Die SW Schönebeck haben ihr BHKW (im Bild) um eine thermische Kälteanlage ergänzt, um damit ihr Rechenzentrum mit überschüssiger Wärme zu kühlen.

Die SW Schönebeck haben ihr BHKW (im Bild) um eine thermische Kälteanlage ergänzt, um damit ihr Rechenzentrum mit überschüssiger Wärme zu kühlen.

Bild: © Thomas Bolz /SW Schönebeck

"Das Thema Kälteerzeugung drängt stärker in die Gesellschaft, wenn es um Neubauten, Produktionsbetriebe, Rechenzentren oder auch Supermärkte geht", erläutert Axel Banoth, Geschäftsführer der Fahrenheit GmbH. Grundsätzlich sei das Thema in der öffentlichen Wahrnehmung in Deutschland "leider noch nicht effektiv angekommen".

Dabei ist es wichtig: "Wenn wir über Sektorenkopplung und Energiewende sprechen, wird Kälte nirgendwo erwähnt. Aber es generiert einen immensen Strombedarf. 15 Prozent des Primärenergiebedarfs in Deutschland sind auf die Kälteerzeugung zurückzuführen", fährt Banoth gegenüber der ZfK fort.

Thermische Kälte als Alternative

Die Stadtwerke Schönebeck kühlen ihr Rechenzentrum mit einer 23-kW-thermischen Kälteanlage kombiniert mit einem Blockheizkraftwerk (BHKW) und erzeugen damit einen Kreislauf. Bei diesem Prozess wird überschüssige Wärme wie durch Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen oder Fernwärmenetze weiterverwertet, um zu kühlen. Mehr zum Thema thermische Kälte in Verbindung mit KWK und den Projekten können Sie auf Seite 9 in der Mai-Ausgabe der ZfK ab dem 29. April lesen.

Während die Stadtwerke Schönebeck positive Erfahrungen damit sammeln, ist sich auch Thomas Bolz, Bereichsleiter Technik bei den Stadtwerken, sicher: „Das Thema kühlen wird immer stärker eine Rolle spielen“. Durch den Bau der Anlage wurde ein Schau-BHKW als eine Lösung geschaffen, die musterhafte Energieerzeugung zum „Anfassen“ bietet und den Bekanntheitsgrad steigern sollte. Jedoch würden bisher die lokalen Industriebetriebe wegen der höheren Investitionskosten eher zurückhaltend reagieren, ergänzt er.

Zwei neue Kälte-Großprojekte in Heidelberg

Davon lassen sich kommunale Unternehmen jedoch nicht abschrecken. Die Stadtwerke Heidelberg sind beim Thema Kühlen umtriebig, versorgen sie doch das städtische Kino „Luxor-Filmpalast“ mit Kälte: Auch betont Georg Stier, zuständig für Kältelösungen bei den Stadtwerken, dass es einen steigenden Stellenwert im Service-Portfolio des eigenen Kommunalversorgers habe.

So sind zwei Großanlagen mit rund 5 MW und 6,5 MW Kälteleistung in der Ausschreibungsphase. Die erste Anlage wird im Heidelberg Innovation Park eingesetzt, einem entstehenden Gewerbegebiet mit hochmoderner Infrastruktur auf einer ehemaligen Fläche der US-Armee. Dort werden in naher Zukunft zwei Megawatt thermisch betriebene Anlagen in Betrieb sein. Diese nutzen die Abwärme von zwei BHKW sowie bei Bedarf auch die Fernwärme. Vor Ort wird ein eigenes Kältenetz verlegt, welches an die Fernwärme angeschlossen wird. Das zweite Großprojekt besteht aus Kältekompressionsanlagen, die Gebäude im Stadtteil Bahnstadt kühlen werden.  (gun)

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