Die Angriffsfläche bei Ladeinfrastruktur für Cyberangriffe ist groß: Ladesäulen kommunizieren über die Stromleitung mit dem Fahrzeug, lesen Funkkarten (RFID) oder Bluetooth-Signale aus und hängen am Internet. Hinzu kommen Wartungsterminals und das Smart-Meter-Gateway.
In der Regel schützen zentrale Server die Ladesäulen vor Cyberattacken. Sie reagieren aber erst, wenn sie eine Attacke registrieren. Das Forschungsprojekt "ReSilLENT" will die Ladeinfrastruktur widerstandsfähiger gegenüber Cyberangriffen machen – und setzt dabei auf einen dezentralen Ansatz. Projektpartner sind die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, das Cybersicherheitsunternehmen Asvin und der Ladesoftware-Anbieter Charge IQ.
Erkennung direkt an der Station
Besonders heikel bei vielen Anbietern ist das häufig noch verwendete Lademanagementprotokoll OCPP (Open Charge Point Protocol) in Version 1.6. Es erlaubt Energiediebstahl und Man-in-the-Middle-Angriffe, bei denen sich Dritte in die Kommunikation einklinken. Zudem drohen Überlastungsangriffe und Schadsoftware, die sich von einer gekaperten Ladesäule auf andere ausbreiten.
Das Projekt "ReSiLENT" arbeitet anders: Es ergänzt jede Ladesäule um eine Erkennungseinheit. Diese Einheit erfasst Daten wie Stromstärke, Spannung, Netzwerkparameter und Auslastung des Controllers und analysiert sie lokal. Sofort und schon auf Ebene der Hardware kann das System Ladevorgänge abbrechen oder Verbindungen schließen.
Die Stationen teilen diese Informationen zudem über ein Peer-to-Peer-Netz, also einen Verbund gleichberechtigter Knoten ohne zentralen Server. Dafür nutzt das Projekt das Protokoll IPFS (Inter-Planetary File System). Vorteil: Es findet Daten über ihren Inhalt, nicht über ihren Speicherort. Fällt eine Station aus, bleiben die Informationen bei anderen Knoten verfügbar. Eine zentrale Instanz mit mehr Rechenleistung ergänzt das Netz und zieht Daten aus dem Lademanagementsystem des Betreibers hinzu.
Gerade bei preiswerter Ladeinfrastruktur zählen aber die Kosten. Das Projekt will Schutz über Automatisierung wirtschaftlich machen, vom privaten Stellplatz bis zum Schnellladepark.
Das Projekt lief seit 2023 und ist mittlerweile abgeschlossen. Charge IQ integrierte die Komponenten in sechs Ladesäulen und betrieb sie in einer einsatznahen Umgebung. Damit sei die technische und betriebliche Integrationsfähigkeit nachgewiesen.
Offen bleibt, wie gut sich die Lösung in bestehende Betriebsprozesse einfügt. Die Partner wollen weiter mit Herstellern und Betreibern testen. Volker Fricke, Mitgründer von Charge IQ und Projektleiter, sagt: "Mit 'ReSiLENT' konnten wir zeigen, dass Cybersicherheit von Beginn an und praxisnah in Ladeinfrastruktur integriert werden kann."