Wer holt künftig die Gelbe Tonne ab? Die Branche befürchtet eine Marktzentrierung auf Remondis und die Schwarz-Gruppe.

Wer holt künftig die Gelbe Tonne ab? Die Branche befürchtet eine Marktzentrierung auf Remondis und die Schwarz-Gruppe.

Bild: © Christian Maurer/Adobe Stock

Die geplante Übernahme des Dualen Systems Deutschland, besser bekannt als der Grüne Punkt, durch den Entsorgungskonzern Remondis sorgte bereits nach Bekanntwerden der Pläne im September 2018 für einen Aufschrei in der Entsorgungswirtschaft. Eine Studie im Auftrag des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) liefert nun neuen Zündstoff. Noch steht die kartellrechtliche Genehmigung des Deals aus, Unternehmen haben also noch eine Chance die "Hochzeit der Giganten" zu verhindern, wenn auch eine geringe.

Die Kurzstudie zur Konsolidierung des privaten Entsorgungsmarktes in Deutschland vom internationalen Beratungsinstitut Berlin Global Advisor hat deutschlandweit Interessensvertreter aus Kommunen, Verbänden, privaten und kommunalen Entsorgungsunternehmen, dualen Systemen und NGOs zu den Auswirkungen der Übernahme für den Markt befragt. Wenig überraschend lehnt ein Großteil der Befragten den Deal ab und ist prinzipiell bereit, sich am kartellrechtlichen Verfahren zu beteiligen.

Regionale Ausgrenzung von Mitbewerbern

Die Studienautoren gehen davon aus, dass das Bundeskartellamt aus eigenem Antrieb umfassende Marktbefragungen durchführen wird. Dazu können relevante Dokumente und Geschäftsdaten von Unternehmen angefordert werden. Marktbeobachter sehen zudem die Möglichkeit, sich als dritte Partei im Verfahren beiladen zu lassen und somit Stellungnahme abgeben oder die amtliche Entscheidung im Nachgang sogar gerichtlich anfechten zu können.

Ein Großteil der befragten Stakeholder rechnet jedoch mit einer eindringlichen Prüfung des Zusammenschlusses durch die Bundesbehörde und erwartet eine Freigabe nur unter Auflagen. Geht der Deal durch, hält ein bisher nicht tätiger Entsorger auf dem Lizenzierungsmarkt 30 Prozent der Anteile auf einen Schlag. Mit seiner Finanzstärke könnte Remondis die Marktposition von DSD sogar noch weiter ausbauen. Vor allem für die Mitbewerber könnte das zu einer regionalen Ausgrenzung führen. Weitere Zusammenschlüsse von Entsorgern und Dualen Systemen könnten die Folge sein, was für Mittelständler eine vollständige Verdrängung bedeuten könnte.

Schwarz-Gruppe will Umsatz von Prezero verdoppeln

Auch der Einstieg des Lidl-Mutterkonzerns Schwarz-Gruppe sorgt bei den Befragten für Bauschmerzen. Erst am Dienstag kündigte das Unternehmen an, den Umsatz seiner 2018 gegründeten Entsorgungstochter Prezero in den kommenden fünf Jahren auf 750 Mio. Euro verdoppeln zu wollen. Laut der Befragung von Berlin Global Advisor sehen die meisten mittelständischen Betriebe den neuen Player als Existenzbedrohung. (ls/dpa)

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper