Knapp 10.000 – so viele der rund 77.000 Ortsnetzstationen im Netzgebiet von Bayernwerk Netz sind bereits mit einem regelbaren Ortsnetztransformator ("rONT") ausgestattet. Das entspricht einem Anteil von knapp 13 Prozent. Für einen Verteilnetzbetreiber, der in Bayern fast 630.000 Einspeisepunkte aus Photovoltaik betreut, ist das ein signifikanter Schritt – und offenbar erst der Anfang.
Der Hintergrund: Bayernwerk gilt als einer der Vorreiter beim "rONT"-Einsatz in Deutschland. Das Unternehmen setzt die Technik nach eigenen Angaben als Standardbetriebsmittel ein, um das zulässige Spannungsband in den Niederspannungsnetzen bestmöglich auszunutzen.
Nun testet Bayernwerk eine Weiterentwicklung: die dynamische Sollwertregelung. Dabei passt der Transformator seinen Sollwert nicht auf einen festen Wert, sondern kontinuierlich an die tatsächliche Last- und Einspeisesituation im Netz an. Das Ergebnis: Das vorhandene Spannungsband wird deutlich besser ausgenutzt, Überspannungen bei hoher PV-Einspeisung werden reduziert.
Was smarte Trafos leisten
Konventionelle Ortsnetztransformatoren arbeiten mit einem festen Übersetzungsverhältnis — die Spannung auf der Niederspannungsseite liegt damit unabhängig von der aktuellen Netzlage immer im selben Bereich. Das ist robust, aber unflexibel. Steigt die Einspeisung aus PV-Anlagen stark an, klettert die Spannung im Niederspannungsstrang nach oben — bis an die Grenze von 253 Volt, ab der Anlagen normkonform abregeln müssen.
Ein "rONT" ändert sein Übersetzungsverhältnis im laufenden Betrieb und kann die Niederspannung aktiv absenken, wenn viel Solarstrom eingespeist wird. Dadurch entsteht mehr Spielraum nach oben — und mehr PV-Leistung lässt sich integrieren, ohne dass Anlagen abregeln müssen.
Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) im Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. beziffert das Integrationspotenzial im Landnetz durch "rONT" auf das Dreifache gegenüber einem ungeregelten Transformator.
Diese Wirkung ist auch Thema einer Messkampagne, die das Osnabrücker Unternehmen E3/DC – ein Hersteller von Photovoltaik-Hauskraftwerken – über das Pfingstwochenende 2026 durchgeführt hat. Dabei wurden Spannungsmessungen an rund 110.000 Hausanschlüssen ausgewertet.
Ergebnis: Selbst zur Mittagsspitze lagen über 80 Prozent der Anschlüsse komfortabel im zulässigen Spannungsband, nur 0,15 Prozent überschritten den Grenzwert kurzzeitig. Die Studie nennt den "rONT" als wirksamsten netzseitigen Hebel für den weiteren PV-Ausbau – und mahnt, dass der bundesweite Rollout zu zögerlich vorangeht.
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Bundesweit noch viel Luft nach oben
Der Befund von Bayernwerk illustriert das Problem: Knapp 10.000 "rONT" bei rund 600.000 Ortsnetzstationen bundesweit bedeuten, dass der weitaus größte Teil der deutschen Verteilnetze weiterhin mit ungeregelten Transformatoren arbeitet.
E3/DC-Studienautor Nicolas Bartholomäus sieht darin einen zentralen Verhinderer für mehr lokale PV: "Vorausschauende Digitalisierung zahlt sich im aktuellen Regulierungsrahmen nicht aus. Es bestehen Fehlanreize für einen rein verstärkenden Netzausbau." Hier sei die Bundesnetzagentur gefragt: Mit dem sogenannten Nest-Prozess, der die Anreize für Netzbetreiber zur Digitalisierung neu justieren soll, komme Bewegung in die Sache.
Bayernwerk jedenfalls wartet nicht. Für wie viele weitere Stationen ein "rONT"-Ausbau geplant ist und welche Investitionen dahinterstehen, teilt das Unternehmen derzeit nicht mit — man sei noch in der Bewertung. Die Richtung ist aber klar: Wer den PV-Ausbau nicht durch teuren Tiefbau bremsen will, kommt an der intelligenten Spannungsregelung nicht vorbei.
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