80 Partnerunternehmen und -institutionen präsentierten sich auf dem „Tag des dualen Studiums“ der HRW Berlin.

80 Partnerunternehmen und -institutionen präsentierten sich auf dem „Tag des dualen Studiums“ der HRW Berlin.

Bild: © Lukas Schramm/HRW

Mehr als 2,9 Mio. Studierende sind aktuell an Universitäten, Hoch- und Fachhochschulen eingeschrieben. Davon hat sich nur ein Anteil von ca. 122.000 für einen dualen Studiengang entschieden. Allerdings steigt die Zahl der Studierenden, die ein Studium mit einer Berufsausbildung oder längeren Praxisphasen in einem Unternehmen verbinden, stark an. Sie hat sich einer Studie des CHE Centrums für Hochschulentwicklung und des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) zufolge zwischen 2004 und 2019 um das Vierfache erhöht.

Thomas Klöckner, Pressesprecher aus dem Stabsbereich Strategie der Berliner Stadtreinigung (BSR), verdeutlicht die Situation anhand von Zahlen aus seinem Unternehmen: In der Zeit von 2010 bis 2019 „haben wir 97 Dualstudierende ausgebildet. Davon haben 71 ihr Studium erfolgreich abgeschlossen und im Anschluss eine Anstellung erhalten. 36 (51 Prozent) davon sind heute noch im Unternehmen beschäftigt.“

Anreize für ein duales Studium

Studentin Sharina Leidig aus dem Fachbereich BWL Schwerpunkt Industrie stellt fest: „Ich möchte nach meinem Studium auf jeden Fall bei unserer Arbeitgeberin bleiben, weil es für mich ein zukunftssicheres und familienfreundliches Unternehmen ist“, so Leidig. Sie könne sich in ihrer Ausbildungszeit verschiedene Bereiche anschauen, dadurch die Bandbreite der Möglichkeiten kennenlernen und letztendlich entscheiden, wo sie nach ihrem Abschluss arbeiten möchte.

Besonders attraktiv ist das duale Studium dadurch, dass die Studierenden vom ersten Tag des Studiums an finanziell durch das Unternehmen unterstützt werden. Die Studiengebühren werden übernommen und überdies erhalten sie monatlich ein festes Gehalt. Darüber hinaus können sie in den meisten Fällen nach dem Studienabschluss mit einer Übernahme rechnen. Das studienbegleitende Training on the Job ist ihre Eintrittskarte dafür und stellt eine Absicherung für beide Seiten dar.

Erfolgreiche Kooperationen

Am Tag des dualen Studiums am 23. März warben 80 Unternehmen und Behörden auf dem Campus der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin Lichtenberg um die Gunst von Studieninteressierten. An den Ständen ihrer Partnerunternehmen informierten Studierende verschiedener Fachrichtungen sowie Unternehmensvertreter:innen die Besucher:innen über die angebotenen Studiengänge und über Erfahrungen in den jeweiligen Unternehmen.

Dualstudierende der Gasag und deren Tochtergesellschaft NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg hoben speziell den mehrgleisigen Austausch hervor: Man könne sich nicht nur mit den Kommilitonen über Studieninhalte verständigen, sondern auch mit den Kolleg:innen fachrelevante Fragen erörtern. Die Erkenntnisse würden dann in ihre Facharbeiten einfließen, was wiederum der Hochschule zugutekomme.

Von Anfang an "auf Augenhöhe"

Besonders das entgegengebrachte Vertrauen seitens der betrieblichen Mitarbeiter:innen wurde als motivierend und bestärkend empfunden. Man fühle sich ernst genommen und könne auf Augenhöhe miteinander sprechen.

Der Diplom-Ingenieur Vait-Steffen Mikulla, Head of Operations 1 & 2 von Siemens-Energy, bestätigte die Aussagen und sagte, es sei wichtig, die Studierenden von vornherein in Entscheidungen mit einzubeziehen: „Wer Verantwortung übernimmt, identifiziert sich auch mit dem Unternehmen, und wer gelernt hat, im Sinne des Unternehmens zu denken, bleibt.“

Teilnahme am Unternehmensalltag

Dabei können die Studierenden auf unterschiedliche Weise in den Unternehmensalltag einbezogen werden:

  • Praktische Arbeit: Man kann Erfahrungen in verschiedenen Bereichen sammeln. Studierende können ihre Kenntnisse anwenden und gleichzeitig die Unternehmen aktiv bei der Umsetzung ihrer Projekte unterstützen.
  • Austauschprogramme: Die Unternehmen arbeiten überregional mit Forschungseinrichtungen zusammen, sodass Studierende Strategien anderer Städte und Länder kennenlernen und ihre Erkenntnisse mit ihrem Betrieb teilen.
  • Hackathons: Die Unternehmen organisieren Veranstaltungen, bei denen Studierende Ideen für innovative Lösungen entwickeln.
  • Forschungsprojekte: Studierende werden in aktuelle Projekte mit eingebunden und können im Rahmen ihres Studiums die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Arbeit des Unternehmens mit einbringen.
  • Bachelor- und Masterarbeiten: Mit ihren unternehmensgebundenen Facharbeiten entlasten Studierende die Forschungsabteilungen der Unternehmen und bringen sie auf den aktuellen Stand.

Aktuelle Situation an Hochschulen

Andreas Zaby, Professor an der HWR, freut sich in diesem Jahr über das 30-jährige Bestehen dualer Studienangebote. Er sieht darin eine Bereicherung für drei Bereiche: Studierende, Betriebe und Hochschulen profitieren gleichermaßen von der befruchtenden Zusammenarbeit. Seiner Meinung nach sei bei derzeit fünf Prozent Dualstudierender noch Luft nach oben. „Ich denke, dass wir das Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben“, so Zaby.

Doch warum ist das so? Im Moment fehle es noch an institutionellen Voraussetzungen, da die Professior:innen sowohl die entsprechenden wissenschaftlichen als auch berufspraktischen Qualifikationen mitbringen müssten. Mehrjährige Erfahrungen in beiden Bereichen seien derzeit bei den Bewerber:innen für Hochschulen noch schwer zu finden.

Herausforderungen eines dualen Studiums

Im Gegensatz zu einer Ausbildung oder einem grundständigen Studium ist ein duales Studium für die Studierenden mit erhöhten Anstrengungen verbunden. Das Studium ist intensiv, da durch die Praxisphasen die Theorieeinheiten recht komprimiert unterrichtet werden müssen. Zudem sind die vorlesungsfreien Zeiten aufgrund der Einbindung in die Betriebe stark reduziert. Der Urlaubsumfang ist mit dem eines normalen Werktätigen vergleichbar. (Ariane Friedländer/hp)

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