Es ist das wohl ambitionierteste Projekt in der Unternehmensgeschichte, das die Stadtwerke Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) aktuell stemmen. Für insgesamt 180 Millionen Euro errichten sie ein hochmodernes Holzenergie-Zentrum (DHE) im Industriegebiet Thyssenstraße. Der Spatenstich fand vor wenigen Wochen statt.
Klar ist: Für einen Großteil des Geldes will der Kommunalversorger, der zu 100 Prozent der Stadt gehört, Kredite aufnehmen. Klar ist aber auch: Je höher die Eigenkapitalquote des Unternehmens ist, desto günstiger werden die Kreditkonditionen.
Stadtrat erhöht Stammkapital
Weil neben des DHE unter anderem auch die Sanierung der Eishalle sowie des Hallenbads Dinamare anstand, beschloss der zuständige Stadtrat, schrittweise das Stammkapital der Stadtwerke um mehr als 66 Millionen Euro zu erhöhen. Jetzt sollen weitere 15 Millionen Euro dazukommen, wie eine Unternehmenssprecherin der ZfK bestätigt. Diesmal wurde das Holzenergie-Zentrum als alleiniger Grund genannt.
Der Stadtrat soll kommenden Dienstag abstimmen. Die "Neue Ruhrzeitung" hatte zuerst darüber berichtet.
Bauboom treibt Preise
Vor der Ausschreibung kalkulierten die Stadtwerke für den Bau des Holzenergie-Zentrums mit Kosten von 125 Millionen Euro. Mehrere Gründe führten aus Sicht des Kommunalversorgers dazu, dass das Projekt teurer wurde.
Da ist der anhaltende Bauboom in Deutschland, der die Preise nach oben treibt. Dazu kommen zusätzliche Investitionen in eine hochmoderne Rauchgasreinigung, um deutlich unter den gesetzlich vorgeschriebenen Emissionswerten zu bleiben.
Altholz als Brennstoff
Ferner stecken die Stadtwerke viel Geld in eine robustere Anlagentechnik, mit der auch größere Stücke Holz als ursprünglich vorgesehen verfeuert werden können.
Der Kommunalversorger will in der neuen KWK-Anlage Altholz der Kategorien A I bis A III als Brennstoff einsetzen. Das Zentrum soll nicht nur den vollständigen Ausstieg aus der Wärmeerzeugung mit Steinkohle bedeuten, sondern auch eine annähernd CO2-neutrale Fernwärmeversorgung garantieren. Fernwärme deckt in Dinslaken laut den Stadtwerken 60 Prozent des gesamten Wärmebedarfs zur Beheizung privater, öffentlicher und gewerblicher Gebäude ab.
Strompreis soll sinken
Geht die Anlage wie geplant Anfang 2023 in Betrieb, müssen Kunden übrigens trotz der hohen Investitionen keine Preiserhöhungen bei Fernwärme und Strom fürchten, versichern die Stadtwerke. Im Gegenteil. Nach dem ersten Betriebsjahr soll der Strompreis sogar sinken: um einen Cent brutto pro Kilowattstunde. (Die ZfK berichtete.) (ab)



