Eine Herausforderung für eine CO2-freie Wärmebereitstellung für Privathaushalte ist auch der oftmals unterschätzte Anteil von Holzheizungen. Dies unterstrich Bernhard Wern, Arbeitsfeldleiter Stoffströme beim Institut für Zukunftsenergie und Stoffstromsysteme (IZES). So betreiben Privathaushalte in Deutschland derzeit über elf Millionen Holzheizungen, vor allem im waldreichen Süden Deutschlands. "Es gilt, diese bei der Transformation einer Wärmewende mitzunehmen", unterstrich Wern.
Als wichtigsten Hebel für eine weitere Reduzierung der CO2-Emissionen der Wärmeversorgung von Privathaushalten sieht er eine qualifizierte Energieberatung. "Doch viele Heizungsbesitzer kennen das Wort Energieberatung noch gar nicht", sagte Wern. Als zweitwichtigsten Hebel sieht er "deutlich mehr energetische Sanierung". Wo möglich, sollte die Wärmeversorgung künftig über Wärmenetze erfolgen – und es brauche einen entsprechenden Markthochlauf bis 2030. Als zentrale Technogien und Quellen, um die Wärmenetze möglichst klimaschonend zu speisen, sieht er Wärmepumpen, Solarthermie und die Abwärmenutzung, beispielsweise von Abwasser. Hierfür sei jedoch auch noch ein Umbau der Wärmenetze Richtung Niedertemperatur nötig.
Aussichtsreiche Kooperation mit Bürgerprojekten bei Wärmenetzen
"Für die Stadtwerke können sich im Bereich der Wärmenetze aussichtsreiche Geschäftsmodelle ergeben", betonte Wern im Gespräch mit der ZfK. Ein großes Potenzial sieht er in der Kooperation von kommunalen Unternehmen mit Bürgerenergieprojekten bei Wärmenetzen. "Stadtwerke sollten jedoch hierfür verstärkt Know-how rund um Wärmenetze aufbauen", empfiehlt Wern. Denn häufig wüssten Stadtwerke-Mitarbeiter nur über Öl- und Gasheizungen Bescheid, doch noch zu wenig über die Möglichkeiten, welche eine netzgebundene Wärmeversorgung bietet. Daneben brauche es eine kommunale Wärmeleitplanung und Wärmekataster, um die Wärmenetze vor Ort voran zu bringen. Interessante Geschäftschancen für Stadtwerke sieht er auch über die Kooperation mit Energieberatern und bei der Quartiersentwicklung und -versorgung.
Wern verwies darauf, dass das Nutzungspotenzial von Holz in Deutschland derzeit noch nicht ausgeschöpft sei. Doch sei aus klimapolitischen Gesichtspunkten die vorrangige energetische Nutzung von Holz für die Bereitstellung industrieller Prozesswärme nötig. Die Wärmeerzeugung über Solarstrom oder über Wasserstoff und grüne Gase sieht er beim jetzigen Ausbaustand der erneuerbaren Energien in Deutschland noch als Zukunftsmusik. (hcn)