Es gibt mehr Geld: Stadtwerkechefs verdienten im Geschäftsjahr 2024 etwas mehr als im Vorjahr. Die Branche "Energie, Wasserversorgung und Stadtwerke" zahlte im Schnitt ein Gehalt von 273.000 Euro an sein Top-Management, heißt es in der neuen Public Pay Studie. Dies ist ein Anstieg von 2,4 Prozent der Gesamtdirektvergütung (mit Boni und anderen Leistungen), der allerdings kaum höher als die Inflation ist. Die Inflationsrate in Deutschland betrug im Jahr 2024 durchschnittlich 2,2 Prozent.
Die Public Pay Studie von der Zeppelin Universität Friedrichshafen und der Personalberatung LAB analysiert Top-Managementvergütung öffentlicher Unternehmen und erfasst auch gesondert Zahlen zu Stadtwerken. Die Untersuchung umfasst rund 10.000 Top-Managementmitglieder.

Das persönliche Risiko wird bei den Gehaltsvorstellungen immer öfter eingepreist.
Heike Schoon-Pernkopf
Geschäftsführerin LAB
"Trotz klammer Haushaltskassen ist mehrheitlich die Vergütung für Organpositionen in öffentlichen Unternehmen weiterhin gestiegen", sagt Heike Schoon-Pernkopf, Geschäftsführerin von LAB. "Nach unserer Einschätzung wird dies auch zukünftig der Fall sein." Der Job an der Spitze öffentlicher Unternehmen werde durch multiple Krisen und stärkere unternehmerische Risiken wie etwa bei der Beschaffung im Energiebereich immer herausfordernder. "Das damit verbundene persönliche Risiko wird bei den Gehaltsvorstellungen auch immer öfter 'eingepreist'", schlussfolgert sie.
Stadtwerke bezahlen Top-Manager gut – Sparkassen noch besser
Die Gesamtdirektvergütung pro Kopf liegt laut Studie im gesamten öffentlichen Sektor im Schnitt bei 186.000 Euro. Allerdings gibt es substanzielle Unterschiede zwischen Branchen und Unternehmensgrößenklassen. In "Stadtwerke, Energie- & Wasserversorgung" (273.000 Euro) und "ÖPNV/Verkehr & Transport" (202.000 Euro) fällt die Vergütung deutlich höher aus als etwa in "Gesundheits- & Sozialwesen" (115.000 Euro). Unternehmensgrößen erklärten einen Teil dieser Differenzen; Unterschiede bestünden jedoch auch zwischen gleich großen Unternehmen verschiedener Branchen. Sparkassen wiesen mit 439.000 Euro weiterhin den höchsten Median auf.
Neben der Branche spielt auch die Unternehmensgröße eine relevante Rolle. Die Public Pay Studie gibt für "Stadtwerke, Energie- & Wasserversorgung" hierzu eine "erste Orientierung", mahnt aber auch, dass sich aufgrund der begrenzten Datenmenge und Transparenz der kommunalen Unternehmen hier kein ganzheitliches Bild zeichnen lässt.
Stadtwerke-Chefs bekommen häufiger Boni
Bei variabler Vergütung ist der Anteil im Vergleich zum Festgehalt in der Branche "Energie, Wasserversorgung und Stadtwerke" (18,4 Prozent) deutlich höher als etwa bei Sparkassen (10,2 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr stieg der Anteil in beiden Branchen um rund einen Prozentpunkt.
"Variable Vergütungsbestandteile bei Organpositionen in Stadtwerken sind heute stärker verbreitet als noch vor einigen Jahren", kommentiert Heike Schoon-Pernkopf. "Mit den steigenden Anforderungen an Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Steuerung wächst auch die Bedeutung von Vergütungsmodellen, die unternehmerisches Handeln und die Erreichung strategischer Ziele gezielt honorieren." Im Schnitt sind es 50.000 Euro, die Manager und Managerinnen als variable Vergütung bei Stadtwerken erhalten.
Gender Pay Gap bleibt hoch, aber Frauen legen zu
Im Vergleich zwischen Frauen und Männern beträgt laut der Studie die personenbezogene Vergütung bei Frauen 155.000 Euro und bei Männern 193.000 Euro. Dies ist ein unbereinigter Gender Pay Gap von 19,7 Prozent, was bedeutet, dass nicht ausschließlich Frauen und Männer mit ähnlichen Karrieren in derselben Branche verglichen werden, sondern alle Mangerinnen mit allen Managern.
In der begrenzten Stichprobe der Studie verdienten die Top-Managerinnen bei Stadtwerken, Energieversorgern, Abfall- und Mobilitätsunternehmen häufig mehr als Manager. Das kann darauf hinweisen, dass der Pay Gap zu einem Teil mit der Branche erklärt werden kann. Bei Stadtwerken sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert.

Die Vergütung von Frauen im Top-Management ist vergleichsweise höher angestiegen.
Elke Vorholt
Geschäftsführerin LAB
Bei weiblichen Top-Managementmitgliedern zeigt die Gesamtdirektvergütung pro Kopf im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 2,1 Prozent, während sie bei männlichen konstant ist. "Frauen sind nach unserer Erfahrung bereits seit mehreren Jahren für Organpositionen in öffentlichen Unternehmen sehr gefragt", berichtet Elke Vorholt, Geschäftsführerin LAB. "Dazu passt, dass im letzten Studienjahr gerade die Vergütung von Frauen im Top-Management vergleichsweise höher angestiegen ist als die ihrer männlichen Kollegen." Das Gender Pay Gap werde kleiner, diese positive Tendenz gelte es zu stärken. "Mehr Transparenz kann hier helfen", sagt sie.
Kriterien für faktenorientierte Bezahlung
Die Befunde unterstrichen die Notwendigkeit klarer Ausgestaltungskriterien als Grundlage für faktenorientierte Vergütungsentscheidungen, erklärt Ulf Papenfuß, Studienautor und Professor für Public Management und Public Policy an der Zeppelin-Universität. Die hierfür besonders relevanten Kodizes guter Unternehmensführung – sogenannte Public Corporate Governance Kodizes (PCGKs) – seien weiterhin noch zu selten eingeführt. Zudem wiesen bereits vorliegende PCGKs substanzielle Regelungsdefizite auf, insbesondere zu Vergleichsgruppen und nachhaltigen Vergütungsstrukturen.
Die personenbezogene Vergütungsoffenlegung bleibe trotz anhaltender Diskussionen auf kommunaler Ebene bei nur jedem fünften Unternehmen unverändert klar hinter den Transparenzanforderungen zurück; auf Bundes-/Landesebene liegt sie bei rund der Hälfte. Vergütungstransparenz sei bedeutend für Rechenschaft, Legitimität und Vertrauen und böte große Potenziale für Organisationskultur und positive Übertragungseffekte.

Übergreifend braucht es Fair Pay und keine Neiddebatten.
Ulf Papenfuß
Professor für Public Management und Public Policy an der Zeppelin-Universität
"Über Transparenzgesetze und Public Corporate Governance Kodizes sollten überall vollständige Vergütungstransparenz einschließlich Altersversorgung und eine Vergleichsgruppe für die Vergütungshöhe realisiert werden", so der Forscher. "Übergreifend braucht es Fair Pay und keine Neiddebatten."