Dominik Rau von Prognos: "Meistens lautet die Rechnung: Einmalige Investitionszahlung – und dann folgt die typisch deutsche Frage: Wann amortisiert sich das?"

Dominik Rau von Prognos: "Meistens lautet die Rechnung: Einmalige Investitionszahlung – und dann folgt die typisch deutsche Frage: Wann amortisiert sich das?"

Bild: © Silas Stein/dpa

Lohnen sich Geothermie-Wärmepumpen im Bestand trotz hoher Anfangskosten? Dominik Rau von Prognos erklärt im Interview, warum der klassische Blick auf die Amortisation oft zu kurz greift. Besonders die Langlebigkeit der Erdsonden und steigende CO₂-Preise machen die Technologie langfristig zur attraktiven Option. Die aktuelle Studie zeigt auf, wie sich Investitionen über die gesamte Lebensdauer rechnen.

Herr Rau, welche Gebäudetypen haben Sie für die Analyse untersucht?

Es gibt verschiedene Herangehensweisen. Man kann das Gebäude wählen, das am häufigsten vorkommt – sozusagen die beste Referenz. Aber ehrlicherweise gibt es im deutschen Gebäudebestand kein Haus, das die Hälfte aller Gebäude ausmacht.

Die Autoren der Studie des Instituts für Umwelt und Wohnen (IWU) analysierten daher, wie ein durchschnittliches Gebäude in Europa je Baualtersklasse aussieht. Eine große öffentliche Datenbank liefert hierfür die Daten: Man wählt Land, Baualtersklasse sowie Ein- oder Mehrfamilienhaus aus und erhält ein typisches Haus für diese Zeit.

Dominik Rau ist Senior-Projektleiter bei Prognos.Bild: © Fotos Koroll

Das bildete die Grundlage unserer Studie. Gemeinsam mit dem Bundesverband Wärmepumpe untersuchten wir: In welchen Gebäuden können wir eine Wärmepumpe installieren, ohne grundlegende Veränderungen vorzunehmen?

Bei Häusern von 1900 müssen Eigentümer sicher mehr tun. Ich denke nicht, dass sie komplett sanieren müssen, aber sie benötigen zusätzliche Maßnahmen. Deshalb konzentrierten wir uns auf die Baualtersklasse etwa 1985 bis 1995.

Wie sieht ein typisches Gebäude dieser Art aus?

Diese Gebäude besitzen bereits einen gewissen Wärmeschutz, meistens haben die Eigentümer sie aber noch nicht saniert. Künftig gäbe es dort sogar weiteres Potenzial zur Energieeinsparung, aber das bildete nicht den Fokus unserer Studie.

Wir wollten kein supermodernes Gebäude wählen, weil die meisten Bestandsgebäude diesen Standard aktuell nicht erfüllen. Der Zeitraum von 1985 bis heute deckt ungefähr ein Drittel des Gebäudebestandes ab, vielleicht sogar etwas mehr.

Trotzdem lässt sich die Aussage treffen: Die Wärmepumpe funktioniert – ohne Wenn und Aber. Das war unser Ausgangspunkt.

Gibt es Gebäudetypen, bei denen Wärmepumpen gar nicht infrage kommen?

So hart würde ich es nicht formulieren. Ich glaube, Situationen, in denen sie "gar nicht infrage kommen", sind sehr selten. Es gibt diese Gebäude bestimmt, aber sie bilden die Ausnahme.

Vielleicht müssen Eigentümer einige Fenster austauschen oder größere Heizkörper einbauen. Ich denke nicht, dass wir die Technik komplett ausschließen müssen – auch bei sehr alten Gebäuden nicht. Es gibt kein kategorisches Ja oder Nein. Je schlechter der Zustand des Gebäudes, desto mehr Maßnahmen fallen an. Aber fast immer lässt sich eine Lösung finden.

Die Krisensituation auf den Energiemärkten beschäftigt gerade die Branche. Wie hat sich das auf Ihre Annahmen ausgewirkt?

Wir führten bereits 2022 ähnliche Analysen durch. Damals sahen wir tatsächlich massive Auswirkungen auf den Gasmarkt. Jetzt steigen die Preise zwar ebenfalls, aber sie erreichen nicht das Level der akuten Mangellage von 2022.

Wir passten die Daten daher nur geringfügig an. Das ist aber nur der erste Teil der Antwort. Der wesentliche Punkt ist: Wir setzen die Annahmen für die Energiepreise so langfristig an, dass wir diese kurzfristigen Schwankungen mehr oder weniger ausblenden können. Was wir dagegen berücksichtigten, sind größere Effekte, die deutlich darüber hinausgehen.

Können Sie das erläutern?

Einerseits betrifft das die Verfügbarkeit, aber eben auch die Regulatorik. Wie verändern sich die politisch vorgegebenen oder durch Handelssysteme absehbaren CO₂-Preise? Zudem steigen die Gasnetzentgelte, da künftig weniger Menschen am Gasnetz hängen. Das lässt sich berechnen.

