Bayern soll bald um ein Geothermieprojekt reicher sein. Im Landkreis Traunstein sind vier Bohrungen für die Erschließung von Erdwärme-Reservoirs genehmigt worden.

Bayern soll bald um ein Geothermieprojekt reicher sein. Im Landkreis Traunstein sind vier Bohrungen für die Erschließung von Erdwärme-Reservoirs genehmigt worden.

Bild: © Ben Burger/AdobeStock

Lithium ist schon jetzt der Rohstoff de Jahrzehnts und die Nachfrage wird in Zukunft noch einmal deutlich zunehmen, denn das Voranschreiten der E-Mobilität aber auch die große Teile der Energiespeicherung setzen auf Lithium-Ionen-Batterien. Bereits jetzt ist Lithium von der EU als kritischer Rohstoff eingestuft und Deutschland droht ein Lithium-Defizit.

Seit Kurzem gibt es Pläne Lithium-Importe aus Australien oder Chile, die immer wieder wegen ihrer fragwürdigen sozialen und ökologischen Auswirkungen kritisiert werden, um eine heimische Gewinnung zu ergänzen. Hierfür sollen Geothermie-Projekte und Standorte wie z.B. im Oberrhein-Graben genutzt werden. Nun hat das KIT das Potenzial für eine heimische Förderung untersucht.

Maximal 13 Prozent des Bedarfs in Deutschland kann gedeckt werden

Für ihre Schätzung haben die Forscher*innen potenzielle Standorte in Deutschland betrachtet, die Rohstoffmärkte analysiert und unterschiedliche Technologien hinsichtlich ihrer Effizienz, Anwendbarkeit und Integrationsfähigkeit für die geothermische Energieproduktion bewertet. „Auf dieser Basis halten wir bei einer optimistischen Abschätzung eine jährliche Produktion von ungefähr 2600 bis 4700 Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent für möglich, wenn alle relevanten Geothermiestandorte mit entsprechenden Anlagen ausgerüstet werden“, sagt Fabian Nitschke vom Institut für Angewandte Geowissenschaften (AGW) des KIT und ergänzt: „Damit könnten wir etwa zwei bis 13 Prozent des Jahresbedarfs der geplanten Batteriefertigung in Deutschland decken.“

Durch den Zubau weiterer Geothermiekraftwerke sei eine Steigerung der Fördermengen denkbar, allerdings dauere es mindestens fünf Jahre, bis ein neu geplantes Kraftwerk in Betrieb geht. „Angesichts des globalen prognostizierten Lithiumdefizits und der geplanten Batteriefertigung wird sich die Lage speziell für Deutschland rasch zuspitzen. Das Lithium aus der Geothermie kann mittelfristig also nur eine Ergänzung darstellen“, so Nitschke weiter.

Technologie steckt noch in der Entwicklungsphase

Zudem sind die Prognosen mit vielen Unsicherheiten behaftet. Die Größe und die Herkunft der Lithiumvorkommen in den Geothermalsystemen sowie die Reaktion der Reservoire auf eine kontinuierliche Förderung werden zurzeit erst erforscht. Und auch die Technologien zur Extraktion befindet sich noch in einem frühen bis mittleren Entwicklungsstadium – entscheidende Entwicklungsstufen sowie Langzeittests stehen noch aus. Darüber hinaus stehen und fallen solche Projekte auch immer mit der gesellschaftlichen Akzeptanz und nicht nur mit dem technologischen Fortschritt. (lm)

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