Mitarbeiter an der Kesselluke im Heizkraftwerk-Nord der Stadtwerke München.

Mitarbeiter an der Kesselluke im Heizkraftwerk-Nord der Stadtwerke München.

Bild: © SWM

Die Bürgerinitiative "Raus aus der Steinkohle" Unterföhring und München haben vergangene Woche mehrere Forderungen der Stadt München vorgelegt. So wollen sie, dass eine Betriebsverlängerung des bestehenden Heizkraftwerks am Standort Heizkraftwerk (HKW) Nord Unterföhring beantragt wird. Außerdem soll schnellstmöglich auf dem dortigen Betriebsgelände eine neue Heizwerk-Spitzenlastanlage als Notfallreserve für die Fernwärme zu errichten werden. Ihr Ziel ist es, dass mit diesen Maßnahmen das geplante Gas-Großkraftwerk nicht gebaut und das Kohlekraftwerks HKW Nord 2 zur Wärmeerzeugung heruntergefahren wird.

Die Stadtwerke München (SWM) reagieren öffentlich auf die Kritik der beiden Bürgerinitiativen: So bleibe das Ziel, die Wärmeversorgung bis 2035 CO2-neutral zu gestalten, weiter bestehen, teilten sie mit. Den wichtigsten Beitrag wird der Ausbau der Fernwärme unter Nutzung der Tiefengeothermie und weiterer umweltfreundlicher Wärmeerzeugungsanlagen leisten. Aber: Zusätzlich müssen die SWM die Stromversorgung der Stadt jederzeit sicherstellen. Unter diesen Prämissen möchte das Unternehmen den Bürgerentscheid zum Kohleausstieg bestmöglich umsetzen. Der Block 2 im HKW Nord ist stromseitig systemrelevant und für die Sicherstellung der Fernwärmeversorgung bislang nicht verzichtbar, antworten sie auf die Kritik der Initiativen.

GuD um Strom und Wärme effizient zu erzeugen

Nichtsdestotrotz untersuchten die Stadtwerke Ersatzmöglichkeiten. Ergebnis: Die ökologische zukunftsfähige Alternative ist eine neue hocheffiziente gasbetriebene Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (GuD 3). Nur damit könnten gleichzeitig Strom und Wärme in gesicherter und effizienter Weise erzeugt werden.

Die Nutzung von fossil betriebenen reinen Heizwerken zur Erzeugung größerer Wärmemengen, wie von der Bürgerinitiative vergangene Woche vorgeschlagen, löse das Problem der Systemrelevanz nicht und sei aus ökologischen Gründen zu vermeiden, erwiderten die Stadtwerke. Mit dieser GuD 3 als Ersatzanlage für den Block 2 im Heizkraftwerk Nord wäre ein zeitnaher und gesicherter Ausstieg aus der Kohleverbrennung möglich. Anders als von den Initiativen gemutmaßt ist kein Parallelbetrieb von Block 2 und GuD 3 geplant. Sobald die GuD 3 in Betrieb geht, kann der Block 2 abgerissen werden.

Weitere Gründe für HKW Nord

Für eine Ersatzanlage des Kohleblocks sprechen außerdem weitere Gründe für den Standort HKW Nord: Die komplette Infrastruktur ist hier bereits vorhanden: Verkehrsanbindung, Anbindung an Strom- und Fernwärmenetz, Kühlwasser, etc. Durch den Einsatz von Gas als Brennstoff wird der Standort auch verkehrlich entlastet, da die Anlieferung per Zug entfällt.

Die geplante GuD 3 am Standort HKW Nord ist so dimensioniert, dass sie "gut mit dem Ausbau der Fernwärme harmoniert und ein flexibler Betrieb gewährleistet werden kann". Durch den Einsatz modernster Technik können künftig auch regenerative Brennstoffe, wie etwa Biomethan oder Wasserstoff genutzt werden. Bei Verfügbarkeit klimaneutraler Gase ist sogar eine komplette Umrüstung möglich, erläutern die Stadtwerke ihre Entscheidungen. (gun)

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