Kommt mit anderthalb Jahren Verzögerung: das neue MHKW in Wiesbaden

Kommt mit anderthalb Jahren Verzögerung: das neue MHKW in Wiesbaden

Bild: @ Knettenbrech & Gurdulic

In Wiesbaden werden sich Fertigstellung und Inbetriebnahme des neuen Müllheizkraftwerks am Rand der Deponie am Dyckerhoffbruch deutlich verzögern. „Anfang 2023 könnte es losgehen“, gibt Roland Mohr, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft MHKW Wiesbaden (MHKW) zu verstehen. Für das Projekt, das mit Baunebenkosten rund 150 Mio. Euro kosten soll, ist das eine Verspätung von rund anderthalb Jahren gegenüber dem vertraglich zugesagten Start von Müllentsorgung bei gleichzeitiger Energieproduktion.  

Glück für die MHKW: Die Stadt Wiesbaden hat trotz dieses großen Zeitverzugs offenbar momentan kein Interesse daran, Schadensersatz zu fordern. Doch ganz aus dem Schneider ist die MHKW noch nicht. Über mögliche Regressforderungen möchte die Stadt reden, wenn das Datum des Anfahrens verbindlich feststeht. Es müsse dann geprüft werden, ob die MHKW ein Verschulden treffe und wie groß dies sei. In diese Richtung äußerte sich zumindest nach Angaben des "Wiesbadener Kurier" der Liegenschaftsreferent im Rathaus, Alexander Reinfeld.  

Baugenehmigung startet im Frühjahr

Bei der Betreibergesellschaft halten sich deswegen auch die Sorgenfalten in Grenzen. Im Januar habe das Regierungspräsidium die Unterlagen für ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz bekommen. „Wir sind der Meinung, dass sie durch Ergänzungen vollständig vorliegen“, sagte dazu MHKW-Geschäftsführer Mohr dem "Wiesbadener Kurier". Das Verfahren der Baugenehmigung kann demnach in den nächsten zwei Monaten starten, eingeschlossen die Offenlegung sowie die Beteiligung der Öffentlichkeit.

Mehrheitsgesellschafter der MHKW GmbH ist das Wiesbadener Entsorgungsunternehmen Knettenbrech & Gurdulic, das 51 Prozent hält. Die kommunale Wiesbadener ESWE sowie die Darmstädter Entega sind mit je 24,5 Prozent beteiligt. Grund für die Verspätungen seien, so der Wiesbadener Kurier, einige Umplanungen. Mehrheitsgesellschafter Knettenbrech & Gurdulic hatte niedrigere Emissionswerte akzeptiert, als sie gesetzlich vorgegeben sind. Das Freiburger Öko-Institut hatte dazu geraten. Trotz zu erwartender höherer Betriebskosten ist die Stadt Wiesbaden dem gefolgt.

Darmstadt und Frankfurt helfen aus

Von den 70.000 Tonnen Restmüll, die jährlich in Wiesbaden anfallen, bringen Knettenbrech & Gurdulic momentan rund 70 Prozent ins 40 Kilometer entfernte Darmstadt zur Müllverbrennung. Die übrigen 20.000 Tonnen werden von den städtischen Entsorgungsbetrieben (ELW) vorläufig nach Frankfurt zur Verbrennung verbracht.

Diese Regelung hält aber, so der Wiesbadener Kurier, nur noch drei Jahre. Doch Frank Fischer von den städtischen Entsorgungsbetrieben Wiesbaden gibt sich optimistisch: Ab 2024 werde alles im neuen Wiesbadener Müllheizkraftwerk landen. (sig)

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