EWE und der österreichische Energiekonzern Verbund AG gründen ein Joint Venture für eines der nach eigenen Angaben größten Wasserstoffvorhaben Europas. Unter dem Projektnamen "CHC Elektrolyse JadeWeser" soll in der Wesermarsch bei Nordenham (Niedersachsen) ein integrierter Wasserstoffhub entstehen.
Kern des Projekts ist ein Elektrolyseur mit einer Leistung von bis zu 500 Megawatt (MW) und einer geplanten Produktionskapazität von rund 50.000 Tonnen grünem Wasserstoff pro Jahr.
Träger soll eine eigenständige Projektgesellschaft sein. Die Anlage werde an das künftige Wasserstoff-Kernnetz angebunden und könne voraussichtlich ab 2032 grünen Wasserstoff für Industrie, Mobilität und den Energiesektor bereitstellen, teilen EWE und Verbund mit.
Anschluss ans Kernnetz
Das Vorhaben ist demnach Bestandteil ihrer gemeinsamen Wasserstoffstrategie und "konsequent europäisch ausgerichtet", schreiben die Partner. Über die Anbindung an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz und eine spätere Einbindung in europäische Wasserstoff-Korridore soll das Projekt zur Versorgungssicherheit, zur Marktintegration und zur Erreichung der Klimaziele beitragen.
Verbund-CEO Michael Strugl erklärt: "Die Energiewende braucht leistungsfähige europäische Partnerschaften. Mit dem Joint Venture bündeln wir die Stärken zweier etablierter Energieunternehmen und schaffen die Voraussetzungen für eine sichere und wettbewerbsfähige Versorgung mit grünem Wasserstoff."
Nordenham punktet mit Standortvorteilen
Als Pluspunkte nennen die Partner gesicherte Flächen im südlichen Stadtgebiet von Nordenham sowie die Nähe zu einem 380-kV-Netzanschluss mit Ausbauperspektive. Hinzu kämen eine gesicherte Wasserverfügbarkeit, bestehende Industrieinfrastruktur und kurze Wege zu Industrie- und Mobilitätskorridoren – inklusive Bezug zur geplanten Autobahn A20.
Ein "entscheidender Vorteil" sei zudem der Zugang zu Wasserstoff-Kavernenspeichern beziehungsweise die Nähe zu entsprechender Speicherinfrastruktur. Damit könne Wasserstoff künftig flexibler gespeichert und bedarfsgerecht bereitgestellt werden. EWE zählt zu den Vorreitern und größten Akteuren bei der Umsetzung von kommerziellen Wasserstoffspeichern in Salzkavernen.
Markt konsolidiert sich
Die Gründung des Joint Ventures durch die EWE Hydrogen und die Verbund Green Hydrogen erfolge darüber hinaus in einer Phase, in der sich der Wasserstoffmarkt konsolidiere. Erfolgreich umsetzbar seien vor allem Projekte mit Infrastruktur, gesicherten Standorten, starken Finanzierungspartnern und konkreten Vermarktungsperspektiven.
EWE-Vorstandschef Stefan Dohler betont zugleich: "Für einen erfolgreichen Markthochlauf sind aber weiterhin regulatorische Anpassungen notwendig, wie zum Beispiel die RFNBO-Vorgaben der EU." Zudem verweist EWE auf zusätzliche Belastungen etwa durch Netzentgelte und indirekte Emissionskosten sowie auf die Bedeutung wettbewerbsfähiger Strombezugskosten.
RFNBO ("Renewable Fuels of Non-Biological Origin") sind EU‑Vorgaben, die festlegen, unter welchen Bedingungen Wasserstoff als erneuerbar gilt. Beispielsweise muss die Erzeugung des genutzten Ökostroms zeitlich mit dem Betrieb des Elektrolyseurs zusammenfallen.
Bislang 400 MW in der Pipeline
EWE und Verbund würden sich mit den jeweiligen Kompetenzen entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette ergänzen. Gemeinsam verfügen beide über Wasserstoffprojekte in Bau oder im Betrieb mit einer Leistung von rund 400 MW.
Der Verbund-Konzern deckt nach eigenen Angaben mehr als 40 Prozent des Strombedarfs in Österreich. Rund 95 Prozent der Stromerzeugung stamme aus erneuerbaren Energien. 2025 wies das Unternehmen Umsatzerlöse von mehr als acht Milliarden Euro aus.