Überfüllte Mülleimer dürften mit smarten Abfallbehältern der Vergangenheit angehören. Grundlage für das sogenannte Internet of Things (IoT) ist ein funktionierendes Kommunikationsnetz und Sensoren.

Überfüllte Mülleimer dürften mit smarten Abfallbehältern der Vergangenheit angehören. Grundlage für das sogenannte Internet of Things (IoT) ist ein funktionierendes Kommunikationsnetz und Sensoren.

Bild: © ghazii /AdobeStock

Mit dem Beginn der Garten- und Grillsaison nimmt auch das Gesellschaftsphänomen „Littering“ wieder zu. Die Langzeitstudie „Wahrnehmung von Sauberkeit und Ursachen von Littering“ der Humboldt-Universität Berlin zeigt: Take-Away-Verpackungen haben einen immer größeren Anteil an der Vermüllung deutscher Städte. Kommunen und Entsorger packen das Problem bei der Wurzel und setzen auf Nudging statt mit Bußgeldern und dem erhobenen Zeigefinger zu mahnen.

Laut der Humboldt-Studie werden Städte wie Berlin, Köln oder Frankfurt im Vergleich zum Jahr 2005 insgesamt als sauberer wahrgenommen, gleichzeitig ist der Anteil von Verpackungen am „Littering“ jedoch gestiegen. In einer ersten Erhebung 2008  machten Verpackungen rund sechs Prozent der Littering-Objekte aus, im Jahr 2016 lag die Rate hingegen bereits bei 20 Prozent. Damit sich diese Entwicklung stoppen lässt, braucht es ganzheitliche Ansätze, die sowohl die Industrie als Hersteller der Verpackungen, als auch die Abfallwirtschaft und letztlich die Verbraucher ansprechen. Zu diesem Schluss kamen Rebekka Gerlach (Studienautorin), Tanja Wielgoß (Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigung) und Katherina Reiche (Hauptgeschäftsführerin des VKU) bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Belehrungen und Sanktionen stoßen auf Ablehnung

Restriktive Maßnahmen alleine schaffen keine sauberen Städte. Müllsünder müssten auf frischer Tat ertappt werden, was einen enormen Kontroll- und damit Personalaufwand bedeuten würde. Eine praxistaugliche Umsetzung ohne deutliche Mehrkosten für den Endverbraucher sieht in Augen von Reiche und Wielgoß anders aus und die Wissenschaft gibt ihnen Recht. Auch Gerlach schätzt die Erfolgschancen von Strafen und Bußgeldern gering ein. Studien hätten belegt, dass unerwünschtes Verhalten konsequent und vor allem zeitnah sanktioniert werden müsste, um einen dauerhaften Effekt zu erzielen.

Hinter „Littering“ stecken sowohl situationsbezogene Ursachen, wie zu wenig Mülleimer als auch personenbezogenen Hintergründe, wie mangelndes Umweltbewusstsein, Faulheit oder Unachtsamkeit. Laut der Berliner Studie haben daher Maßnahmen, die auf diese Hintergründe abzielen die höchsten Erfolgschancen. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) hat infolgedessen 23 000 knallorange Müllkörbe in der Hauptstadt aufgestellt und auch das Volumen mancher Abfallbehälter erhöht. Kurze Slogans für den jeweiligen Kiez sorgen darüber hinaus für die nötige Motivation, damit der Müll nun tatsächlich im Eimer landet.

Mit cleverem Marketing in Richtung Sauberkeit

Vom mahnenden Zeigefinger oder Belehrungen keine Spur, stattdessen geht es mit kleinene „Schubsern“, auch „Nudge“ genannt, in Richtung Sauberkeit. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen von zehn bis 17 Jahren stoßen offensichtliche Erziehungsmaßnahmen auf große Ablehnung, so die Studie. Mit motivierenden und sensibilisierenden Maßnahmen hingegen, fällt der Gang zum Mülleimer gar nicht so schwer. Weniger Verpackungsmüll, durch eine geschickt verpackte Botschaft.

Ganz ohne einen regulativen Rahmen geht es jedoch nicht, da sind sich die Expertinnen einig. „Littering“ ist kein Kavaliersdelikt: Wielgoß sieht hier den Staat und die Ordnungsämter in der Pflicht. Der Vollzug von Sanktionen obliegt den staatlichen Institutionen, die mit den nötigen Befugnisse hierfür ausgestattet sind. Von einer Zersplitterung der Aufgaben hält die Chefin der Berliner Stadtreinigung aus diesem Grund wenig. VKU-Hauptgeschäftsführerin Reiche ergänzt: Auch die Hersteller und Inverkehrbringer von Verpackungen müssen stärker in die Verantwortung genommen werden. So setze sich der VKU bereits für ein Öko-Design von Verpackungen für eine „echte“ Kreislaufwirtschaft ein. (ls)













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