigenen Ökosystem und hat nach eigenen Angaben mittlerweile ein Gigawatt verschiebbare Leistung im virtuellen Kraftwerk. Die Direktvermarktung für private Kleinanlagen läuft dort jedoch vor allem im Rahmen des eigenen Komplettsystems.

Der Energieversorger EnviaM hat ein Produkt für Anlagen von 7 bis 25 kW angekündigt, das mindestens 0,4 Cent pro kWh mehr als die Einspeisevergütung bringen soll – ist aber noch nicht vollständig ausgerollt. Interessenten können sich bislang nur vormerken lassen. Der Markt ist seit dem Solarpaket I, das die Fernsteuerbarkeitspflicht für Kleinanlagen gelockert hat, deutlich in Bewegung geraten.

Mehr dazu auch hier: Chef von Spotmyenergy hält Direktvermarktungspflicht bereits für möglich

Auch Eon will Lösung anbieten

Einigkeit herrscht in der Branche darüber, dass die Grundrichtung der EEG-Novelle stimmt. Filip Thon, Vorsitzender der Geschäftsführung von Eon Energie Deutschland, begrüßt die Abkehr von der starren Einspeisevergütung und den geplanten Direktvermarktungsbonus als "wichtige Schritte".

Kritisch sieht er jedoch die geplante 50-Prozent-Einspeisebegrenzung: "Sie würde Flexibilitätspotenziale pauschal einschränken und die wirtschaftlich sinnvolle Nutzung von Solarstrom erschweren. Statt starrer Vorgaben braucht es intelligente Steuerbarkeit, Preis- und Flexibilitätssignale sowie praxistaugliche Marktmechanismen."

Auch Eon arbeite bereits an "kundenfreundlichen Produkten" für neu geplante Solaranlagen, kündigt Thon an. Direktvermarktung, darin ist sich die Branche einig, darf unter dem neuen EEG kein Nischenthema bleiben.

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