Noch sind Brennstoffzellenheizungen im deutschen Heizungsmarkt eine kleine Nische. Mehr als 21 Millionen Wärmeerzeuger zählt der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie. Lediglich 13.000 davon sind Brennstoffzellenheizungen. Trotzdem gab sich Timm Kehler, Vorstand der Brancheninitiative Zukunft Erdgas, zum Auftakt des Innovationsforums Wasserstoff & Brennstoffzelle mit der Marktentwicklung der neuen Technologie "sehr zufrieden".
Mut machen Kehler jüngste Zahlen. Brennstoffzellenheizungen verzeichneten seit Beginn der staatlichen KfW-Förderung im Jahr 2016 jährlich ein Wachstum von mehr als 50 Prozent, erläuterte er. Dieses Jahr sei eine neue Rekordzahl zu erwarten. "Der Markt ist sehr dynamisch", sagte Kehler. "Wir rechnen mit ungefähr einer halben Million Brennstoffzellenheizungen im Jahr 2030."
Ehrgeizige EU-Ziele
Dass Wasserstoff und Brennstoffzelle zentral sind für ein klimaneutrales Europa, davon ist erwartungsgemäß auch Andreas Lücke, Sprecher der Initiative Brennstoffzelle (IBZ), überzeugt. Gleichzeitig mahnte er: Wolle die Europäische Union wie angekündigt CO2-Emissionen bis 2030 um 60 Prozent im Vergleich zu 1990 senken, müsse auch der Anteil des deutschen Gebäudebestands von aktuell fast 120 Millionen Tonnen CO2 auf etwa 50 Millionen Tonnen sinken.
"Bei dem Schneckentempo, das wir jetzt haben, kommen wir nur auf 90 Millionen Tonnen", sagte er. "Das bedeutet für uns als IBZ: Wir müssen alle Register ziehen, um nur annähernd an die 50 Millionen Tonnen heranzukommen."
Wasserstoff als "Edeltechnologie"
Dämmmaßnahmen allein reichten für eine erfolgreiche Wärmewende nicht, führte Lücke aus. Ebenso müsse der Energiemix verändert werden, "hin zu grünen Gasen, auch zu Green Fuels, Holz und effizienter Anlagentechnik".
Letzteres erfüllt die Brennstoffzelle aus Lückes Sicht hervorragend. "Ich nenne sie gern die Edeltechnologie", schwärmte er. "Sie ist edel, weil sie viel kann. Sie hat einen hohen Wirkungsgrad. Sie kann aber auch Kraft-Wärme-Kopplung auf nicht-motorischer Basis."
Bezahlbarer Wasserstoff
Bleibt noch die Kostenfrage. Die Preise für türkisen und blauen Wasserstoff würden sehr eng an die Erdgaspreise gekoppelt sein, versicherte Zukunft-Erdgas-Vorstand Kehler. Und diese zeigten seit 15 Jahren "keinerlei Entwicklung nach oben", sondern eher nach unten. Er sei überzeugt, dass die Branche dank der bereits vorhandenen Gasinfrastruktur die Dekarbonisierung "möglichst kostengünstig" gestalten könne, sagte Kehler. "Wir stehen für bezahlbaren Klimaschutz. Heute mit Erdgas und morgen mit Wasserstoff." (ab)



