Ob Coffee-to-go-Becher, Zigarettenkippen, Kaugummis oder Hundekot: Wenn es auf dem Gehweg landet, verursacht es Mehrarbeit für die Kommunen. In Frankfurt beispielsweise fällt nach Angaben der Entsorgungs- und Service-Gesellschaft FES pro Jahr eine Müllmenge von rund 293.000 Tonnen an. Drei Prozent davon stammen aus Papierkörben oder sind Straßenkehricht.
In Frankfurt seien zwar täglich Mitarbeiter unterwegs, die auch ein Auge auf Raucher hätten, eine eigene "Kippenstreife" sei jedoch nicht geplant, so ein Sprecher des Ordnungsamtes. Für das Wegwerfen einer Zigarette habe es von Januar bis November 2019 insgesamt 19 Anzeigen gegeben. Wer erwischt wird, muss 30 Euro plus Verwaltungsgebühr zahlen. Zusätzlich wolle der Entsorgungsbetrieb im Innenstadtbereich sein Angebot an Aschern an den öffentlichen Abfalleimern ausweiten.
"Recigs": Zum Umdenken animieren
Die Stadt versucht außerdem mit "Recigs" das Stummel-Problem in den Griff zu kriegen. Die kastenförmigen Behälter hängen etwa im Frankfurter Bahnhofsviertel. Auf den Boxen stehen Fragen mit Lokalkolorit wie: "Grie' Soss lieber mit Schnitzel oder mit Ei?" Abgestimmt wird per Kippe. "Wir wollen über die Herzen in die Köpfe kommen, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger", sagt Claudia Gabriel über die kreative Lösung. Meist geschehe das Fehlverhalten aus reiner Gedankenlosigkeit, so die Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt.
Härter greift Frankfurt bei Hundekot durch. Hier liegt nach Angaben des Ordnungsamtes das Bußgeld für Hundekot auf dem Gehweg bei 90 Euro, auf einem Spielplatz sind es 180 Euro. Grob geschätzt fallen laut Umweltdezernat bei einer Menge von rund 18.000 registrierten Hunde pro Jahr etwa 1180 Tonnen Kot an. Hundekottüten gibt meist das Grünflächenamt aus. Pro Jahr werden durchschnittlich zwei bis 2,8 Millionen Stück verbraucht. Die Kosten dafür betrugen im vergangenen Jahr 10.350 Euro. Die Stadt testet nun umweltfreundlichere wasserlösliche Beutel sowie Behältnisse aus recycelbarem Kunststoff oder faltbare Papp-Boxen.
Ludwigshafen hat nun "Aufseher" und "Sheriffs"
Wer in Ludwigshafen gedankenlos seinen Glimmstängel wegwirft, kommt etwas günstiger weg als in Frankfurt oder Wiesbaden. Das Bußgeld liegt hier bei zehn Euro. Das Problem: Die Verursacher müssten auf frischer Tat ertappt werden. Nur dann könnten entsprechende Verfahren eingeleitet werden, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Im Jahr 2019 gab es demnach etwa drei bis fünf Verfahren wegen Zigarettenkippen.
Die Stadt hat nicht nur eine Plakatkampagne ins Leben gerufen, die für mehr Respekt wirbt. Seit dem vergangenen Jahr sind an den Werktagen auch drei "Parkaufseher" und zwei "Müll-Sheriffs" unterwegs. Die "Aufseher" sprechen Leute in den Grünanlagen an, wenn sie die Hinterlassenschaften ihrer Hunde nicht entsorgen. Die "Sheriffs" sind im Stadtgebiet unterwegs und dürfen anders als ihre Kollegen Bußgelder verhängen. Sechs weitere derartige Stellen sind geplant und sollen im Laufe des Jahres besetzt werden. Ein Hundehaufen kostet 25 Euro Strafe.
Wiesbaden: Ordnungsamt undercover
Seit Anfang dieses Jahres patrouillieren in Wiesbaden zusätzlich zu den Routinekontrollen einmal die Woche Mitarbeiter des Ordnungsamtes in zivil. Sie sollen Raucher aufspüren, die ihre Zigarettenkippen unachtsam auf den Gehweg schnippen. "Wir rennen aber niemandem hinterher", erklärt Ralf Wagner von der Stadtpolizei. Die Mitarbeiter seien an Bushaltestellen oder auf dem Markt und vor Parkhäusern unterwegs. "Es gibt noch kein Unrechtsbewusstsein", findet Wagner. Das wolle die Stadt ändern – und so sauberer werden.
Wer beim Zigarette-auf-den-Boden-werfen erwischt wird, muss in der hessischen Landeshauptstadt mit einem – vergleichsweise hohen – Bußgeld von 50 Euro rechnen. Dazu kommt eine Verwaltungsgebühr von rund 28 Euro. Im vergangenen Jahr gab es Wagner zufolge bereits 185 derartige Bußgeldverfahren. Die verstärkten Kontrollen seien nur möglich, weil das Personal auf nun 80 Mitarbeiter angewachsen sei. (gun/dpa)



