Die Festival-Saison nimmt langsam, aber sicher Fahrt auf: Für kommunale Entsorger bedeutet das vor allem Belastung.

Die Festival-Saison nimmt langsam, aber sicher Fahrt auf: Für kommunale Entsorger bedeutet das vor allem Belastung.

Bild: © Jens Büttner/dpa

Wenn im Sommer die Festivalsaison beginnt, starten kommunale Entsorger in den Ausnahmebetrieb. Eine neue Umfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist und welche systemischen Hebel die Branche gezielt nutzen kann.

23 Tonnen in drei Tagen

Die Zahlen sind ernüchternd: Allein das Festival Parookaville verursacht nach DUH-Berechnungen an drei Veranstaltungstagen rund 600.000 Einwegbecher, 250.000 Getränkedosen und etwa 500.000 Einwegartikel für die Essensausgabe – in der Summe über 23 Tonnen Einwegmüll.

Für die Entsorgungswirtschaft ist das keine abstrakte Zahl. Wer weiß, dass während des Straßenkarnevals 2025 allein in Köln rund 460 Tonnen Abfall anfielen – die Kapazität von etwa 46 Müllwagen – der versteht, was solche Veranstaltungen logistisch bedeuten.

Die DUH befragte zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 zehn der größten deutschen Musikfestivals: Fusion, Hurricane, Lollapalooza, MS Dockville, Nature One, Parookaville, Rock am Ring, Rock im Park, Southside und das Wacken Open Air. Das Ergebnis zeigt ein Bild, das in der Entsorgungsbranche seit Jahren bekannt ist und bisher strukturell ungelöst geblieben ist.

Mülltrennung: Neun von zehn versagen

Auf neun der zehn befragten Festivals wird der Müll in öffentlichen Bereichen des Geländes nicht getrennt erfasst. Zwei Festivals, MS Dockville und Nature One, bieten laut DUH nicht einmal auf den Campingflächen eine getrennte Sammlung an. Das bedeutet: Alles, was in Gemischcontainern landet, ist als Wertstoff verloren und erzeugt enormen Nachsorgebedarf.

Hinzu kommt: Drei der zehn Festivals geben kostenfreie Merchandising-Artikel aus, also klassisches Wegwerfmaterial ohne jede Rückgabestruktur. Was für den Marketingverantwortlichen ein Werbemittel ist, ist für den Entsorger unkontrollierbarer zusätzlicher Müll.

Zur Studie

Die DUH-Umfrage erfasste die Festivals Fusion, Hurricane, Lollapalooza, MS Dockville, Nature One, Parookaville, Rock am Ring, Rock im Park, Southside und Wacken Open Air (Befragungszeitraum Dezember 2025 bis Februar 2026). Drei weitere Festivals – Glücksgefühle, Airbeat One und Deichbrand – antworteten nicht. Hier geht es zur ganzen Studie.

Das Pfand: Zu niedrig, um zu wirken

Nur fünf der zehn befragten Festivals haben überhaupt ein Müllpfandsystem. Dabei ist das Pfand eines der wirkungsvollsten Instrumente für Littering-Prävention – wenn es hoch genug ist. Uwe Feige, Werkleiter des Kommunalservices Jena und Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), bringt es im ZFK-Interview auf den Punkt: "Für acht Cent trägt kaum mehr jemand Flaschen zurück in den Kiosk, selbst wenn dieser in der Nähe ist."

Feige fordert deshalb einen generellen Flaschenpfand von 50 Cent und gibt zu, dass dies den Produktionswert mancher Verpackung übersteigen könnte: "Im schlimmsten Fall müssen wir sagen: Ja, das Pfand ist höher als der Produktionswert. Warum schließt sich das grundsätzlich aus?" Was für das klassische Einwegpfand gilt, lässt sich direkt auf Festivals übertragen: Nur ein Pfand, das spürbar wehtut, verändert Verhalten. Ein Becher-Pfand von 50 Cent auf einem Festival würde Littering auf den Geländen drastisch reduzieren.

Sanitär: Unterschätzter Abwasserberg

Nur fünf der zehn Festivals setzen teilweise auf Kompost- oder Trockentrenntoiletten. Positiv stechen Fusion und MS Dockville hervor; beim Wacken Open Air liegt der Anteil bei gerade einem Prozent. Was das für die Infrastruktur bedeutet, illustriert Wacken konkret: Täglich fallen rund 2000 Kubikmeter Abwasser an, die per Lkw zur Kläranlage des Wasserverbands Süderdithmarschen transportiert werden – einer Anlage, die im Normalbetrieb Gemeinden mit 3800 Einwohnenden versorgt. Komposttoiletten könnten diesen Aufwand erheblich reduzieren.

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