Andrea Loth (li.) leitet das 36-köpfige Changeteam, hier mit Karin Pfäffle, Sprecherin der Hamburger Energienetze.

Andrea Loth (li.) leitet das 36-köpfige Changeteam, hier mit Karin Pfäffle, Sprecherin der Hamburger Energienetze.

Bild: © Hamburger Energienetze

Von Christina Hövener-Hetz

Über die Fusion ist in den vergangenen Monaten viel in den Medien berichtet worden. Ziele des Zusammenschlusses beider bislang unabhängiger Unternehmen sind der Aus- und Umbau der Infrastruktur für Strom und Gas sowie der Aufbau des Hamburger Wasserstoff-Industrie-Netzes. Dabei entsteht im Hafen ein 60 Kilometer langes Wasserstoffleitungsnetz, das vor allem Industriekunden mit grüner Energie versorgen soll.

Über die Strom- und Gasleitungen der Hamburger Energienetze werden nach Unternehmensangaben rund 1,4 Millionen Haushalte sowie kleine und große Unternehmen versorgt. Das Gasleitungsnetz hat eine Länge von 7800 Kilometern, das Stromverteilnetz umfasst rund 30.300 Kilometer. Die ambitionierten Ziele der Fusion werden für die Beschäftigten beider Unternehmen Veränderungen mit sich bringen.

Um bereits im Vorfeld Unsicherheiten und Ängste zu nehmen, hat das interne, 36 Köpfe starke Changeteam, welches die Fusion begleitet, zusammen mit einem externen Beratungsinstitut die Mitarbeitenden im übertragenen Sinn zu einer Entdeckungsreise eingeladen. Ohne Zwang und bunt gemischt aus allen Bereichen und Standorten nahmen 45 Prozent die Einladung zu einem Reise-Parcours an.

Persönlichen Bezug herstellen

Hinter diesem Format steht das Ziel, die Beschäftigten zweier zusammenwachsender Betriebe mit der Fusion und auch miteinander in Kontakt zu bringen, positiv auf die bevorstehenden Veränderungen einzustimmen und sie zum Mitmachen zu motivieren. Hintergründe, Chancen und Ziele der Fusion zu erklären, zu verstehen und den persönlichen Bezug dazu herzustellen, stand im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe, die bereits vor der eigentlichen gesellschaftsrechtlichen Fusion stattfand.

"Für uns als Geschäftsführungsteam war klar: Das Zusammenwachsen der beiden Firmen und der jeweiligen Unternehmenskulturen gelingt am besten, wenn wir Begegnungsräume für unsere Beschäftigten schaffen und so die Möglichkeit bieten, Fragen zu stellen, Sorgen zu benennen und sich kennenzulernen. Hier hat unser Changeteam wirklich gute Arbeit geleistet!", sagt Karin Pfäffle, Sprecherin der Hamburger Energienetze und zuständig für den Personal- und IT-Bereich.

Für viele war die Fusion in ihrem Arbeitsalltag etwas völlig Abstraktes, "weil es für sie bislang kaum Berührungspunkte gab, und gleichzeitig oder gerade deshalb war da eine Unsicherheit, da die mit der Fusion verbundenen persönlichen Veränderungen in ihrem Ausmaß noch nicht zu greifen waren", so Andrea Loth, Leiterin des Projektteams "Change". 

Gemeinsame Erlebnisse bauen Hürden ab

"Die Fusions-Reise hatte aus meiner Sicht auch zwei sehr gute Effekte auf der Metaebene – zum einen haben wir für die Kolleginnen und Kollegen ein positives Erlebnis in Verbindung mit unserer Fusion geschaffen, zum anderen bauen gute gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen Hürden und Berührungsängste zwischen Menschen ab", so Loth.

Die Fusions-Reise war auch eine erste Möglichkeit, die Mitarbeitenden aus beiden Unternehmen menschlich näher zusammenzubringen. An fünf Stationen standen unterschiedliche Schwerpunktthemen im Mittelpunkt: Wie sieht die Change Story überhaupt aus, wo gibt es für mich Berührungspunkte im Zusammenhang mit der Fusion, was ist da für mich persönlich drin? waren zu klärende Fragen.

Ein anderes Thema war "bewusstes Zuhören": "Häufig kommt beim Zuhörer eine ganz andere Botschaft an, als gemeint war und vermittelt werden sollte. Daher war es uns wichtig, dass auch der oder die Zuhörende Resonanz gibt, was er oder sie aus den erhaltenen Informationen mitgenommen und über das Sachliche hinaus verstanden hat."

Der Prozess geht weiter

Die Stationen der Erkundungstour hatten alle das Ziel, die Mitarbeitenden in den gemeinsamen Gestaltungsprozess einzubinden und zum Mitmachen zu motivieren.  Die Anregungen der Mitarbeiterinnen sollten in den Kultur- und Changeprozess des Unternehmens einfließen.

Zu den Wünschen, die immer wieder geäußert wurden, gehörte, dass die Mitarbeitenden gerne konkreter wissen wollten, was die Kollegen aus dem ehemals anderen Unternehmen tun. Außerdem wollten sie durch dialogische Kommunikationsformate aktiv eingebunden werden, damit auch das neue Unternehmen "mein Unternehmen" werden kann.

Der Reise-Parcours war der Auftakt einer ganzen Reihe von Workshops und Begegnungen zur Fusion beider Unternehmen. "Wir bleiben dran und unterstützen das Zusammenwachsen der beiden Betriebe, indem wir zum Beispiel Angebote für Führungskräfte machen, Bereiche beim einander Kennenlernen begleiten oder Plattformen für Austausch und Dialog bieten, wie zum Beispiel durch unseren Fusions-Bus oder Formate wie Kultur-Schnack", so Loth.

Der Beitrag ist in der April-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.

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