Acht Cent Pfand pro Flasche? Für Uwe Feige, Werkleiter des Kommunalservices Jena und Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), ist das viel zu wenig. "Für acht Cent trägt kaum mehr jemand Flaschen zurück in den Kiosk, selbst wenn dieser in der Nähe ist", sagt er. Im ZFK-Interview erklärt er, warum aus seiner Sicht 50 Cent angemessener sind und wie er zu Gegenargumenten von Getränkelieferanten steht.
Herr Feige, Ihnen ist das Mehrwegpfand für Flaschen zu niedrig. Warum eigentlich?
Als ich ein Kind war, hat das Bier 60 Pfennig gekostet. Das Pfand lag bei 15 Pfennig. Vier leere Bierflaschen entsprachen also einer vollen Flasche. Versuchen Sie mal, diese Rechnung mit den heutigen acht Cent zu machen.
Aber auch acht Cent sind besser als nichts.
Ich erzähle Ihnen mal eine Geschichte, wie viel acht Cent vielen Menschen noch wert sind. Ich bin in einem anderen Leben Besitzer eines Bahnhofs. Meine rund tausend Quadratmeter Bahnhofsfläche sind ein wunderschöner Spiegel, wie Menschen mit Pfandflaschen umgehen.

Uwe Feige
Werkleiter Kommunalservice Jena
ist seit Jahrzehnten in der Abfallwirtschaft tätig. Seit Mai 2024 ist er zudem Vorsitzender des VKU-Leitausschusses Abfallwirtschaft und Stadtsauberkeit VKS.
Nämlich?
Für acht Cent trägt kaum mehr jemand Flaschen zurück in den Kiosk, selbst wenn dieser in der Nähe ist. Die Flaschen wandern direkt in die Grünanlage. Einmal warf mir jemand eine Flasche direkt zwischen die Beine. Als er von mir ein angemessenes Feedback erhielt, kam zurück: `Halt doch den Mund, Du kriegst doch eh dein Geld von der Bahn.´ Das zeigt: Es gibt keine Wertschätzung mehr für acht Cent. Das gilt nicht nur für Flaschen-, sondern auch für Dosenpfand. Und: Wir haben es mit einer extremen Gedankenlosigkeit zu tun, was den öffentlichen Raum betrifft.
25 Cent Dosenpfand reichen auch nicht mehr aus?
Bei Einführung des Dosenpfands schon. Damals haben wir kaum Dosen im öffentlichen Raum gesehen. Jetzt sind Energydrink-Büchsen in Parks keine Seltenheit mehr. Das ist auch kein Wunder: Durch die Inflation haben die 25 Cent von damals bei weitem nicht mehr den Wert von heute.
Dabei sind die Rücklaufquoten doch noch immer hoch.
Ja, weil es leider Gottes Menschen gibt, die das Fehlverhalten anderer nutzen müssen, um ein paar Euro nebenbei zu verdienen. Aber ist das im Sinne des Gesamtsystems oder sollten wir hier eine humanere Lösung finden? Bei zerbrochenen Flaschen können sich Menschen übel verletzen. Es ist an der Zeit, eine vernünftige Korrelation zwischen wahrem Wert und Pfandwert herzustellen.
Im schlimmsten Fall müssen wir sagen: Ja, das Pfand ist höher als der Produktionswert.
Dann stellen Sie den mal her. Wie hoch sollte das Pfand sein?
Aus meiner Sicht müssten wir Richtung 50 Cent pro Flasche oder Dose gehen.
Das dürften kleine Brauereien ungern hören. Bei 50 Cent pro Flasche sind neu produzierte Flaschen deutlich billiger als Leergut.
Ich gebe zu, dass das ein Thema ist, das wir berücksichtigen müssen. Das kann aber nicht dazu führen, dass wir deshalb nichts ändern. Im schlimmsten Fall müssen wir sagen: Ja, das Pfand ist höher als der Produktionswert. Warum schließt sich das grundsätzlich aus?
Wie läuft denn der Austausch bei dem Thema mit den Getränkeherstellern?
Wir sehen Bewegung. Wir sind auch teilweise in ersten konstruktiven Gesprächen. Nehmen wir den Hersteller Fritz-Kola, um nur ein Beispiel zu nennen. Das Unternehmen setzt sich seit längerem für ein höheres Flaschenpfand ein. Das begrüßen wir ausdrücklich.



