Gemeinsam mit der Universität Kassel hat Agora Energiewende Vorschläge erarbeitet, wie Mieter vom künftigen CO2-Preis auf Erdgas und Öl entlastet werden können, gleichzeitig aber die Quote für klimafreundliche Gebäudesanierung gesteigert werden kann. Statt zwischen Warm- und Kaltmiete zu unterschieden, soll es künftig nur noch eine Warmmiete geben.
Der Hebel für geringere Kosten auf der Mieterseite und mehr Investitionswillen beim Eigentümer, ist das sogenannte Temperaturfeedback. Vermieter und Mieter vereinbaren dabei eine Raumtemperatur, die der Vermieter während der Wintermonate garantiert. Über eine kalibrierte Messung der Raumtemperatur bei normalem Heizverhalten wird daraufhin ein Referenzverbrauch ermittelt. Übersteigt der Mieter in einer Heizperiode diesen Verbrauch, zahlt er nach. Spart er beim Heizen, erhält er eine Rückzahlung.
Gesparte Heizkosten Anreiz für beide Parteien
Wird die Wohnung nun energetisch saniert, wird der Referenzverbrauch gesenkt, da weniger Energie notwendig ist, um dieselbe Temperatur zu erreichen. Der Preis für die vereinbarte Raumtemperatur bleibt hingegen gleich. Somit profitiert der Vermieter von den gesparten Heizkosten. Durch den Referenzverbrauch mit Rück- und Nachzahlung ist das Energiesparen jedoch auch im Interesse der Mieter. Sie werden von verschwenderischem Heizverhalten mit offenem Fenster abgehalten.
Aus Sicht von Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende ist dieser Ansatz eine dringend notwendige Ergänzung zum geplanten CO2-Preis im Wärmebereich, der ab 2021 mit 25 Euro pro Tonne eingeführt wird: „Nur so können wir Vermietern den Anreiz geben, energetische Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen. Das jetzige System, das die Heizkosten an die Mieter weiterreicht und gleichzeitig pauschale Mieterhöhungen nach Sanierungen erlaubt, ist überholt und gehört abgeschafft.“
Vorbild Schweden
Vorbild für dieses Konzept ist wie so oft in sozialen und ökologischen Fragestellungen Schweden. Dort gibt es die Kombination aus steigendem CO2-Preis und dem Warmmieten-Modell bereits seit 2000. Mit Erfolg: Die Emissionen der Haushalte konnten seit her um etwa 95 Prozent gesenkt werden.
Für eine erfolgreiche Wärmwende reicht das Warmmieten-Konzept laut der Agora-Studie allerdings nicht aus. Zusätzlich plädiert die Denkfabrik für eine Förderung innovativer Technologien, die sich heute noch nicht rechnen. „Wer heute eine neue Heizungsanlage einbaut oder die Fassade dämmt, legt fest, wie klimafreundlich ein Gebäude in den kommenden Jahrzehnten sein wird. Deshalb müssen wir bei solchen Investitionen bereits jetzt das Ziel Klimaneutralität im Jahr 2050 im Blick haben“, sagt Graichen.
Sanierungsfahrpläne erforderlich
Zudem bedarf es verpflichtender Sanierungsfahrpläne für alle Gebäude. Damit würden Sanierungsmaßnahmen für Gebäude über mehrere Jahre hinweg geplant, die Sanierungskosten verteilen sich somit über einen längeren Zeitraum, argumentiert der Thinktank. Gleichzeitig stellt der Fahrplan sicher, dass die CO2-Emissionen eines Gebäudes stückweise auf null sinken.
In Anbetracht der Klimaziele der Bundesregierung, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu schaffen, tut die schnellstmögliche Umsetzung solcher Ansätze Not. (lm)


