Die VW-Tochter Elli stellt sich neu auf – und zieht sich unter anderem aus dem Geschäft mit Lade-Hardware für Elektroautos zurück. Dazu zählen Wallboxen für zu Hause, aber auch der Bau von Lade-Infrastruktur für Unternehmen. "Wir richten unser Portfolio neu aus, und konzentrieren uns auf digitale und skalierbare Geschäftsmodelle, mit denen wir mehr Kunden in mehr Märkten erreichen und kontinuierliche Umsätze erzielen können", sagte Elli-Chef Giovanni Palazzo.
Für Kundinnen und Kunden hat der Schritt Palazzo zufolge keine Auswirkungen. Software-Updates, Service und Ersatzteile blieben gesichert. Die Restbestände an Wandladestationen will die Firma noch verkaufen. Elli gibt auch die Zuständigkeit für Volkswagens Batterie-Großspeicher, die als Puffer für Wind- und Solarenergie dienen, ab. Die Anlagen sollen künftig von einem anderen Unternehmen des Konzerns betrieben werden.
Der Schritt ist Teil einer größeren Neuaufstellung der Energie- und Ladefirma. Prozesse und Organisation sollen umgebaut, die Struktur schlanker, schneller und digitaler werden. Von 2027 an bündelt Elli ihr Geschäft in den Feldern Energie und Mobilität. Fortgeführt werden das Ladenetz mit mehr als einer Million Punkten in Europa, Tank- und Ladelösungen für Fahrzeugflotten sowie das Ökostrom-Angebot Volkswagen Naturstrom.
Bidirektionales Laden bleibt bei Elli
Lösungen, bei denen E-Autos nicht nur zum Laden angeschlossen, sondern intelligent in das Stromnetz eingebunden werden, werden zudem Teil des neu aufgestellten Geschäftsmodells sein. So können sie beispielsweise als Stromspeicher dienen.
Wie viele der rund 400 Elli-Beschäftigten wegen der Neuaufstellung ihren Job verlieren könnten, ließ Palazzo offen. Die Zahl sei aber nicht unerheblich, da eine große Anzahl von Mitarbeitern in den betroffenen Bereichen arbeite. Auch wie der Stellenabbau ablaufen soll, blieb zunächst unklar. Dem Manager zufolge laufen aber bereits Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern. Diese seien konstruktiv. Palazzo hofft auf eine Einigung in den kommenden Wochen.
Der Autokonzern aus Wolfsburg hat Elli im Jahr 2018, vor dem Start der E-Auto-Familie "ID.", als Ladeinfrastruktur- und Stromanbieter aufgelegt. Seitdem kamen weitere Geschäftsfelder hinzu. Mit der Neuaufstellung will Elli die Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit schaffen. Der Lademarkt in Europa wachse schnell und konsolidiere sich zugleich. Die Konkurrenz wird demnach schärfer, die Margen sinken. Das Unternehmen will das Wachstum der vergangenen Jahre daher in nachhaltige finanzielle Stärke umwandeln und die Ressourcen auf den nach eigenen Angaben erfolgreichen Produktkern konzentrieren.
Gemessen am Konzernumsatz ist das Geschäft von Elli zwar winzig – aber es wächst schnell. Im Abschluss 2024, der öffentlich im Unternehmensregister einsehbar ist, wies die VW-Tochter einen Umsatz von 174 Millionen Euro aus. Das Hardware-Geschäft machte damals rund 15 Prozent aus. Der Nachsteuerverlust betrug rund 54 Millionen Euro. Zu den aktuellen Geschäftszahlen äußerte sich Palazzo nicht.
Der Manager will Elli durch die Neuaufstellung auch in die Gewinnzone führen. Der Weg in die schwarzen Zahlen sei relativ kurz. Dadurch dürfte die VW-Tochter auch für Investoren interessant werden. Erste Gespräche gibt es demnach bereits.