Schon kurz nachdem Susanna Zapreva den Vorstandsvorsitz bei der damaligen Stadtwerke Hannover AG im April 2016 übernahm, war die grüne Wärmewende ein wesentlicher Plan für die Zukunft. Jetzt präsentierte sie die ersten Projekte. Bereits realisiert ist das größte Vorhaben: die Wärmeauskopplung beim Kupferproduzenten Aurubis für die Wärmeversorgung von Teilen der Hamburger Hafencity.
Doch auch eine Nummer kleiner geht es voran. Der Bau der neuen Fernwärme-Trasse ist im Plan, mit der Wärme von der Müllverbrennungsanlage in Hannover Lahe ins Netz gebracht wird. Zur Heizperiode 2019 soll die Leitung fertig sein und dann 25 Prozent der hannöverschen Fernwärme CO2-neutral bereitstellen. Und ebenfalls in Lahe realisiert Enercity die Wärmeerzeugung aus einer neuen Klärschlammverbrennungsanlage mit einer Jahreskapazität von 30.000 Tonnen. In dieser Anlage könnte der gesamte Klärschlamm aus der Region mit 2,3 Millionen Einwohnern verbrannt werden. Wie die Ausschreibungen der Kommunen ausgehen, ist aber noch nicht absehbar. In Bitterfeld entsteht eine weitere Klärschlammverbrennungsanlage, die mit 70.000 Tonnen pro Jahr sogar die doppelte Kapazität bekommen soll.
Biogas-Anlagen werden für EEG modernisiert
Um die bestehenden 44 Biogas-Anlagen länger in der EEG-Förderung zu halten, investiert Enercity in den kommenden Jahren rund 20 Millionen Euro. Die ersten von den Contracting-Töchtern Danpower GmbH, Enercity Contracting GmbH und Energie-Projekt Langenhagen GmbH betriebenen Anlagen würden ab 2024 aus der EEG-Förderung fallen. Durch die Ertüchtigung sollen sie jeweils zehn Jahre länger von der Förderung profitieren. Die 100-Prozent-Beteiligungen Danpower und die Enercity Contracting GmbH sind bundesweit tätig.
Alleine Danpower steht für eine thermische Anschlussleistung von 970 MW und eine installierte elektrische Leistung von 120 MW, die mit Kraft-Wärme-Kopplung realisiert werden. Knapp 80 Prozent der Wärme und fast 100 Prozent des Stroms werden auf Basis erneuerbarer Energieträger produziert. Danpower betreibt rund 500 Energieerzeugungsanlagen, davon 37 Biogas-Anlagen.
Wärme-Contracting für Einfamilienhäuser
Mit den Produkten "KomplettWärme" und "ÖkoWärme" steigt Enercity jetzt auch in das Privatkundengeschäft mit Wärmedienstleistungen ein. Mit einem klassischen Contracting-Angebot für Gas-Brennwertthermen richtet sich das Unternehmen an Eigentümer von Einfamilienhäusern und Wohnungen. Mit dem Produkt "ÖkoWärme" liefert Enercity Nutzwärme für Einfamilienhäuser, die mit Luft-Wasser-Wärmepumpen erzeugt wird. Die Contracting-Angebote haben Laufzeiten von zehn und 15 Jahren und werden individuell kalkuliert. "Rund 85 Prozent der Heizungstechnik in Hannover sind älter als 15 Jahre und damit ineffizien", sagte Zapreva bei der Vorstellung der neuen Produkte. Damit läge Hannover noch schlechter als Deutschland insgesamt – hier sollen laut Aussage von Enercity 70 Prozent der Anlagen überaltert sein.
"Der Fokus in der Politik und Gesellschaft wird sich in den nächsten Jahren stärker auf die Wärme richten", sagte Zapreva. Enercity gehe bei der Wärmewende voraus. Der Anteil der erneuerbaren Energieträger bei der Wärmeerzeugung bei Enercity beginnt langsam zu steigen und betrug in den ersten neun Monaten des Jahres 29,4 Prozent (639 Mio. kWh, Vorjahr 615 Mio. kWh).
Beim Strom beträgt der Anteil erneuerbarer Energie in den ersten drei Quartalen 2018 bereits 34,5 Prozent nach 15,8 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die massive Veränderung resultiert nach Aussage von Enercity-Vorstand Marc Hansmann aus dem Verkauf des Kraftwerks Mehrum sowie dem Kauf des Windparkprojektierers Ventotec. Die Stromerzeugung ging jedoch gegenüber dem Vorjahreszeitraum durch den Wegfall des Kohlekraftwerks um 40,5 Prozent auf 2.292 Mio. kWh zurück.
Geschäftszahlen positiv
Laut Aussage von Zapreva haben sich alle Kennzahlen für die ersten drei Quartale 2018 positiv entwickelt. Der Energieabsatz durch Handel und Vertrieb ist in allen Sparten gestiegen. Beim Strom wies Enercity ein Plus von 3,0 Prozent auf 8.643 Mio. kWh aus. Bei Gas stieg der Absatz sogar um 35,4 Prozent auf 33.098 Mio. kWh. Trotz deutlich wärmerer Witterung stieg der Wärmeabsatz um 2,0 Prozent auf 2.054 Mio. kWh. Der heiße Sommer machte sich auch bei Trinkwasser bemerkbar – hier stieg die Abgabe um 7,3 Prozent auf 33,8 Millionen Kubikmeter (cbm).
Der Umsatz legte bei Enercity von Januar bis September 2018 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15,1 Prozent auf 1.769 Millionen Euro zu. Das Ebit verbesserte sich um 61 Prozent auf 128 Millionen Euro und das Ergebnis nach Steuern stieg um 77,5 Prozent auf fast 110 Millionen Euro. Neben dem guten Ergebnis der Thüga trug der Verkauf des Kraftwerks Mehrum zu dem Ergebnissprung maßgeblich bei. Die Abschreibungen, die in den Vorjahren vor allem durch das Kohlekraftwerk anfielen, sanken von 85 Millionen Euro (Jan-Sept 2017) auf jetzt nur noch 57 Millionen Euro. Gleichzeitig stiegen jedoch auf die Verbindlichkeiten um mehr als 100 Millionen Euro auf jetzt 850 Millionen Euro an. Am Jahresergebnis von 110 Millionen Euro für 2018 hält Enercity weiter fest. "Wir werden an die goldenen Zeit in den 2000er-Jahren anknüpfen", sagte Hansmann. (vo)
