Bei den meisten Baumaßnahmen der Stadtwerke München (SWM) konnten durch Puffer und kurzfristige Umplanungen mögliche Verzögerungen weitgehend aufgefangen werden. Jedoch: Beim Umbau des Energiestandorts Süd an der Schäftlarnstraße geraten pandemiebedingt langfristige Zeitpläne ins Rutschen, teilt das nun Unternehmen mit.
Konkret handelt es sich um das Heizkraftwerk (HKW) Süd. Aktuell modernisieren die SWM hier zwei Gas- und Dampfturbinenanlagen (GuD). Weitere, neue Anlagen sind zudem im Bau und ebenso betroffen: Geothermie, Energiespeicher, Fernkälteanlage und Kraft-Wärme-Kopplung.
Schäden in Millionenhöhe
Nur musste mit dem Beginn der Pandemie der ursprünglich für 2020 vorgesehene Baubeginn für die GuD2 auf 2021 verschoben werden: Wesentliche Anlagenteile konnten pandemiebedingt nicht rechtzeitig geliefert werden, da Herstellerwerke durch Lockdown geschlossen waren. Zudem stand Montagepersonal aus dem Ausland nicht wie geplant zur Verfügung, da es aufgrund geschlossener Grenzen nicht einreisen konnte.
Dies führt zu Schäden in Millionenhöhe. Gleichzeitig musste in Folge dessen auch die Projektabläufe für alle anderen Projekte wie GuD1, GuD2 und der Kälteerzeugung optimiert bzw. beschleunigt werden. Die Kosten aus dem daraus resultierenden Effektivitätsverlust in den Bauabläufen können bisher noch nicht beziffert werden. Aufgrund baustellenbedingter Vorgaben musste auch die Erstellung des Wärmespeichers verschoben werden.
Einzelmaßnahmen werden u.a. durch Einreiseverbote behindert
Es erscheint auch noch kein Licht am Horizont. Denn einzelne Maßnahmen, die unabhängig von den Verschiebungen durchgeführt werden konnten, wurden durch auftretende Coronafälle "erheblich behindert", merken die Stadtwerke an. Einreisebeschränkungen und Quarantänebestimmungen sowie erforderliche Hygienemaßnahmen fallen darunter. Aktuell führen pandemiebedingte Einreiseverbote beispielsweise aus dem Vereinigten Königreich – nach wie vor zu weiteren Verzögerungen.
Wenn Maßnahmen nicht wirken, könnten Schäden weiter wachsen
Helge-Uve Braun, Technischer SWM-Geschäftsführer hofft, dass die Maßnahmen bald Wirkung zeigen: "Insbesondere vor dem Hintergrund auslaufender Förderprogramme für die Energieerzeugung ist zu hoffen, dass die Hygienemaßnahmen und eine schnelle Umsetzung der vorgesehenen Impfungen eine termingerechte Fertigstellung ermöglichen." Ansonsten sei zu erwarten, dass Termine nicht eingehalten werden können und der Corona-bedingte Schaden dadurch "noch größer wird".
Die Corona-Krise habe planmäßige Abläufe von Kraftwerksprojekten massiv gestört und verzögert. So gefährden die Auswirkungen auch die geplanten Dauerinbetriebnahme-Termine der Kraft-Wärme- Kopplungsanlagen vor dem Stichtag 31.12.2022. Damit sind die fest einkalkulierten Entgelte für dezentrale Erzeugung (vermiedene Netznutzungsentgelte – vNNE), aber auch die Förderungen für bereits in Betrieb genommene Fernwärmeleitungen über das KWKG gefährdet, da diese an spezielle Fertigstellungsfristen gebunden sind.
Appell an die Politik
Gegensteuern sei möglich: "Abhilfe könnte hier ein Aufschub für die Stichtagsregelungen um zwölf Monate für nachweislich coronabedingt verzögerte Projekte leisten", schlägt Braun vor. Ein solches Moratorium sei europarechtlich unbedenklich und gleichzeitig klimapolitisch, energiepolitisch sowie ordnungspolitisch sinnvoll und geboten. (gun)
