Ende März stellt die Recycling-Kontor-Gruppe den Betrieb ihres Dualen Systems Recycling Kontor Dual (RKD) ein. Stattdessen will sich die Gruppe künftig stärker auf Digitalisierung und Beratung fokussieren. Ab dem ersten April übernehmen die acht verbleibenden Systembetreiber, darunter Der Grüne Punkt und Bellandvision, den Marktanteil und die Entsorgungskosten für die durch RKD lizenzierten Verpackungsabfälle.
Hintergrund der Auflösung sind die Verwerfungen im Lizenzierungsmarkt: "Die letzte Vertriebssaison und die erste Quartalsmeldung des neuen Jahres haben gezeigt, dass sich der Wettbewerb zwischen den Betreibern der dualen Systeme zunehmend zu einem hoch spekulativen Preiskampf entwickelt", erklärt Geschäftsführer des RDK, Florian Dühr. Der Markt werde künftig von Entsorgungskonzernen und den großen Lebensmitteleinzelhändlern dominiert, hinzu käme die Erhöhung der Sicherheitsleistungen, was wenig Spielraum für mittelständische Anbieter lasse, heißt es weiter.
Geregelter Ausstieg ohne offene Rechnungen
Erst jüngst ist die Schwarz-Gruppe, die hinter den Discounterketten Lidl und Kaufland steht, in den Lizenzierungsmarkt eingestiegen. Kurz vorher hatte Remondis, Deutschlands größtes Entsorgungsunternehmen, den Grünen Punkt aufgekauft. Neben der neuen Konkurrenz macht das neue Verpackungsgesetz mit seinen verschärften Regelungen zu den Sicherheitsleistungen den Dualen das Geschäft schwerer. Der Systembetreiber bürgt gegenüber den Ländern, falls sie die Entsorgung der Verpackungen in den ihnen zugeteilten Gebieten nicht mehr stemmen können.
Die Ausstieg von RDK aus dem Markt der Dualen Systeme soll geregelt ablaufen; offene Rechnungen über Neben- und Mitbenutzungsentgelte gegenüber den Kommunen oder unerfüllte Forderungen der Entsorgungswirtschaft soll es nicht geben. Seit der Pleite der ELS sind vor allem die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger ein gebranntes Kind, was den Ausstieg eines Systembetreibers angeht. Auch den Händlern, die ihre Verpackungen über RKD lizenziert haben, wird ein Anschlussvertrag mit einem anderen Systembetreiber angeboten.
Duale Systeme hinken bei Abstimmungsvereinbarung hinterher
Aus Sicht von Patrick Hasenkamp, VKU-Vizepräsident, bringt das Aus von RKD Unruhe in das gesamte System. "Solche plötzlichen Veränderungen führen immer wieder zu Unregelmäßigkeiten bei der Abholung von Verpackungsabfällen. Die Bürger erwarten jedoch zu Recht, dass das System so zuverlässig funktioniert wie das der kommunalen Abfallwirtschaft." Zudem würden die Dualen hinter dem Zeitplan für die Umsetzung des Verpackungsgesetzes hängen. Zahlreiche Fragen für die Abstimmungsvereinbarung mit den Kommunen wie z.B. Sack oder Tonne sind noch nicht geklärt. (ls)


