Das Quartier wird sich über 20 Hektar erstrecken: Bestandsgebäude und Neubauten müssen gleichermaßen versorgt werden, weshalb die Stadtwerke einen Technologie-Mix nutzen.

Das Quartier wird sich über 20 Hektar erstrecken: Bestandsgebäude und Neubauten müssen gleichermaßen versorgt werden, weshalb die Stadtwerke einen Technologie-Mix nutzen.

Bild: © Stadtwerke Bamberg (Team 360; Fa Steinhäuser)

Eine "einmalige Gelegenheit" – so bezeichnet Stefan Loskarn das Wärmeprojekt auf dem Lagarde-Campus; einem Teil des ehemaligen Kasernengeländes der Amerikaner. Dieser liegt zentral in der Stadt Bamberg. "Einmalig" deshalb, weil die 20 Hektar, die energetisch modernisiert werden, komplett der 77.000-Einwohnerstadt gehören. "Somit konnten Stadt und Stadtwerke ihr Konzept nach den vorgegebenen CO2-Zielen entwickeln und festlegen, ohne durch Störfeuer von Dritten und Einflussnahme von Investoren verwässert zu werden", sagt Loskarn, Projektleiter für das Energiekonzept bei den Stadtwerken.

Welche Technologie-Kombination zum Einsatz kommt und wie die verschiedenen Wärmequellen "klug" in Reihe geschaltet werden, lesen Sie in der neuen ZfK-Ausgabe auf Seite 18.

Denn die Erkenntnisse fließen in künftige Wärmeprojekte und das Gebiet bildet die Grundlage für bereits angestoßene Forschungsvorhaben im Rahmen des siebten Energieforschungsprogramm der Bundesregierung, die zusammen mit namhaften Universitäten, technischen Hochschulen sowie Industriepartnern bereits beantragt sind. "Wir müssen sukzessive unsere Wärmenetze und Quartiere CO2- und klimaneutral umstellen. Dafür brauchen wir die Erfahrungen aus dem Zusammenspiel verschiedener Technologien."

Schließlich ließen sich die Bamberger zudem einige Optionen offen. Denn in Energiezentrale wurde Freiraum gelassen. "Damit besitzen wir die Flexibilität um neue Technologien zu integrieren, wie zum Beispiel möglicherweise die Bosch-Brennstoffzelle, die wir aktuell an unserem Zentralen Omnibusbahnhof austesten", sagt Loskarn.

Großzügige Bundesförderung, aber auch bürokratische Hemmnisse

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert das Projekt im Rahmen der "Wärmenetzsysteme 4.0". Ansprechpartner ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die Umsetzung des Konzeptes kostet ungefähr 23 Mio. Euro: 17 Mio. Euro für den Westen, wovon das BAFA 7,35 Mio. Euro zuschießt. Der Ostteil kostet rund 6 Mio. Euro, hierfür braucht es noch eine Förderzusage. "Die BAFA hat leider keinen eigenen Ermessenspielraum, der wurde ihr schlicht nicht gewährt. Ein Umstand, der sich ändern müsste", bekräftigt Loskarn. Es würde die Projektumsetzung erleichtern.

Der Ostteil hätte durch eine eigene Förderprüfung laufen müssen, obwohl es sich um eine "Erweiterung" des bestehenden Konzeptes handelt. "Wir haben das Glück, dass das Bundeswirtschaftsministerium als Geldgeber und Auftraggeber für das BAFA unser Projekt auch als höchst Prioritär ansieht , sonst hätte es wieder ein Jahr dauern können, bis wir hätten weiter machen können", erzählt Loskarn.

Erwartungen der BAFA an die Machbarkeitsstudie

Eine weitere Schwierigkeit war die Erwartung des BAFA an die Machbarkeitsstudie, zu deren Abschluss die Leistungsphase 4 HOAI notwendig war. Es fehlt das Verständnis, dass sich eine Erschließung, insbesondere dieser Größe, über lange Zeiträume strecken kann und teils stark unterschiedliche Planungsstadien bei den Investoren vorliegen können. Die Verwaltungen wollen Sicherheit und Antworten auf offene Fragen, die nur mit den Investoren zusammen überhaupt beantworten werden können." Für April 2022 erwarten die Stadtwerke die Zusage zu den erwähnten Forschungsanträgen, die das Projekt begleiten und weitere Erkenntnisse für zukünftige Projekte erbringen sollen. (gun)

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