Wir setzten hier bis 2045 ungefähr eine Verdreifachung der Netzentgelte an. Es gibt Szenarien mit noch höheren Schätzungen. Unsere Annahme ist eher konservativ. Wenn fast jeder das Gasnetz verlässt, ist eine Verzehnfachung wahrscheinlich. Aber in diese Richtung denken wir erst einmal nicht.

Sie arbeiten mit der Annuitätenmethode. Wie realistisch ist es, dass Eigentümer tatsächlich so rechnen und Investitionsentscheidungen darauf aufbauen?

Ich unterscheide da zwei Fälle. Einerseits das Mehrfamilienhaus: Dort gibt es in der Regel Investoren, die ohnehin so kalkulieren, wie wir gerechnet haben. Da stellt sich die Frage eigentlich gar nicht. Investoren arbeiten viel mit Banken und langfristigen Zahlungsplänen.

Im Einfamilienhausbereich ist die Frage aber durchaus berechtigt. Genau deshalb führten wir diese Studie durch. Im Moment denken viele Eigentümer noch nicht so. Meistens lautet die Rechnung: einmalige Investitionszahlung – und dann folgt die typisch deutsche Frage: Wann amortisiert sich das?

Was ist falsch an dieser Annahme?

Erhebungen zeigen: Im Mittel muss sich die Investition in etwa sieben bis acht Jahren rechnen, damit die Entscheidung positiv ausfällt. Dauert es deutlich länger, lehnen viele ab.

Das gilt insbesondere im Bestand bei Einfamilienhäusern mit älteren Bewohnern. Dennoch finanzieren viele Menschen große Investitionen – und die Geothermie-Wärmepumpe ist definitiv eine solche – mithilfe von Banken und Krediten. Diese Kredite laufen oft länger als der eigentliche Entscheidungshorizont.

Gerade bei Bauteilen wie der Bohrung, die zwei Investitionszyklen überdauert,
relativieren sich die Kosten erheblich.

Deshalb finde ich diese Rechnung sinnvoll, um zu zeigen: Wer langfristig kalkuliert und nicht nur die Einmalzahlung betrachtet, sondern die Investition mit den langfristigen Betriebskosten zusammenführt, erhält ein realistisches Bild. Gerade bei Bauteilen wie der Bohrung, die zwei Investitionszyklen überdauert, relativieren sich die Kosten erheblich. Das war das Ziel der Studie.

Welche Faktoren unterschätzen Eigentümer bei solchen Berechnungen am häufigsten?

Viele blenden aus, wie stark der CO₂-Preis und die Netzentgelte steigen werden. Wer heute noch einen Gaskessel einbaut, unterschätzt diese zwei treibenden Faktoren. Der dritte Faktor ist der künftige Einsatz von Biomethan, das ebenfalls mehr kostet als Erdgas.

Drei Faktoren machen den Gaspreis also teurer. Die meisten Leute, die heute eine Gasheizung installieren, beachten das zu wenig.

Der zweite Punkt ist der oft zu kurze Blick auf die Wirtschaftlichkeit. Es dauert einfach etwas länger, bis sich eine Bohrung gelohnt hat. Aber dann lohnt sie sich eben über einen sehr langen Zeitraum.

Die hohen Investitionskosten wirken abschreckend. Bei der Geothermie bilden sie definitiv den höchsten Anteil – da gibt es nichts zu beschönigen. Der Gaskessel und die Luftwärmepumpe kosten weniger. Ich würde sogar sagen: Das ist der einzige Faktor in den Köpfen, der gegen diese Technologie spricht. Denn alles andere spricht dafür: Die Lebensdauer ist länger, die Effizienz höher und die Wartungskosten sind geringer. Viele positive Punkte stehen im Raum – aber die Investitionskosten wiegen für viele schwer.

Erwarten Sie perspektivisch Skaleneffekte bei den Kosten, beispielsweise für Bohrungen und Installationen?

Einen solchen Pfad der Vergünstigung nahmen wir in der Studie gar nicht an. Wir betrachten eine einmalige Investition zum heutigen Zeitpunkt. Über zukünftige Investitionen trafen wir keine Annahmen.

Natürlich stellt sich die Frage trotzdem. Wir gehen davon aus, dass Skalierungseffekte eintreten könnten, wenn der Markt sprunghaft anwächst. Im Moment befinden wir uns eher in einer Zeit der Unsicherheit. Ohne die aktuellen Debatten zum Gebäudeenergiegesetz hätte es vielleicht einen solchen Hochlauf gegeben. Aktuell sehen wir das aber noch nicht.

Zudem gibt es den gegenteiligen Effekt: Bei stärkerer Nachfrage könnten die Preise zunächst sogar steigen. Vielleicht verläuft die Kurve also nicht linear, sondern geht erst hoch und dann wieder runter.

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