Im September 2026 kostete ein Liter Superbenzin E5 (mit bis zu fünf Prozent Ethanol) im Schnitt 2,35 Euro. Elektroautos fahren deutlich billiger – selbst im ungünstigsten Ladeszenario. Das zeigt der neunte Elektromobilitätsmonitor des Branchenverbands BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft) in Berlin.
Der BDEW rechnet Ladetarife in Euro pro Liter Benzin um. Grundlage sind 18 Kilowattstunden Stromverbrauch gegenüber 7,7 Litern Benzin auf 100 Kilometer. Ergebnis: Wer zu Hause mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage lädt, zahlt umgerechnet 28 Cent je Liter. Das spart rund 1,90 Euro. Wer privat am Netz lädt, kommt auf 86 Cent. Am teuersten wird es beim Schnellladen über einen Fremdanbieter (Roaming): Im Schnitt sind es 1,56 Euro je Liter – immer noch etwa 60 Cent unter dem Tankstellenpreis. Der Verband weist aber selbst darauf hin: In der Praxis nutzen Fahrende verschiedene Möglichkeiten, am Ende steht ein Mischpreis.
Rekord dank Iran-Krieg und Förderung
Bislang kamen 2026 mehr als 604.000 vollelektrische Pkw neu auf die Straße. Ihr Anteil an den Neuzulassungen liegt seit dem Sommer über einem Drittel, 2025 lag ihr Anteil bei 19,1 Prozent. Als Treiber nennt der BDEW neben den europäischen CO₂-Flottengrenzwerten den Kraftstoffpreisanstieg infolge des Iran-Krieges und die neue E-Auto-Förderung. Auch der Gebrauchtmarkt zieht an: Rund 261.000 E-Autos wechselten bisher den Besitzer – ebenfalls mehr als im gesamten Vorjahr.
Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland dennoch Mittelmaß. Unter den zehn Ländern mit den höchsten Anteilen belegt es den letzten Platz. Neun Länder übertreffen den deutschen Rekord teils deutlich. Der BDEW sieht die Ursache vor allem im politischen Rahmen: In Dänemark, den Niederlanden und Finnland drücken niedrigere Zulassungssteuern den Preis. Belgien erlaubt seit 2026 nur noch emissionsfreie Dienstwagen als Steuerabzug.
Ladenetz wächst schneller als die Nachfrage
Das öffentliche Netz hat 2026 die Marke von 11 Gigawatt Ladeleistung und 220.000 Ladepunkten überschritten. Ultraschnelllader (HPC, High Power Charging) treiben den Zubau. Laut BDEW erreicht Deutschland rund 250 Prozent der Ziele der EU-Verordnung für Ladeinfrastruktur (AFIR).
Die Auslastung steigt aber kaum: Im Schnitt ist nur jeder achte Ladepunkt gleichzeitig belegt – 13 Prozent nach zwölf Prozent im Vorjahr. Für Betreiber heißt das wohl: Das Netz hat Luft, die Wirtschaftlichkeit hängt aber an höherer Auslastung.
Auch Lkw können laden: An 789 Standorten kommen E-Lkw an die Steckdose, an 411 davon ohne Abkoppeln. Viele Standorte entstanden ursprünglich als Pkw-Hubs.
Wohin sich die Nachfrage verschiebt
Die Nutzerumfrage unter rund 1000 E-Autofahrenden liefert Hinweise für die Planung. Ladehubs innerorts nutzen 39 Prozent, nach 21 Prozent im Vorjahr. Laden unterwegs fällt von 50 auf 34 Prozent, Laden zu Hause von 82 auf 75 Prozent. Zudem verbreitert sich die Käuferschaft: Haushalte mit 2000 bis 4999 Euro Nettoeinkommen im Monat stellen nun 60 Prozent der Befragten, nach 50 Prozent 2025.
Die Zufriedenheit ist hoch: 94 Prozent würden wieder ein E-Auto kaufen, 91 Prozent sehen ihre Erwartungen an das öffentliche Laden erfüllt. Offen bleibt, ob der Rückenwind anhält, solange die EU weiter diskutiert, die Flottengrenzwerte für 2030 und 2035 aufzuweichen.