Im Rems-Murr-Kreis erhalten rund 390.000 Tonnen und 9000 Container einen elektronischen Chip. Die Abfallwirtschaft Rems-Murr (AWRM) verspricht sich davon weniger Aufwand bei der Gebührenerhebung und mehr Kontrolle bei Fehlwürfen.
Rund 390.000 Restmüll-, Bio- und Altpapiertonnen sowie 9000 Container erhalten im Rems-Murr-Kreis (Baden-Württemberg) einen elektronischen Chip. Das teilt die Abfallwirtschaft Rems-Murr mit Sitz in Waiblingen im Rahmen ihrer Kampagne "Abfallwirtschaft digital – Einfach. Praktisch. Gut." mit. Betroffen sind 31 Städte und Gemeinden auf einer Fläche von rund 860 Quadratkilometern.
Ausgenommen ist die Gelbe Tonne, denn sie gehöre dem Vertragspartner der Dualen Systeme, der Remondis Süd, wie AWRM-Vorstandsmitglied Anika Fritz den "Stuttgarter Nachrichten" erklärte. Gechippt werden ausschließlich AWRM-Behälter.
Pilotprojekt startete 2024
Los ging die Aktion im Oktober 2024 im Backnanger Teilort Maubach, der als Pilotgebiet diente. Seither läuft die Ausstattung schrittweise durch den gesamten Landkreis. Bis März 2026 war nach AWRM-Angaben in mehr als der Hälfte der Kommunen die Bechipung abgeschlossen. In Baden-Württemberg setzen bereits 75 Prozent der Stadt- und Landkreise auf ein solches Identsystem zur Verwaltung ihrer Abfallbehälter, wie das kommunale Unternehmen mitteilt.
Nur eine Nummer, keine Bewegungsdaten
Im Chip selbst ist ausschließlich eine 16-stellige Identifikationsnummer gespeichert, die nur im internen System der AWRM einer Adresse zugeordnet werden kann. "Der Chip kann nicht von außen manipuliert, gelöscht oder überschrieben werden", erklärte Wolfgang Weber, Vertriebsmanager beim beauftragten Dienstleister C-Trace, dem Lokalblatt. Sensible Daten oder gar das Gewicht des Inhalts erfasst der Chip nicht.
Kontrolle bei Fehlwürfen
Für die Kommune hat das System noch einen zweiten Nutzen: Bei Fehlwürfen oder wiederholten Verstößen lassen sich Haushalte gezielter identifizieren. "Dann wird ein Foto gemacht, und wir können dank der Chips die Personen in den Haushalten gezielt kontaktieren", zitiert die Zeitung Fritz. Bei Wiederholungstätern sei theoretisch sogar eine Sperrung der Leerung möglich.
Ab 2027 soll die Leerungsgebühr auf Basis der Chipdaten berechnet werden, die Pflicht zur aufklebbaren Gebührenmarke entfällt dann. Die AWRM rechnet mit einer jährlichen Einsparung von etwa 250.000 Gebührenmarken. Bis dahin bleibt die Gebührenmarkenpflicht für Rest- und Biotonnen weiter bestehen, auch bei bereits bechipten Behältern.
Andere Kommunen lesen auch das Gewicht mit
Nicht überall bleibt es bei der reinen Identifikationsnummer. Wie der Südwestrundfunk (SWR) berichtet, erfassen Lesegeräte in Müllfahrzeugen in Rheinland-Pfalz und Teilen Baden-Württembergs zusätzlich, wie oft eine Tonne im Jahr geleert wurde und wie viel Kilogramm sie wog. Die Daten werden laut dem Bericht als Grundlage für eine individuelle Gebührenberechnung genutzt. Im Kreis Alzey-Worms und in Landau (Rheinland-Pfalz) sei dieses Modell bereits etabliert.
Das AWRM-System speichert dagegen ausschließlich die Identifikationsnummer. Ein ähnliches Modell fährt der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) im Landkreis Rastatt (Baden-Württemberg): Dort werden seit den Osterferien 2026 alle Biotonnen gebührenfrei bechipt. Verweigerer bekommen zukünftig die Tonne nicht mehr geleert. Bei der AWB wird ebenfalls nur die Identifikationsnummer gespeichert.

