Die Viertagewoche ist ein Thema, das viele Arbeitgeber, aber auch viele Arbeitnehmer sehr kontrovers sehen.

Die Viertagewoche ist ein Thema, das viele Arbeitgeber, aber auch viele Arbeitnehmer sehr kontrovers sehen.

Bild: © magele-picture/ Adobe_Stock

Von Christina Hövener-Hetz

Seit Jahren wird über die Viertagewoche kontrovers diskutiert. Eine valide Untersuchung über mögliche Folgen gab es bisher nicht. Eine Studie des Instituts der Wirtschaft (IW), Köln, kam nun zu dem Ergebnis, dass eine flächendeckende Einführung der Viertagewoche "mehr Nachteile als Vorteile“ mit sich bringen würde.

Die Forscher befragten mehr als 800 Unternehmen aus allen Branchen zu ihrer Sicht auf die Viertagewoche bei vollem Lohnausgleich.

Unternehmen zögern noch

Acht von zehn der befragten Personalverantwortlichen gaben an, dass sie sich über die Viertagewoche entweder noch nicht im Detail informiert hätten oder sie im eigenen Unternehmen auf keinen Fall umsetzen würden.

Nur gut sechs Prozent der Unternehmen haben das Modell eingeführt oder testen es derzeit. Etwas höher ist der Anteil der Betriebe mit Viertagewoche im Handwerk mit neun Prozent sowie in Unternehmen mit einem hohen Digitalisierungsgrad.

Weiterer Belastungsfaktor für die Kosten

60 Prozent der befragten Unternehmen gingen davon aus, eine gesetzlich vorgeschriebene oder tariflich vereinbarte Regelung würde den "Wohlstand gefährden“. Fast genauso viele Betriebe erwarteten, dass sich die “internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands durch die Arbeitszeitverkürzung verringern“ würde. Da die Bundesrepublik bereits heute zu den exportorientierten Ländern mit den höchsten Lohnstückkosten zählt, wäre die verkürzte Arbeitszeit bei gleichem Lohn ein zusätzlicher Belastungsfaktor, heißt es beim IW.

Sieben von zehn Unternehmen sind der Meinung, dass das Arbeitsvolumen der gesamten Wirtschaft nicht mehr zu stemmen wäre. 77 Prozent der Firmen rechneten damit, dass durch die Viertagewoche die Personalkosten steigen würden.

Die IW-Studie ergab aber auch, dass eine Viertagewoche in einzelnen Branchen und Bereichen durchaus einen positiven Effekt haben könne. In den meisten Unternehmen dürfte die “undifferenzierte Einführung einer auf vier Tage verkürzten Arbeitswoche aber großen Schaden anrichten".

Stadtwerke Pforzheim: Hohe Akzeptanz

Anders fallen die Erfahrungen der Stadtwerke Pforzheim aus. Der Regionalversorger hat 2024 im Rahmen eines Pilotprojekts die 4-Tage-Flex-Woche eingeführt – mit dem Ziel, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowie eine höhere Arbeitgeberattraktivität zu schaffen. Inzwischen ist das Modell dort fester Bestandteil des Arbeitsalltags.

Unternehmenssprecherin Louisa Ellminger: “Unsere bisherigen Erfahrungen sind durchweg positiv. Das Modell wird aktuell von rund 90 Prozent der befragten Mitarbeitenden aktiv genutzt und erfährt eine hohe Akzeptanz im gesamten Unternehmen. Die Rückmeldungen zeigen, dass die neue Arbeitszeitstruktur zu einer spürbaren Steigerung der Zufriedenheit und Motivation geführt hat – ohne negative Auswirkungen auf die Produktivität oder Servicequalität. Im Gegenteil: Viele Teams berichten von effizienteren Prozessen und einer bewussteren Arbeitsorganisation.“

Effizienz und Mitarbeiterbindung

Die Pilotphase im Jahr 2024 ergab so eindeutige positive Ergebnisse, dass die Viertagewoche in dem 600 Mitarbeiter zählenden kommunalen Unternehmen heute grundsätzlich angeboten wird. Die 4-Tage-Flex-Woche wird durch mobiles Arbeiten ergänzt, das – wo es die Tätigkeit erlaubt – ebenfalls auf breite Resonanz stößt.

“Derzeit arbeitet etwa jeder sechste Mitarbeitende (16 Prozent) regelmäßig mobil. Besonders intensiv wird diese Möglichkeit in Bereichen wie Vertrieb, Innovation und Finanzwesen genutzt, wo die Quoten zwischen 25 und 36 Prozent liegen. In klassisch administrativen oder technischen Bereichen wie Personal, Geschäftsführung und Netz sind mobile Arbeitsformen mit Anteilen zwischen 18 und 22 Prozent etabliert“, berichtet Ellminger.

Aus Sicht des Unternehmnes bieten flexible Arbeitsmodelle wie die 4-Tage-Flex-Woche in Kombination mit mobilem Arbeiten eine tragfähige Antwort auf die veränderten Erwartungen am Arbeitsmarkt – sowohl im Hinblick auf Arbeitgeberattraktivität als auch auf Effizienz und Mitarbeiterbindung.

Umfrage bei Stadtwerken: Mix gefragt

Ein Pilotprojekt in Großbritannien war bereits 2024 Anlass für die ZfK zu einer stichprobenartigen Umfrage bei Stadtwerken. Die Befragung ergab bereits damals, dass immer mehr Stadtwerke und Entsorgungsbetriebe auf individuelle Angebote in Sachen Work-Life-Balance setzen, um als attraktiver Arbeitgeber zu punkten. Das ist bis heute so geblieben. Im Mittelpunkt steht die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

So heißt es zum Beispiel bei den Stadtwerken Wuppertal: “Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können weitgehend selbst bestimmen, wie ihre Arbeitswoche gestaltet wird. Dazu gehören Teilzeitbeschäftigung, Homeoffice, mobiles Arbeiten, alternierende Telearbeit, Vertrauensarbeitszeit und auch kurze Vollzeit.“

Mehr Flexibilität für Beschäftigte

Bei den Stadtwerken München gibt es neben flexiblen Arbeitszeitmodellen für Eltern auch Angebote für Angestellte, die Familienangehörige pflegen. Außerdem gibt es eine Familienberatung und Betreuungsplätze in Kindergärten und Krippen im gesamten Stadtgebiet.

Die Stadtwerke Erfurt SWE sind zertifizierter Partner des Lokalen Bündnisses für Familie Erfurt. Sie haben Angebote wie "attraktive Arbeitszeitmodelle, Eltern-Kind-Zimmer im Hauptsitz der Stadtwerke Erfurt Gruppe und Betreuungsplätze in der Betriebskrippe oder im Kindergarten sowie bieten Unterstützung bei der Suche nach Tageseinrichtungen". Die Stadtwerke Osnabrück bieten eine "ArbeitszeitFlex“ an.

Der Beitrag ist zuvor in der Juni-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.

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