Die Kunsteisbahn Villingen-Schwenningen steht im Zentrum eines Transformationsprozesses, der die energetische Zukunft der Stadt mitgestaltet. Die kommunale Wärmeplanung verfolgt das Ziel, die Wärmeversorgung mithilfe lokaler Potenziale klimaneutral zu gestalten. Die Eisbahn spielt dabei eine Schlüsselrolle, denn die Ammoniak-Kälteanlage erzeugt große Mengen bisher ungenutzter Abwärme.
Rund 4,5 Millionen Kilowattstunden ungenutzte Wärme, die bislang über das Dach abgegeben wird, erzeugt die Kälteanlage der Kunsteisbahn jährlich. Diese Abwärme soll nun über einen Wärmetauscher nutzbar gemacht werden und den Wärmebedarf der Eishalle deutlich reduzieren.
In einem zweiten Schritt soll überschüssige Abwärme für ein kommunales Wärmenetz zur Verfügung gestellt werden. Da die Eishalle zu Trainingszwecken der Profimannschaft auch im Sommer betrieben wird, sollen intelligente Speichersysteme eingesetzt werden.
Machbarkeitsstudie quantifiziert Abwärmepotenziale
- Abwärmemenge: 4,5 Millionen kWh pro Jahr
- Temperaturniveau: bis zu 105 Grad Celsius
- Messmethodik: Temporäre Wärmemessungen zur Ermittlung von Leistung und Energiemengen der Abwärme aus der Kälteanlage
- Herausforderungen: Fehlende Zählerstruktur, komplexe Systemgrenzen
Daniel Merz, Projektleiter bei der Energielenker-Gruppe, erklärt dazu: "Die Abwärmeauskopplung ist ein Gamechanger. Mit intelligenter Speichertechnik und Wärmetauschern können wir die Wärme in das Quartiersnetz einspeisen."
Maßnahmen im Überblick
Die Energielenker-Gruppe begleitet das Projekt von Beginn an im Rahmen eines ganzheitlichen Transformationsplans. Der Ansatz umfasst:
- Pumpen- und Ventilatorentausch zur Effizienzsteigerung
- Optimierung der Gebäudeleittechnik (GLT) für bedarfsgerechte Steuerung
- Einführung eines Energiemanagementsystems
- Installation von Photovoltaikanlagen auf Dach und Parkplatz
- Taugruben-Optimierung und Wärmespeicherung
- Repowering der bestehenden Photovoltaik-Anlage
Erwartet werden eine CO2-Reduktion um bis zu 77,8 Prozent und Amortisationszeiten zwischen einem und 16 Jahren je Maßnahme, abhängig vom Umfang. Olaf Behrendt, Key-Account-Manager der Energielenker-Gruppe, betont: "Unser Ansatz ist ganzheitlich: Wir betrachten Technik, Wirtschaftlichkeit und Fördermöglichkeiten. So schaffen wir Lösungen, die ökologisch und ökonomisch überzeugen."
Mit Förderprogrammen die Wirtschaftlichkeit sichern
Die Umsetzung der Maßnahmen wird durch Förderprogramme unterstützt. Besonders relevant ist das BAFA-Programm "Energieeffizienz in der Wirtschaft (EEW)", das Investitionen in Effizienzmaßnahmen und Transformationspläne bezuschusst:
- Modul 1: Querschnittstechnologien (Pumpen, Ventilatoren) – bis zu 200.000 Euro Förderung
- Modul 3: Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Energiemanagementsysteme – bis zu 90.000 Euro
- Modul 4: Optimierung von Anlagen und Prozessen – bis zu 45 Prozent Zuschuss
- Modul 5: Transformationsplan – bis zu 90.000 Euro für Analyse, Treibhausgasbilanz und Maßnahmenentwicklung
Zusätzlich wurde für die Machbarkeitsstudie zur Abwärmenutzung eine Landesförderung in Baden-Württemberg mit Förderquoten von bis zu 75 Prozent genutzt. Olaf Behrendt: "Förderprogramme sind der Schlüssel, um ambitionierte Projekte wirtschaftlich zu machen. Wir begleiten unsere Kunden von der Antragstellung bis zur Umsetzung."
Zukunftsperspektiven: Wärmenetze und Klimaneutralität
Aus dem Projekt ergibt sich eine Zukunftsperspektive für die Kunsteisbahn, betont der Geschäftsführer der Stadtwerke Villingen-Schwenningen GmbH, Gregor Gülpen: "Die Kunsteisbahn soll künftig nicht nur Sportstätte, sondern auch Wärmelieferant für die Stadt werden. Die überschüssige Wärme kann in ein kommunales Wärmenetz eingespeist werden, das Wohngebäude und öffentliche Einrichtungen versorgt."
Perspektiven und Fazit
- Quartierslösungen: Integration der Abwärme aus der Kunsteisbahn in lokale Wärmenetze
- Saisonale Speicher: Nutzung von Pufferspeichern für Sommer- und Winterbetrieb
- Erneuerbare Kombination: Kopplung mit Wärmepumpen und perspektivisch weiteren erneuerbaren Energien
Villingen-Schwenningen dient als Blaupause für Kommunen. Eishallen könnten künftig flächendeckend als Energie-Hubs genutzt werden – eine neue Rolle für Sportstätten im Kontext der Wärmewende. Die Zusammenarbeit mit Energielenker zeigt, wie technische Expertise, Fördermittel und strategische Planung zusammenwirken, um Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit zu vereinen.



