Die Kosten für das Heizen haben sich nach Angaben des Vergleichsportals Check24 innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt

Die Kosten für das Heizen haben sich nach Angaben des Vergleichsportals Check24 innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt

Bild: © Fabian Sommer/dpa

Von Ariane Mohl

Den Energiehändlern in Deutschland ist die Wärmewende nicht technologieoffen genug. Bei einem digitalen Jahresrückblick stellte der Verband für Energiehandel (VEH) Südwest-Mitte konkrete Forderungen an die künftige Bundesregierung. Im Fokus stehen dabei klimaneutrale Brennstoffe wie HVO (Hydrotreated Vegetable Oil, also mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle) und E-Fuels. Diese müssten als zentrale Bausteine einer sozialverträglichen und praxistauglichen Energiepolitik im sogenannten Heizungsgesetz endlich die entsprechende Anerkennung erhalten, so der VEH. 

Konkret macht sich der Verband dafür stark, dass die Politik eine bilanzielle Erfüllung von erneuerbaren Anteilen neben der Erfüllung rein physischer Anteile möglich machen sollte. Handlungsbedarf sieht er auch bei der CO2-Bepreisung. Hier müsse eine neue Bundesregierung dafür sorgen, dass die reduzierten CO2-Emissionen beim anteiligen Einsatz klimaneutraler flüssiger Brennstoffe, etwa durch die Beimischung von 15-prozentigem HVO oder E-Fuels, berücksichtigt und anerkannt werden. Auch die CO2-Bepreisung müsse angerechnet werden, wenn etwa ein Hauseigentümer auf E-Fuels setzt statt auf fossile Brennstoffe.

Funke: Politiik muss nachbessern

"Das Gebäudeenergiegesetz wird von einer neuen Bundesregierung auf jeden Fall angepackt werden müssen", machte VEH-Chef Hans-Jürgen Funke unmissverständlich klar. Seinem Verband gehe es nicht um eine komplette Abschaffung. "Aber man wird es praxistauglicher gestalten müssen."

Die Verunsicherung der Menschen sei groß. Die Politik müsse ihnen bei der Wärmewende mehr Zeit geben. Die Bezahlbarkeit nannte Funke als einen der größten Hemmschuhe bei der Dekarbonisierung des Wärmemarkts. Nicht jeder Hauseigentümer könne ohne Weiteres in eine Wärmepumpe investieren. Viele Menschen würden lieber abwarten oder gar neue Öl- oder Gasheizungen anschaffen.

Vorhandene Ölheizung weiter nutzen

Flüssige Energieträger wie HVO oder E-Fuels hätten den Vorteil, dass diese auf Basis der bereits vorhandenen Infrastruktur einsetzbar seien. Eigentümer könnten ihre Ölheizung weiter nutzen. "Wir unterstützen die nationalen Klimaziele, fordern aber mehr Flexibilität für Gebäudeeigentümer. Technologieoffenheit und Praxistaugllichkeit sind der Schlüssel, um die Wärmewende für alle machbar und bezahlbar zu gestalten", sagte Funke.

E-Fuels und HVO seien keine Zukunftsmusik. Sie könnten – wenn der politische Wille da wäre – bereits heute Teil einer modernen Wärmestrategie sein. Eine neue Bundesregierung müsse dabei helfen, den Markthochlauf voranzutreiben, an dem die Branche bereits aktiv arbeite.

Steueranteil senken

Bei der Wärmewende wie auch der Verkehrswende stehe man vor der Herausforderung, dass jeder Klimaschutz wolle, aber kaum jemand bereit sei, mehr für grüne Lösungen zu bezahlen. Der Gesetzgeber müsse hier eine Lenkungswirkung sicherstellen, so die Energiehändler. Ein möglicher Hebel sei der Steueranteil bei den Preisen.

Aktuell entstehen E-Fuels noch in Pilotanlagen und sind daher sehr kostspielig. Die Branche rechnet aber mit bezahlbaren Preisen, wenn die Politik günstige Rahmenbedingungen schafft. E-Fuels werden mittels Elektrolyse hergestellt und benötigen daher eine große Menge an Strom. Zudem braucht eine E-Fuel-Heizung zwischen sechs- und vierzehnmal so viel Energie wie eine Wärmepumpe.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper