Die Preistransparenzplattform Fernwärme hat ihren Halbjahresbericht vorgelegt. Das Fazit: Die Preise bleiben stabil, die Marktabdeckung wächst – und bei der Dekarbonisierung gibt es Fortschritte, aber auch noch einen langen Weg.
Drei Verbände betreiben die Plattform gemeinsam: der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK (AGFW), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Derzeit sind rund 710 Teilnetze registriert – 158 mehr als zu Beginn der Plattform. Damit deckt sie inzwischen mehr als die Hälfte des deutschen Fernwärmeabsatzes ab, repräsentiert knapp 27.000 Kilometer Fernwärmenetz und einen Wärmeabsatz von rund 61.500 Gigawattstunden (GWh).
Preis seit 2023 kaum verändert
Der gewichtete Mischpreis für den typischen Abnahmefall eines Mehrfamilienhauses mit 160 Kilowatt Anschlussleistung lag zum Stichtag bei 15,6 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) brutto – exakt der gleiche Wert wie ein Jahr zuvor. Seit 2023 bewegt sich der Preis stabil um die 16 ct/kWh. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 hatte der gewichtete Mischpreis zeitweise über 17 ct/kWh gelegen.
Für nahezu den gesamten erfassten Wärmeabsatz gelten Preise zwischen 12,5 und 17,5 ct/kWh. Ausreißer nach oben oder unten betreffen nur einen kleinen Teil des Marktes – was laut den Verbänden die Vergleichbarkeit der Fernwärme als Heizenergie stärkt.
Jahresanpassung als Puffer
Ein wesentlicher Grund für die Preisstabilität liegt in der Struktur der Preisanpassungszyklen. Mehr als 60 Prozent der Unternehmen passen ihre Preise nur einmal im Jahr an – die meisten zum 1. Januar. Vierteljährliche Anpassungen nehmen 23 Prozent der Unternehmen vor, halbjährliche 13 Prozent. Nur 2 Prozent der Unternehmen passen monatlich an.
Diese Systematik bedeutet: Preisschocks auf den globalen Energiemärkten kommen bei Fernwärmekunden in der Regel erst mit ein bis zwei Jahren Zeitverzug an – und dann gedämpft. Das schützt vor kurzfristigen Preisspitzen, kann aber im Umkehrschluss auch bedeuten, dass sinkende Energiepreise erst verzögert weitergegeben werden.
Beim Umbau der Wärmeversorgung zeigt der Bericht ein differenziertes Bild. Insgesamt stammen 29 Prozent der auf der Plattform erfassten Fernwärmeerzeugung aus klimafreundlichen Quellen – darunter Biomasse (7 Prozent), Umwelt-, Geo- und Solarthermie sowie sonstige erneuerbare Energien (3 Prozent) und unvermeidbare Abwärme sowie übrige Energieträger (19 Prozent).
Die übrigen 71 Prozent entfallen auf fossile Träger: Erdgas macht mit 53 Prozent den größten Anteil aus, Kohle trägt noch 17 Prozent bei, Mineralöl rund 1 Prozent. Die Branche ist also auf dem Weg. Die Zahlen zeigen aber auch, wie groß die Transformationsaufgabe noch ist. Immerhin: 314 der 710 gemeldeten Teilnetze erfüllen bereits heute die gesetzlichen Vorgaben des Wärmeplanungsgesetzes für 2030. Sie decken mindestens 30 Prozent ihrer Wärmeerzeugung aus klimafreundlichen Quellen. Dieser Anteil soll bis 2040 auf 80 Prozent ansteigen, bevor die Fernwärme bis 2045 vollständig treibhausgasneutral sein muss.
Politische Unterstützung nötig
GFW-Geschäftsführer Frank Mattat sieht die Plattformdaten als Beleg dafür, dass die Branche liefert – und fordert zugleich politische Unterstützung: "Die Transformation der Wärmenetze ist anspruchsvoll und erfordert Planungssicherheit und einen passenden Investitionsrahmen." Konkret verlangt er eine Reform der AVBFernwärmeV – der Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme – sowie Anpassungen der Wärmelieferverordnung und eine gesetzliche Absicherung der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW).
Auch der stellvertretende VKU-Hauptgeschäftsführer Kai Lobo mahnt: Die BEW solle aus seiner Sicht von derzeit 1,4 Milliarden Euro auf 3,5 Milliarden Euro jährlich aufgestockt und gesetzlich verankert werden. BDEW-Chefin Kerstin Andreae wiederum betont, dass die kommunale Wärmeplanung ihre Steuerungswirkung entfalten müsse und lokale Mehrfachinfrastrukturen vermieden werden sollten.