Ein Stadtwerke-Bündnis will Mieterstrom und digitale Geschäftsmodelle voranbringen. (Symbolbild, mit KI)

Ein Stadtwerke-Bündnis will Mieterstrom und digitale Geschäftsmodelle voranbringen. (Symbolbild, mit KI)

Bild: © Julian Korb/KI

Wer als Stadtwerk Mieterstrom, dynamische Tarife oder Quartierslösungen anbieten will, stößt oft zuerst am Zähler an Grenzen. Stadtwerke sind dabei als grundzuständige Messstellenbetreiber durch den gesetzlichen Smart-Meter-Rollout und ihre Kernaufgaben oft nur eingeschränkt handlungsfähig, wenn es um zusätzliche digitale Dienstleistungen geht.

Fünf kommunale Unternehmen haben daraus eine Konsequenz gezogen: Seit September 2024 betreiben Energie und Wasser Potsdam, die Stadtwerke Frankfurt (Oder), die Stadtwerke Brandenburg an der Havel, die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda und die Stadtwerke Görlitz gemeinsam den wettbewerblichen Messstellenbetreiber Meterix.

Unabhängig vom Rollout

"Die Grundüberlegung war, als wettbewerblicher Messstellenbetreiber unabhängig zu sein", sagt René Stieger, Head of Sales bei den Stadtwerken Frankfurt (Oder), im Gespräch mit der ZFK. "Außerdem wollten wir bei neuen Themen wie dem Smart-Meter-Rollout oder dynamischen Tarifen vorankommen und die technischen Voraussetzungen schaffen, damit wir als Stadtwerk neue Produkte auf den Markt bringen können."

Meterix-Geschäftsführerin Sandra Pick formuliert es ähnlich: "Die Idee hinter Meterix war, Lösungen für Produkte anbieten zu können, die ein Stadtwerk mit dem grundzuständigen Messstellenbetrieb nicht oder nur schwer anbieten kann."

Aufträge in beide Richtungen

Den praktischen Nutzen sieht Stieger vor allem in der Nähe zwischen Gesellschaftern und Messstellenbetreiber. "Wir haben sehr kurze Wege", sagt er. Die Mitarbeiter würden ihre Ansprechpartner bei den Stadtwerken bereits kennen. "Dadurch können wir ohne große Anträge oder Angebotsprozesse direkt miteinander interagieren."

Daraus entsteht inwzischen auch ein Austausch von Projekten. "Die Zusammenarbeit schafft konkrete Synergieeffekte. Wenn uns ein Wohnungsunternehmen mit einem umfassenderen Energieprojekt anfragt, können wir Meterix für Messtechnik, Datenmanagement und Energielösungen einbinden", erklärt Stieger. Andersherum konnten die Stadtwerke bei einem Meterix-Projekt als Mieterstrombetreiber auftreten. Für ein Stadtwerk kann der wettbewerbliche Messstellenbetreiber so auch zum Zugang zu neuen Kunden werden.

Wie das aussehen kann, zeigt ein Quartier in Frankfurt (Oder). Meterix arbeitet dort mit dem Bauherrn und den Stadtwerken zusammen. Herzstück ist eine eigene Energiezentrale, die Fernwärme, Photovoltaik und Power-to-Heat verknüpft. "In Frankfurt Oder betreiben wir in einer modernen Quartierslösung die Messstellen, kümmern uns um das Mehrspartenmetering und die Nebenkostenabrechnung und bereiten die Messdaten für den Eigentümer und die Kunden Mieter auf", sagt Christian Friedrich-Schiller, Projektmanager Smart Meter bei Meterix.

Kunden suchen nach regionalem Anbieter

Meterix steht dabei noch am Anfang. "Die ersten Projekte sind noch Pilotprojekte", ordnet Friedrich-Schiller ein. "Wir merken aber, dass die Kunden unkomplizierte Lösungen aus einer Hand und von einem regionalen Anbieter suchen." Zu den Piloten zählt etwa auch ein Projekt zur gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (GGV).

Wir merken, dass die Kunden unkomplizierte Lösungen aus einer Hand und von einem regionalen Anbieter suchen.

"Die größten Hindernisse liegen nicht in Errichtung und Betrieb der Photovoltaikanlage", sagt Geschäftsführerin Pick. Komplizierter seien die Zuständigkeiten und die Abstimmung mit den Netzgesellschaften in einem dynamisch regulatorischen Umfeld. Diese Situation sei Kunden nur schwer vermittelbar. "Deshalb haben wir uns zunächst auf Projekte konzentriert, bei denen die Frage der Kundenanlage keine große Rolle spielt."

Für Skepsis sorgt derweil der von der Bundesnetzagentur geplante Prosumeraufschlag. "Wenn der Prosumeraufschlag bei jedem teilnehmenden Haushalt anfällt, wird die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung problematisch und deutlich schlechter gestellt als das Mieterstromkonzept", sagt Friedrich-Schiller.

Meterix will seine Zusammenarbeit mit Stadtwerken weiter ausbauen, insbesondere in Brandenburg. "Wir sind kein Online-Anbieter, der möglichst schnell skalieren will", so Friedrich-Schiller weiter. "Wir sitzen gemeinsam mit den Stadtwerken und den Kunden am Tisch." Perspektivisch soll deshalb auch die Anzahl der Gesellschafter weiter steigen.

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