Der erste Klimaturm von Towergy steht auf der Überseeinsel in Bremen.

Der erste Klimaturm von Towergy steht auf der Überseeinsel in Bremen.

Bild: © Towergy GmbH/Hauke Dressler

Für die Wärmewende in dicht bebauten Stadtvierteln setzt das Start-up Towergy auf Höhe statt auf Fläche: Der nach eigenen Angaben erste sogenannte Klimaturm ging am 30. Juni im Bremer Quartier "Überseeinsel" in Betrieb. Die vertikale Großwärmepumpe soll den Klimacampus Bremen und umliegende Künstlerateliers mit erneuerbarer Wärme versorgen.

Klassische Großwärmepumpen sind für innenstädtische Wohngebiete oft nicht geeignet: Der Platz ist begrenzt und die Anlagen sind häufig zu laut, um neben Wohngebäuden zu stehen. Der Klimaturm soll dafür eine Lösung sein – und könnte auch für Kommunen interessant sein, die lokale Wärmenetze in dicht bebauten Quartieren planen.

Wärmeerzeugung auf kleiner Fläche

Die rechteckige Luft-Wasser-Großwärmepumpe ragt je nach Variante zwischen elf und 14 Metern in die Höhe. Die Grundfläche liegt zwischen rund 14,5 und 31 Quadratmetern. Da die Ventilatoren und Verdampfer über der Wärmepumpe installiert sind, braucht der Klimaturm nur wenig Fläche.

Der Klimaturm saugt die Luft über vier Seiten an und führt die Abluft über seine Turmspitze ab. Schalldämpfer sollen Geräusche reduzieren. Sowohl Elektronik als auch Pumpen für einen direkten Anschluss an Wärmenetze sind eingebaut.

Towergy-Geschäftsführer Tobias Werner bezeichnete den Klimaturm auf ZFK-Anfrage als "komplett funktionsfähige Heizzentrale". Er verglich die Leistung der Großwärmepumpe mit mehreren hundert Wärmepumpen in Ein- und Zweifamilienhäusern.

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Die vier verfügbaren Ausführungen liegen zwischen 0,3 und 1,5 Megawatt thermischer Leistung. Laut Towergy kann die Großwärmepumpe bis zu 400 Neubau- oder 200 Bestandswohnungen versorgen. Das Unternehmen liefert den Klimaturm anschlussfertig. Wegen der modularen Bauweise ist er in wenigen Wochen installiert.

Schallschutz als zentrales Merkmal

Towergy bezeichnet den Klimaturm als besonders flächensparend und leise. Der Schalldruckpegel liege bei der leistungsstärksten Variante in zehn Metern Entfernung bei unter 35 Dezibel – das entspreche "einem leisen Flüstern", erklärte das Unternehmen.

Geschäftsführer Werner erklärte das Schallschutzkonzept: Towergy habe alle schallemittierenden Bauteile sowie den Betrieb der Wärmepumpe speziell optimiert, etwa anhand von leisen Verdichtern beziehungsweise Ventilatoren und reduzierten Luftvolumenströmen. Der Klimaturm könne "aufgrund seines effektiven Schallschutzes in unmittelbarer Nähe zu Wohnungen aufgestellt werden", sagte Werner.

Es gebe keine andere Wärmepumpe, die serienmäßig in einer Betonhülle installiert und darüber hinaus noch mit Schalldämpfern ausgestattet sei, sagte Werner. Zu dieser Ansicht kommt Towergy anhand eigener Marktanalysen, unabhängige Daten liegen nicht vor.

Option für lokale Wärmenetze

Aus Sicht des Unternehmens eignet sich der Klimaturm gut für dicht bebaute Wohngebiete. Allerdings schränkte Geschäftsführer Werner ein: Liege bereits Fernwärme in einer Straße, sei ein Anschluss "meist die bessere Wahl" für Haushalte – wenn die Wärme CO₂-frei erzeugt werde und das Netz ausreichend Kapazität habe.

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Vorteile des Klimaturms sieht Towergy dagegen bei neuen oder erweiterten Wärmenetzen: "Dadurch, dass er praktisch überall aufgestellt werden kann, sind kurze, dünne und besonders kostengünstige Netze möglich", sagte Werner. Dafür brauche es keine großen Anfangsinvestitionen mit unsicheren Anschlussquoten.

Intelligente Steuerung soll Kosten senken

Für den wirtschaftlichen Betrieb setzt Towergy auf eine eigens entwickelte selbstlernende Steuerung. Denn die Wärmepumpe soll vor allem dann laufen, wenn viel erneuerbarer Strom im Mix ist und der Strompreis niedrig ist. Nach Angaben des Unternehmens wertet die Steuerung Wetterdaten, Strompreise und den erwarteten Wärmebedarf für 72 Stunden aus und erstellt daraus den Betriebsplan.

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Konkrete Angaben zu den Investitionskosten nannte Werner auf Nachfrage nicht. "Entscheidend sind nicht allein die Investitionskosten, sondern die Gesamtkosten über die gesamte Lebensdauer der Anlage", sagte Werner. Durch den strompreisoptimierten Betrieb, den Wärmespeicher und die Effizienz der Wärmepumpe ließen sich die Wärmegestehungskosten senken. Ob sich ein Klimaturm rechne, hänge von verschiedenen Faktoren ab, wie etwa Anschlussdichte oder Einbindung in vorhandene Wärmenetze.

Serienfertigung ab 2027

Towergy wurde erst 2025 gegründet. Nach Angaben von Werner profitiert das Unternehmen von Personal, Erfahrung und Infrastruktur seines Mutterunternehmens "Stadt.Energie.Speicher". Das Bremer Unternehmen für nachhaltige Energieversorgung hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, im Quartier "Überseeinsel" Großwärmepumpen einsetzen zu wollen.

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Es gebe einen Großinvestor bei Towergy, "dem der Hochlauf der Serienfertigung nicht schnell genug gehen kann", sagte Werner. Einen Namen nannte er nicht.

Zudem arbeite das Unternehmen bereits mit externen Zulieferern an der Fertigung. "Vorausschauend wurde vor einem halben Jahr eine große Fertigungshalle in Bremerhaven gekauft", sagt Werner. Dort werde derzeit die Serienproduktion vorbereitet, die ab Herbst 2027 anlaufen solle.

Langzeiterfahrungen aus dem Regelbetrieb liegen noch nicht vor. Nach Angaben des Unternehmens läuft der erste Turm im Probebetrieb bislang nahezu störungsfrei. Der Wirkungsgrad liege aktuell bei über 3,4, teilte Werner mit. Das entspricht einem Coefficient of Performance (COP) von 340 Prozent. Ob sich das Konzept in Wärmenetzen bewährt, werden weitere Projekte zeigen.

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