Von Daniel Zugehör
Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein. Doch Millionen alter Öl- und Gasheizungen könnten dies Ziel gefährden, zeigt eine neue Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts (Ewi). Biogene und synthetische Brennstoffe könnten der Schlüssel sein – oder ein schnellerer Austausch alter Heizsysteme.
Herausforderungen im Heizungsbestand
Eine aktuelle Studie des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (Ewi) zeigt, dass selbst 2044 noch rund 20 Prozent – und damit mehr als 5 Millionen – aller Heizungen in Deutschland auf fossile Brennstoffe angewiesen sein könnten. Diese alten Öl- und Gasheizungen, die vor 2024 installiert wurden, stellen ein erhebliches Hindernis für das Ziel der Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045 dar. Laut Maximilian Walde, einem der Forscher hinter der Analyse, wäre der Einsatz klimaneutraler biogener oder synthetischer Brennstoffe unverzichtbar, falls diese Heizsysteme nicht früher ausgetauscht werden.
Wärmepumpen im Aufwind, alte Heizungen dominieren
Die Analyse macht auch deutlich, dass trotz steigender Absatzzahlen von Wärmepumpen, diese bis 2044 maximal die Hälfte des Heizungsbestands ausmachen werden – etwa 10 Millionen Geräte. Gleichzeitig bleiben Öl- und Gasheizungen mit einem Anteil von rund 30 Prozent relevant. Besonders problematisch: 5 bis 6 Millionen dieser fossilen Heizungen werden voraussichtlich noch 2044 in Betrieb sein, wenn keine drastischen politischen Maßnahmen ergriffen werden.
Synthetische Brennstoffe oder Austausch
Um die Klimaziele zu erreichen, identifiziert die Studie zwei mögliche Wege: Entweder der vermehrte Einsatz synthetischer Brennstoffe wie biogenem Methan und Heizöl oder ein forcierter Austausch alter Heizsysteme. Letzteres könnte durch höhere Kosten für fossile Brennstoffe, strengere politische Vorgaben oder den Abbau von Gasverteilnetzen beschleunigt werden.
"Die 2024 installierten 450.000 Öl- und Gasheizungen zeigen, dass das Gebäudeenergiegesetz (GEG) allein nicht ausreicht", so Walde. Während neu installierte Systeme zumindest teilweise mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen, benötigen viele ältere Heizungen weiterhin fossile Brennstoffe – es sei denn, die Rahmenbedingungen ändern sich signifikant.
Energiepolitische Weichenstellung nötig
Die Ergebnisse der Ewi-Studie machen deutlich, dass ohne weitere Maßnahmen die Klimaneutralität bis 2045 gefährdet ist. Der Heizungsmarkt, derzeit von kurzfristigen Effekten geprägt, steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob politische Maßnahmen und technologische Fortschritte ausreichen, um den erforderlichen Wandel herbeizuführen.
