Die Fahrer dürfen nicht mehr mit dem Flugzeug zur nächsten Etappe fliegen, die Fans haben nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß Zugang zu den Bergpässen.

Die Fahrer dürfen nicht mehr mit dem Flugzeug zur nächsten Etappe fliegen, die Fans haben nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß Zugang zu den Bergpässen.

Bild: © Thibault Camus/AP/dpa

Die Corona-Pandemie kann tatsächlich auch positive Seiten haben. Wie etwa bei der Tour de France. Mehrere Millionen Fans bleiben in diesem Jahr der Strecke fern, stattdessen freut sich das französische Fernsehen über steigende Einschaltquoten – mit dem positiven Nebeneffekt, dass deutlich kleinere Müllberge in den Tour-Städten zurückbleiben. Auch der begleitende Tross umfasst in diesem Jahr nur 3000 statt 5000 Personen.

Schon lange pochen Umweltschützer auf mehr Engagement. Rufe, die – unabhängig von Corona – auch Tourchef Christian Prudhomme vernommen hat. «Die Tour hat sich seit Jahren schon dem Umweltansatz verpflichtet. Es werden weniger Kunststoffprodukte verteilt und die Tour-Organisation fährt ausschließlich Hybridautos», betont Prudhomme.

Warenproben fürs Publikum

Ob das reicht? Das Département Haute-Savoie hat in der Vergangenheit einmal 43 Kubikmeter Müll auf 150 Kilometern entlang der Strecke eingesammelt. Der größte Müllproduzent war dabei die Werbekarawane, die täglich als Vorauskommando der Tour die Strecke entlang fährt.

2019 wurden 15 Millionen Gegenstände ins Publikum geworfen. Viel nutzloses Zeug wie Kappen, Armbänder, Schlüsselanhänger bis hin zu Waschmittelproben. Ob das noch alles zeitgemäß ist, wird beim Veranstalter nicht diskutiert. Schließlich gehört die «Caravane publicitaire» bereits seit 1930 zum Inventar. In diesem Jahr sind aber nur noch 100 der sonst 160 Fahrzeuge – oftmals aus Kostengründen im Zuge der Corona-Einbußen – vertreten.

Rabattgutscheine auf Wurstverpackungen

Verpflichtend ist inzwischen, dass nur noch Lebensmittel in Plastik verpackt sein dürfen. Und auch sonst haben sich die Firmen inzwischen etwas einfallen lassen. Ein Wursthersteller hat etwa seine recycelbare Verpackung mit einem Rabattgutschein von einem Euro versehen, die der Radsport-Fan im Supermarkt einlösen kann. Der Druck zu Nachhaltigkeit steigt.

Das hat auch die Tour feststellen müssen. Als der Tour-Start für das kommende Jahr kurzfristig von Kopenhagen in die Bretagne verlegt wurde, verzichtete Rennes auf die Gastgeberrolle. 700.000 Euro für eine verschmutzte Stadt seien nicht rentabel, hieß es aus dem Rathaus, in dem die Grünen stark vertreten sind. Das empfand der fünfmalige Toursieger Bernard Hinault als «lächerlich». Am Ende erhielt Brest den Zuschlag für den Grand Départ.

Fahrer müssen auf Umweltschutz achten

Der Tour-Veranstalter hat in diesem Jahr sogar neun Umweltbeauftragte mit dabei. Auch die Fahrer müssen sich längst dem Umweltkonzept beugen. Entledigen sie sich während des Rennens außerhalb der 126 vorgesehenen Stellen ihres Mülls, werden mal schnell 200 Francs Strafe fällig.

Für die Teams gibt es coronabedingt weitere Einschränkungen. Damit sie ihre sogenannte Blase nicht verlassen, gibt es in diesem Jahr keinen Transfer mit dem Flugzeug oder dem Schnellzug. Und auch für die Fans ist der Zugang zu den meisten Bergpässen nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erlaubt. So gesund war die Tour schon lange nicht mehr. (hp/dpa)

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