Abfallprodukte wie zum Beispiel Lacke, die mehr als ein Prozent Titandioxid enthalten, werden künftig in der EU als gefährliche Abfälle eingestuft.

Abfallprodukte wie zum Beispiel Lacke, die mehr als ein Prozent Titandioxid enthalten, werden künftig in der EU als gefährliche Abfälle eingestuft.

Bild: © endostock/AdobeStock

Das Aufkommen von gefährlichen Abfällen hat sich über die letzten Jahre deutlich erhöht. Ursache dafür sind verschärfte rechtliche Rahmenbedingungen und zunehmende Engpässe bei den Verwertungskapazitäten. Vor diesem Hintergrund untersucht das Marktforschungsinstitut Trend Research in der Studie „Entsorgung gefährlicher Abfälle in Deutschland bis 2030“ derzeit die Entwicklungen, Technologien und Verfahren zur Verwertung von Sonderabfällen in den nächsten zehn Jahren.
 
In den Interviews, die Trend Research bislang dafür geführt hat, weisen Branchenvertreter darauf hin, dass die Entwicklungen rund um Covid-19 erhebliche Auswirkungen auf dieses Marktsegment haben. Dabei erwarten die meisten Befragten, dass kurzfristig Kapazitäten frei werden, die jedoch je nach Schwere der Corona-Krise direkt und unmittelbar für die steigende Menge von infektiösen Abfällen benötigt werden.

Wirtschaftskrise hat Auswirkungen

Für die mittelfristige Entwicklung in den kommenden zwei bis drei Jahren wird hingegen ein Einbruch erwartet. Ein Grund hierfür ist die Krise in der Automobilindustrie, welche so z.B. zu einer Abnahme der durch die Behandlung von Lacken und Legierungen entstehenden Abfallmenge führt. Auch für andere Wirtschaftsbereiche, wie z.B. die Baubranche, erwarten die Umfrageteilnehmer Einbußen im Zuge der Corona-Krise. Diese sind im Wesentlichen abhängig von Intensität und Dauer der Probleme durch die Pandemie. Wenn Baustellen, wie aktuell in Italien oder Spanien, zeitweilig geschlossen werden, wird sich die Abfallmenge hier vorübergehend stark reduzieren.

Grundsätzlich zeigt der langfristige Trend – ohne Berücksichtigung von Covid-19 – aber eine erhebliche Zunahme der gefährlichen Abfälle. Nachdem sich die Menge in Deutschland zu Beginn der 2010er Jahre stabilisierte, erreichte sie nach einem deutlichen Anstieg im Jahr 2017 ca. 25 Mio. Tonnen. Dabei produziert der Bereich Produktion und Gewerbe mit fast 36 Prozent den größten Anteil an gefährlichen Abfällen, gefolgt von Abfällen aus dem Bau- bzw. Abbruchgewerbe mit 33 Prozent und Behandlungsanlagen mit 27 Prozent.

400.000 Tonnen zusätzlich
 
Für die Zukunft ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Denn die rechtlichen Rahmenbedingungen sowohl auf Bundes- wie auch auf europäischer Ebene verschärfen sich. Durch die Neueinstufung von Produkten als gefährliche Abfälle, u.a. aufgrund der Senkung des erlaubten Grenzwertes entsprechender Elemente, wird die Menge des gefährlichen Abfalls weiter ansteigen.

So werden Produkte, die mehr als ein Prozent Titandioxid enthalten, zukünftig in der EU als gefährliche Abfälle eingestuft und daher nicht mehr recycelt. Dies betrifft etwa 400.000 Tonnen an Lacken, Farben, Kunststoffen, Papier, Baustoffen, Stahl, Glas, Kosmetika, Pharmaprodukten, Textilien, Leder, Klebstoffen oder Importkohle.

Strengere Exportverbote
 
Die aktuelle Neuregelung der Basler Konvention zur Ausweitung des Exportverbots von gefährlichen Kunstoffen ab 2021trägt zu dieser Entwicklung bei. Das Abkommen, das von 187 Staaten getragen wird, stärkt den aufkommenden inländischen Recyclinggedanken durch genauere Deklarationspflichten und sieht ab dem 1. Januar 2021 ein Exportverbot für gefährliche Kunststoffabfälle sowie solche, die sich kaum recyceln lassen, vor.

Für die steigenden Volumina sind viele Bundesländer mit ihren knappen Sonderabfall-Beseitigungskapazitäten nur unzureichend vorbereitet; viele sind daher auf andere Einrichtungen, insbesondere in NRW, angewiesen. Doch auch die dort zu Verfügung stehenden Behandlungskapazitäten von jährlich ca. 7 Mio. Tonnen sind voraussichtlich nicht ausreichend. Das hohe Alter vieler Verbrennungsanlagen stellt aufgrund teilweise längerer Stillstandzeiten (u.a. wegen Revision oder Abschaltung) ein erhebliches Risiko bezüglich Kapazitätsengpässen dar.

Studie erscheint im Mai

In der geplanten Potenzialstudie „Entsorgung Gefährlicher Abfälle in Deutschland bis 2030“ werden neben der derzeitigen Situation auch zukünftige Verfahren und Technologien für die Entsorgung von gefährlichen Abfällen erörtert sowie die Relevanz von KI-Technologien zur Entwicklung von neuen Stoffen aus gefährlichen Abfällen betrachtet. Die Untersuchung wird bis Anfang Mai fertig gestellt. (hp)

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