Anfang Juli haben die Stadtwerke Meiningen ihre Anteile an der Biogasanlage in Rippershausen (Thüringen) verkauft. Damit wird auch die Gesellschaft Biogas Meiningen aufgelöst und Grundstück, Biogasanlage swoie das zugehörige Blockheizkraftwerk (BHKW) in Rippershausen an den bisherigen Mitgesellschafter Agrargesellschaft Herpf veräußert. Die Biogasleitung sowie die beiden Biogas-BHKWs in Meiningen verbleiben dagegen im Besitz der Stadtwerke. Die Biogasanlage war seit 2011 ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Fernwärmeversorgung.
"Der Verkauf unserer Anteile ermöglicht es uns, in andere zukunftsträchtigere Anlagen zur Energiegewinnung zu investieren", begründet Geschäftsführer Lars Weber die strategische Entscheidung. Als Beispiel nennt er eine innovative Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage. Dazu gehört auch eine moderne Flusswärmepumpe, für welche die ersten Arbeiten schon begonnen haben.
Lieferung von Biomethan
"Wir haben uns entschieden, Biogas nicht mehr selbst zu erzeugen", erläutert Weber. "Das überlassen wir den Experten auf diesem Gebiet, den Landwirten." Die Stadtwerke wollen allerdings auch weiterhin Biogas abnehmen, um es in den eigenen Blockheizkraftwerken (BHKW) zu verbrennen und so Wärme über das Nahwärmenetz zu liefern.
Darüber hinaus wollen die Stadtwerke auch zu Biomethan veredeltes Biogas über das eigene Leitungsnetz direkt in die Haushalte bringen, wo es in Gasthermen verbrannt wird und Trinkwasser und Heizwasser erhitzt. "Biomethan ist und bleibt für uns ein wichtiger Energieträger für die Energiewende", betont Weber. "Es kann witterungsunabhängig und regional erzeugt werden, das ist ein großer Vorteil für die Versorgungssicherheit."
Beimischung von Wasserstoff
Neben Biogas könnten die Stadtwerke auch auf Wasserstoff in der Wärmeversorgung einsetzen. Allerdings geht die geplante Hauptleitung des Wasserstoff-Kernnetzes aktuell weit an der thüringischen Kreisstadt vorbei. "Hier würde ich mir eine Anbindung wünschen", sagt der Geschäftsführer.
Grundsätzlich könnte der kommunale Versorger auch grünen Wasserstoff vor Ort herstellen, etwa mithilfe von überschüssigem Windstrom. Das "grüne" Gas könnte dann in einem neuen BHKW verbrannt oder direkt ins Erdgasnetz beigemischt werden. Eine Beimischung von bis zu 20 Prozent wäre schon heute möglich, "ohne, dass das Netz oder die Gasthermen der Kunden technisch angepasst werden müssen", versichert Stadtwerke-Chef Weber.
Start für Wärmeplanung
Die Stadt Meiningen hat bereits 2014 freiwillig ein Klimaschutzkonzept vorgelegt, das den Ausbau des Fernwärmenetzes und den verstärkten Einsatz von Biogas- und Biomethan-BHKW vorsieht. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um 18 Prozent gegenüber 2014 sinken. Auch der Thüringer Landtag hat 2018 ein eigenes Thüringer Klimagesetz (ThüKliG) beschlossen. "Wir unterstützen ausdrücklich die Ziele des ThüKliG, und wollen aktiv die Transformation der öffentlichen Fernwärmeversorgung umsetzen, um diese zu dekarbonisieren", sagt Weber.
Die Stadt Meiningen hat demnach ihren Berater für die kommunale Wärmeplanung bereits ausgewählt und startet jetzt damit. "Als 100 Prozent kommunales Unternehmen werden wir die Stadt bei der kommunalen Wärmeplanung und -ausführung intensiv unterstützen", kündigt der Stadtwerke-Chef an. (jk)
