Die Energie-Initiative in Halle (Saale) erweist sich gut drei Jahre nach ihrer Gründung als Erfolgsmodell: "Wir haben heute nach der Wiederinbetriebnahme des Blockes A im September vergangenen Jahres nun auch Block C im Kraftwerk Dieselstraße am Netz", sagt Olaf Schneider, Geschäftsführer der Energieversorgung Halle (EVH). Weil zudem inzwischen der Großwärmespeicher mit 5.0000 m³ Fassungsvermögen in Betrieb ist und seit kurzem auch eine Solarthermie-Anlage mit 3,3 MW in Halle Trotha errichtet wurde, kann Schneider zudem darauf verweisen, dass die EVH hinsichtlich des Umbaus der Fernwärmeversorgung der Saalestadt innerhalb der Zeit- und Kostenkorridore liegt. Weitere Projekte sollen mit einer großen Photovoltaik-Anlage, einer Wärmepumpe für die Nutzung von Flusswasser-Energie (ab 2022, 20 MWth) folgen, mit denen die Grundlast der Fernwärme im Sommer gesichert werden könne. Weiterhin verfolgt werde auch das Projekt einer Power-to-Heat-Anlage im Kraftwerk Dieselstraße – wobei derzeit die Nutzung von überschüssigen Netzstrom wegen der hohen Umlagen selbst bei negativen Strompreisen noch nicht wirtschaftlich ist.
Wohnungswirtschaft sieht Fernwärme als attraktiv an
In der Energie-Initiative sind inzwischen 26 Partner vereint, darunter vor allem die beiden städtischen und die elf genossenschaftlichen Wohnungsgesellschaften sowie die Stadt Halle, Kliniken und andere gesellschaftliche Institutionen. Sie haben sich verpflichtet, bei Neu- und Umbauten zu prüfen, ob ein Fernwärmeanschluss wirtschaftlich ist. Auf der anderen Seite modernisiert die EVH nicht nur die Erzeugung und kann einen zertifizierten Primärenergiefaktor von 0,0 (alte Berechnungsmethode) vorweisen. Damit konnte die Anschlussleistung trotz höherer Energieeffizienz beim Verbrauch um rund zehn Prozent oder 35 MW erhöht werden. Zudem seien die Preise in den letzten Jahren erstmals gesenkt worden und können auch in den nächsten fünf Jahren stabil gehalten werden, versicherte Schneider. Für die Wohnungsgesellschaften sei die ein riesiger Vorteil, weil aufgrund des ausgezeichneten Grünstromanteils bei der Fernwärme andere kostenintensive Maßnahmen wie etwa bei der Dämmung weniger teuer werden und zudem die Preisstabilität auch ein wichtiges Vermietungsargument sei, versicherte Frank Sydow, Technischer Vorstand der Wohnungsgenossenschaft "Frohe Zukunft".
Dena würdigt Modellcharakter
Inzwischen hat die Dena die Hallenser für die Energie-Initiative in ihrem Abschlussbericht zur "Urbanen Energiewende" ausdrücklich als Vorbild gewürdigt. Nach einer Analyse von 200 Projekten in deutschen Städten kam die Energie-Agentur zu der Auffassung, dass eine solche Partnerschaft zur Nutzung effizienter Fernwärme deutschlandweit Modellcharakter besitze. Halle, so der Oberbürgermeister Bernd Wiegand, habe sich nicht zu einem Klimanotstandsgebiet erklärt, sondern alternativ ein konkretes klimapolitisches Leitbild gesetzt. "Jetzt setzen das viele Partner um, weil sie damit ihre Interessen am besten wahren können", sagte er. Halle läge heute bereits auf einem Wert bei den CO2-Emissionen, den andere Städte erst im Jahr 2035 als Ziel haben. (masch)
