Geretsried wollte Vorreiter sein. Die Stadt plante, ihr Fernwärmenetz mit Erdwärme aus rund 4500 Metern Tiefe zu speisen. Eine innovative "Loop"-Technik des kanadischen Unternehmens Eavor sollte dabei zum Einsatz kommen, die sehr umweltfreundlich ist und gleichzeitig das Fündigkeitsrisiko reduziert. Dieser Plan gerät nun ins Wanken.
Grund war, dass Eavor seine Bohranlagen aus Geretsried abgezogen hatte. Gesellschafter und Aufsichtsrat der ILN haben daraufhin beraten. Ihr Ergebnis: Sie halten nicht länger am Vertrag in seiner bisherigen Form fest. Eine gemeinsame Grundlage für die von Eavor angestrebten kommerziellen Anpassungen habe sich nicht gefunden.
Eavors Strategieschwenk bringt Geretsried in die Bredouille
Eavor hatte den Abzug mit Kosten begründet. Die stillstehenden Anlagen verursachen erhebliche Kosten. Das Unternehmen setze deshalb stärker auf die Vermarktung der Wärme. Der bestehende Loop werde weiter betrieben.
Das "Loop"-Prinzip unterscheidet sich von klassischer Tiefengeothermie. Zwei Bohrungen werden in der Tiefe zu einem geschlossenen Ring verbunden, einem sogenannten Loop. Darin nimmt eine Flüssigkeit die Wärme des rund 160 Grad Celsius heißen Gesteins auf. Das Arbeitsmedium bleibt im Kreislauf. Das Risiko, im Untergrund zu wenig Wasser zu finden, entfällt damit.
Der Rücktritt enthält aber auch ein Angebot an Eavor. Sollten belastbare und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen vorliegen, ist die ILN zu neuen Gesprächen bereit. "Die Tür für Eavor bleibt offen", teilt die ILN mit. Parallel prüft sie mit ihren Gesellschaftern alternative Wege für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung.
Kein Wärmenetz ohne zweiten Loop
Die Lage in Geretsried ist komplex: Ein erster Loop läuft bereits nach einigen technischen Problemen. Die Stadt wartet aber mit dem Bau ihres geplanten Wärmenetzes, bis Eavor den zweiten Loop fertiggestellt hat. Genau diese Zusage fehlt aber. Gleichzeitig gibt es einen Wärmeliefervertrag zwischen Eavor und ILN. Dieser beruht jedoch auf einem Umfang und einem Zeitplan, die sich bei Eavor mehrfach verändert haben.
Offen bleibt also, ob und wann der zweite Loop kommt. Ohne diese Antwort lässt sich das Wärmenetz in Geretsried nicht verlässlich planen.