Seit knapp zwei Jahren zwingt das Verpackungsgesetz Unternehmen, sich an den Kosten fürs Recycling-System zu beteiligen – nun haben die Verantwortlichen eine insgesamt positive Bilanz gezogen. Die neuen Regelungen hätten zu mehr wiederverwerteten Verpackungen geführt und viel mehr Hersteller beteiligten sich, teilten das Umweltbundesamt (UBA) und die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) am Mittwoch mit.
Konkret: Im Anfang 2018 neu eingeführten Verpackungsregister haben sich demnach inzwischen knapp 200.000 Unternehmen registriert, gut 17 Prozent mehr als 2019. Damit beteiligen sich heute rund drei Mal so viele Unternehmen am Recycling-System wie noch vor vier Jahren. Das Register ist öffentlich, sodass Unternehmen prüfen können, ob die Konkurrenz auch zahlt. Rund 80 bis 90 Prozent der beteiligten Verpackungen gehen derzeit auch tatsächlich ins Recycling und nicht in die Verbrennung, wie das Umweltbundesamt betonte.
Gesetzliche Regelung gefordert
UBA-Präsident Dirk Messner kann sich aber mehr vorstellen – etwa, Betreiber von Online-Marktplätzen stärker in die Pflicht zu nehmen. "Wir empfehlen daher, dass alle Onlineplattformen künftig vor dem Verkauf von Waren prüfen, ob sich die Verkäufer an die Pflicht zur Registrierung im Verpackungsregister gehalten haben. Dies sollte gesetzlich festgeschrieben werden", sagte er.
Unternehmen, die Verpackungen in Deutschland in den Verkehr bringen, müssen sich an den Kosten fürs Entsorgen und Verwerten beteiligen. Dafür zahlen sie Lizenzentgelte an die sogenannten dualen Systeme wie den Grünen Punkt. Das ist schon lange Pflicht, es machten aber längst nicht alle mit. Nun melden sie der ZSVR ihre Verpackungsmengen, auch die Dualen Systeme liefern Daten. Diese werden abgeglichen – so fallen Schummeleien auf.
Viele Verstöße
Inzwischen finanzieren den Angaben zufolge mehr als 75 Prozent aller Verpackungen das System mit der gelben Tonne und dem gelben Sack. Fast 6000 Ordnungswidrigkeiten seien an Vollzugsbehörden abgegeben worden oder dafür in Vorbereitung. "Die Daten zeigen, dass die Produktverantwortung für Verpackungen wieder einen hohen Stellenwert bekommen hat", sagte Gunda Rachut, Vorständin der für die Zentrale Stelle Verpackungsregister zuständigen Stiftung.
Der Verbrauch von Verpackungen in Deutschland nimmt Jahr für Jahr zu. 2018 erreichte die Müll-Menge erneut ein Rekordhoch: 18,9 Mio. Tonnen fielen an, rechnerisch 227,5 Kilogramm pro Kopf. Es gebe Möglichkeiten, entgegenzusteuern, sagte Messner: "Viele Produkte können auch mit weniger Verpackung oder sogar unverpackt verkauft werden, etwa große Teile des Obst- und Gemüsesortiments im Supermarkt."
Offene Probleme
„Es ist gut, dass sich nun endlich nach Jahren des Stillstands eine Trendwende im Bereich der Lizenzierung von Verpackungen abzeichnet", sagte Patrik Hasenkamp, Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU). Nichtsdestotrotz blieben zentrale Bereiche sowohl der Organisation der Verpackungsentsorgung als auch der ökologischen Lenkungswirkung eine Baustelle.
Beispielsweise gebe es für Hersteller noch zu wenige Anreize für Abfallvermeidung, so Hasenkamp. Auch der Einsatz von recycelten Materialien in Verpackungen sei noch ausbaufähig. Außerdem seien an den Schnittstellen zwischen der privatwirtschaftlich organisierten Verpackungs- und der kommunalen Hausmüllentsorgung noch viele Probleme ungelöst. (dpa/hp)


